"Unser Haus erhielt einen Volltreffer"

Die Bombenangriffe auf Plauen im April 1945 waren zwar die schwersten auf die Stadt, doch bereits in den Mittagsstunden des 12. September 1944 warfen 30 Bomber der 1st. Division der 8. Air Force ihre tödliche Last ab - 130 Menschen starben, darunter auch die kleine Schwester unseres Mitarbeiters Peter Winkler. Er erinnert sich.

Plauen "An diesem warmen und sonnigen Spätsommertag hielt ich mich mit meiner kleinen, knapp ein halbes Jahr alten Schwester Christine und meiner Mutter im Garten unseres Hauses Kantstraße 11 auf. Fliegeralarm um die Mittagszeit zwang uns, in den Luftschutzkeller zu gehen. Die meisten Hausbewohner befanden sich bereits dort, dicht gedrängt. Nachdem schon einige Verbände die Stadt überflogen hatten, glaubten wir, dass die Gefahr vorüber ist, und gingen, zumal meine Schwester gefüttert werden musste, in die Wohnung zurück. Der Rundfunk meldete, dass sich die feindlichen Bomber auf dem Rückflug befänden. Meine Mutter wollte mit uns, meine Schwester auf dem Arm und mich an der Hand, wieder in den Schutzraum zurück. Wir blieben jedoch an der Haustür stehen und sahen hoch über uns die Flugzeuge, und dann war alles vorbei. Unser Haus erhielt einen Volltreffer. Helfer gruben uns aus, erst mich und dann meine Mutter aus den Trümmern. Wir hatten als einzige überlebt. Schwerverletzt lagen wir dann mehrere Wochen im Krankenhaus. Zu den Opfern in der Kantstraße 11 gehörte auch meine kleine Schwester, die erst einen Tag später gefunden wurde. Der Luftdruck zerriss ihre Lunge, der wir durch ihren Hunger letzten Endes unser Leben zu verdanken haben. Es war unser großes Glück, dass wir in der Haustür standen und noch nicht im Luftschutzkeller waren. Mann kann nur immer hoffen, dass so etwas nie wieder vorkommt."
An diesem 12. September fielen 82,5 Tonnen Bomben - vornehmlich auf die Südvorstadt, Reinsdorf, die östliche und nördliche Bahnhofsvorstadt und das Vomag-Gelände. Von den Amerikanern wurde Plauen als "Gelegenheitsziel" bezeichnet. Von der Air Force wurde die Bombardierung, die 130 Tote forderte, später als "gering befriedigend" eingestuft.
Nach den schweren Angriffen im April 1945 waren 75 Prozent aller Gebäude in Plauen zerstört, in der Oberen Bahnhofsvorstadt waren es unglaubliche 99 Prozent. 6500 Wohngebäude waren kaputt oder beschädigt. Insgesamt fielen auf Plauen 4925 Tonnen Bomben - das gesamte verfügbare Arsenal an Bombentypen, wie Wikipedia unter Bezug auf den Plauener Historiker Gerd Naumann auflistet. Mit einer Bombenlast von 159 Tonnen pro Quadratkilometer traf Plauen im Vergleich aller sächsischen Großstädte die höchste Bombenlast.