Unsereiner kauft lokal

Lokal kaufen und trotzdem online shoppen. Warum nicht? Beides muss sich nicht ausschließen, sagt Grafikerin Sarah Händel. Mit einem Geschäftspartner aus Schleswig-Holstein bringt sie die Online-Verkaufsplattform "unsereiner" zum Laufen, die den kleinen Einzelhändler in den Fokus rückt.

Von Cornelia Henze

Treuen "Unsereiner" gehört grammatikalisch zur Gattung der Indefinitivpronomen und meint laut Duden damit "ich mit den anderen". Oder "Einer allein schafft es nicht und braucht die anderen", sagt die 37-Jährige, die in Treuen das eigene Studio namens "Werbekram" betreibt. Herzenssache war so eine regionale Verkaufsplattform schon lange, aber jetzt, wo die Läden seit Monaten dicht sind und die Innenstädte vereinsamen, ist die Zeit reif, sie scharf zu schalten. Schuhverkäufer, Klamottenhändlerin und Co. lebten bisher von Stamm- und Laufkundschaft. Kundenkontakt und Beratung waren die starken Argumente für den Einkauf vor Ort im Laden und contra den Klick im Internet. Doch damit überleben, das ist nicht mehr. Etliche Händler seien dabei, aufs Onlinegeschäft umzusteigen. Doch wer erfolgreich sein will, muss viel Geld in eine professionelle Homepage investierten. Und er muss die Google-Algorithmen und Tricks kennen, um im Netz sofort gefunden zu werden. Der andere Weg führt an Amazon nicht vorbei. Wer dort seine Waren zum Verkauf einstellt, unterwirft sich dem Reglement des Internetriesen, zahlt hohe Gebühren. "Beide Varianten sind teuer und teils zeitaufwändig", urteilt Sarah Händel und bringt hier "unsereiner" ins Spiel.
Ende April soll die Plattform an den Start gehen, wohlwissend, dass mit derzeit rund 50 angemeldeten Händlern die Auswahl für den Kunden noch nicht riesig ist. In Zusammenarbeit mit ihrem Geschäftspartner Martin Zacharias aus dem hohen Norden haben Händler aus dem Vogtland, aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein ihre Angebote eingepflegt. Und so funktionierts: Wer Schuhe in Treuen kaufen will, gibt in der Suchmaske Artikel und Standort ein. Einstellen kann der potenzielle Käufer auch per Eingabe der Postleitzahl den Radius, in dem erkaufen will. Ist beispielsweise kein Treuener Schuhhändler auf der Plattform angemeldet, "spuckt" die Seite Angebote aus Plauen, Greiz oder Reichenbach aus. Der Kunde bestimmt, von wem und woher er kauft. "Unsereiner" setzt auf Transparenz und überlässt es dem Kunden, seine Seite nach eigenem Gusto zu gestalten. Somit kann dieser auf Adresse, Mail, die eigene Instagram- und Facebookseite, eine Chatfunktion zwischen Verkäufer und Käufer soll noch eingerichtet werden.
Und was kostet der Service? "Nicht so viel wie bei Amazon", sagt Händel, denn ihre Plattform soll fair bleiben und den Innenstädten das Überleben möglich machen. Grundgebühr verlangt "unsereiner" keine. Bei Verkauf eines Artikels bis zum Wert von 10 Euro beträgt die Gebühr 5 Prozent, bei Waren bis 100 Euro 2,5 Prozent und ab 100 Euro 1 Prozent. Die gelernte Produktgestalterin wünscht sich, dass "unsereiner" deutschlandweit Händler und Kunden findet und es zur fairen Konkurrenz großer Online-Plattformen bringen kann.
Dass Innenstädte sterben hat nicht direkt nur mit Corona zu tun, wenngleich die Pandemie diese beschleunigt. Seit Jahren beobachtet Sarah Händel wie Einzelhändler erst von großen Filialisten, und dann diese vom Internet verdrängt werden. "Das muss endlich aufhören."
www.unsereiner.com