Uni-Pilsen: Einmaliges Projekt in Gefahr

Plauen - November 2008. Immatrikulation von 17 Studenten im Plauener Rathaus. Die Außenstelle Plauen der Westböhmischen Universität Pilsen nimmt ihre Arbeit auf. Plauen ist als Ort einer Außenstelle de facto eine Stadt, die eine Universitätsausbildung anbietet. Was ist daraus geworden?

 

"Der Anfang ist gemacht." Mit diesem Satz der Erleichterung und Hoffnung kommentiert Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer die Immatrikulation der 17 Studenten. Zum feierlichen Akt waren der Rektor der Universität Pilsen, Josef Pru?a, und der Leiter des dortigen Instituts für Kunst und Design, Josef Mi?tera, ins Vogtland gekommen. Plauens Stadtoberhaupt hatte die Amtskette angelegt und die Abgesandten aus Böhmen erschienen im mittelalterlichen Talar. Festliche Musik erklang. Reden wurden gehalten und das Gelöbnis von Student Thomas Penzold gesprochen." So stand es am 19. November 2008 im Vogtland-Anzeiger.

Diese 17 Studenten des Studienganges Grafikdesign haben nun sechs Semester hinter sich gebracht. Die Abschlussprüfungen für die künftigen Bachelors of Arts werden in diesem Frühjahr beginnen. Während ihrer Zeit in Plauen erlebten die Studentinnen und Studenten Höhen und Tiefen. Bafög-Querelen wurden gemildert durch die Großzügigkeit eines Plauener Spenders und den vehementen Einsatz regionaler Politiker. Nun steht vor ihnen noch die deprimierende Aussicht, die Prüfungen in Tschechisch ablegen zu müssen.

 

Ihr ehemaliger Außenstellenleiter, der Plauener Künstler Klaus Helbig, hat 2009 diese Tätigkeit beendet. Am 30. Juni 2010 hat er zudem seine Tätigkeit als Dozent eingestellt. Helbig, der sich als Vorsitzender des Vereins Initiative Kunstschule mit seinen Mitstreitern seit Jahren für eine höhere Bildungseinrichtung in Plauen einsetzt, ist "sehr enttäuscht". Seiner Meinung nach ist die Fortsetzung der universitären Ausbildung in Plauen stark gefährdet. Das ließe sich auch beweisen. Wurden 2009 noch neun Studenten immatrikuliert, seien es im vergangenen Jahr nur noch vier gewesen, die eine Ausbildung in den Räumen der einstigen Seume-Schule in der Rückertstraße begonnen hätten.

Dabei habe nach Helbigs Meinung alles so hoffnungsvoll begonnen. Ein Kooperationsvertrag stellte im April 2002 die Weichen für den Aufbau der Plauener Außenstelle. Im November 2006 wurde ein Vertrag zwischen dem Rektor der Westböhmischen Universität Pilsen und dem Plauener Oberbürgermeister unterzeichnet, der die Gründung einer Außenstelle der Pilsener Universität in Plauen dokumentierte.

Der Entwurf eines Gründungsvertrages stammt vom September 2007 und ist getragen von dem gemeinsamen Willen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf dem Gebiet universitärer Ausbildung im zusammenwachsenden Europa. Leider, so Klaus Helbig, wurde dann ein "inhaltlich völlig anderer Vertrag, bei dem der ursprünglich bekundete Wille zur Gemeinsamkeit einer einseitigen Administrierung aus Pilsen gewichen ist", unterzeichnet. Laut Helbig sei die Universität Pilsen "beinahe von allen Absprachen, Zusagen und zum Teil vertraglichen Regelungen abgerückt".

So habe es zum Beispiel keine Gründung auf der Basis des ursprünglich vorgesehenen Gründungsvertrages gegeben; der 2009 für Plauen geplante Studiengang Metalldesign wurde nicht eingeführt; das Weisbachsche Haus wurde nicht zum Standort der Außenstelle, die dort ausgebauten Ateliers und Werkstätten und die Galerie wurden nicht mehr genutzt; die Internationale Sommerakademie ist nicht in die Unterrichtsprogramme einbezogen worden.

Für Klaus Helbig besonders unverständlich ist die Tatsache, "dass der Unterricht und die Vorlesungen an der Außenstelle in Plauen in Deutsch gehalten, die Prüfungen jedoch in Tschechisch abgelegt werden müssen". Helbig zitiert auch die für die Plauener Studenten zuständige Tschechischlehrerin, die es nicht verantworten könne, dass die Studenten ihre Prüfungen in Tschechisch ablegen müssen.

Klaus Helbigs Fazit ist wenig optimistisch. Er ist der Ansicht, dass die Westböhmische Universität in Pilsen sich über kurz oder lang von dem Projekt Außenstelle Plauen verabschieden werde. Doch müsse das Schiff Außenstelle Plauen nicht untergehen, ist er überzeugt, "weil es durchaus mit gemeinsamer Anstrengung wieder Fahrt aufnehmen könne".                                Lutz Behrens