Unglücksmaschine prallte mit voller Wucht gegen den Berg

Ermittler schließen eine Explosion des Germanwings-Airbusses aus. Die Auswertung der Stimmenaufzeichnung zieht sich hin. Kanzlerin Merkel zeigt sich am Unglücksort betroffen.

Seyne-les-Alpes/Köln - Die Ermittlungen zur Ursache des Germanwings-Absturzes in Frankreich stoßen auf unerwartete Probleme. Im Trümmerfeld der Unglücksstelle in den Alpen fanden Bergungskräfte zwar den Sprachrekorder und den Behälter des Flugdatenschreibers. Die eigentliche Blackbox mit gespeicherten Flugdaten blieb zunächst aber verschollen. Das sagte am Mittwoch der französische Präsident François Hollande in Seyne-les-Alpes.

Zudem dauere die Auswertung der Geräusche aus dem Cockpit des Airbus A320 länger als erwartet. Klar war zunächst nur, dass die Germanwings- Maschine nicht in der Luft explodierte. "Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen", es habe also keine Explosion gegeben, teilte der Direktor der französischen Untersuchungsbehörde BEA, Rémi Jouty, in Paris mit. Die BEA habe zwar auswertbare Daten aus dem ersten Flugschreiber sichergestellt, könne aber keine Angaben zur Absturzursache machen.

"Wir haben auch nicht die geringste Erklärung dafür, warum dieses Flugzeug auf die Kontaktversuche der Luftraumkontrolle, wie es scheint, nicht geantwortet hat", sagte Jouty. Bundeskanzlerin Angela Merkel besichtigte mit Hollande und dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy aus der Luft den Absturzort in einem schwer zugänglichen Tal. Merkel dankte den Einsatzkräften für deren Arbeit:

"Das ist ein Zeichen unglaublicher Freundschaft und Hilfe. Wir sind sehr dankbar", sagte sie mit Betroffenheit in der Stimme. Bergungsteams seilten sich am Mittwoch von Hubschraubern in das unwegsame Gelände ab. Zugleich setzten rund 50 Spezialkräfte, die in dem Bergmassiv in Biwaks übernachtet hatten, ihren Aufstieg zum Absturzort fort.

Die Bergung der Opfer wird nach Einschätzung der Experten extrem schwierig werden. Nach Angaben von Germanwings-Chef Winkelmann waren unter den 150 getöteten Flugzeuginsassen 72 Bundesbürger. Das Bundesinnenministerium ordnete Trauerbeflaggung an allen Bundesbehörden an.

Neben den deutschen waren auch Passagiere aus Spanien, Australien, Argentinien, Iran, Venezuela, den USA, Großbritannien, Niederlande, Kolumbien, Belgien und Israel an Bord. Unter ihnen auch zwei Opernsänger, die in Bayreuth bei den Wagner- Festspielen mitwirkten.