Unmut über Solarpolitik

Auch in der Region schütteln die Chefs von Solarfirmen den Kopf, weil ihre innovative und zukunftsorientierte Branche seitens der Bundesregierung nicht die erforderliche Förderung und Unterstützung erfährt. Der chinesischen Konkurrenz gehe es da besser.

Der Bundesrat hat das Vorhaben vorerst gestoppt. Doch die von der Bundesregierung geplanten harten Einschnitte der Solarstrom-Förderung haben bereits großen Schaden in der Solarstrom-Branche verursacht, verzeichnet der Bundesverbandes Solarwirtschaft. In einer Umfrage in Photovoltaik-Unternehmen wurden Umsatzeinbrüche von über 50 Prozent beklagt und offenbar, dass über die Hälfte der Solarstromunternehmen Mitarbeiter entlassen.

Von den wiederholten Kürzungen der Einspeisevergütung für neu zu installierende Solarstromanlagen sind auch Betriebe wie die thüringische Altec Solartechnik AG mit Sitz in Crispendorf bei Schleiz betroffen. Das Unternehmen ist Hersteller und Fachgroßhändler für Montagesysteme, mit denen Photovoltaikanlagen auf Dächern oder Freiflächen befestigt werden.

Die Leitung des Hauses macht sich Sorgen über die Pläne der Bundesregierung. "Die Einspeisevergütung sollte man nicht im Hauruck-Verfahren kürzen", sagt Altec-Marketingleiter Sandro Schierse. Die ständig wechselnde Gesetzeslage erzeuge unvorhersehbare Nachfrageschübe, die oft sogar die Kapazitäten überstiegen. Dies schade der gesamten Branche und führe zu Preiserhöhungen, wobei doch eine stetige Kostensenkung Ziel der Politik sei, finden die Experten aus Schleiz, deren Firma an den Produktionsstandorten in Crispendorf und Sömmerda rund 200 Mitarbeiter zählt.

Derzeit bliebe nichts anderes übrig, als die Auftragsspitzen mit Leiharbeitern abzudecken. Schierse fordert: "Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen und die Gleichbehandlung sämtlicher Energien. Wenn die Einspeisevergütung weiter gesenkt und der selbst erzeugte Solarstrom preisgünstiger als der Netzstrom wird, könnte es für energieintensive Firmen interessant werden, stärker als bisher auf eigenen Strom zurückzugreifen."

Auch bei der Ingenieurgesellschaft für Photovoltaikanlagenbau in Treuen, die sechs Mitarbeiter hat, regt sich Unmut über die Politik in Berlin. Die Folge: Seit Jahren gingen die Auftragsvolumen wie im Fahrstuhl rauf und runter, beschreibt Geschäftsführer Erich Moritz. "Module Hersteller haben es sehr schwer, denn vom Ausland kommt sehr viel Preisdruck", beschreibt Moritz. Nun hat der Bundesrat die Gesetzesvorlage zunächst abgelehnt. "Es scheint alles wieder offen. Ich bin mir sicher, dass die ganze Entwicklung nicht so heiß gegessen wird wie gekocht wurde", gibt sich der Treuener optimistisch.

Altec-Vorstandsvorsitzender Holger Mittig betont: "Die deutschen Solarmodulhersteller trifft es hart. Die haben gegen chinesische Konkurrenz zu kämpfen, die von ihrem Staat massiv gefördert wird und deren Herstellungsverfahren nicht den strengen europäischen Umweltschutzrichtlinien unterliegen. Erforderlich ist eine Überarbeitung der Förderstrukturen nach dem Beispiel Italiens oder Großbritanniens, die volle Fördersätze nur bei Verwendung von Produkten europäischer Herkunft gewähren."