Umzug der Jahrhunderte

Jetzt gerät Plauener Geschichte in Bewegung: Ein Großteil des 120 000stückigen Fundus des Vogtlandmuseums zieht in die Räume der Plauener Seminarschule. Die ersten Bücher sind schon umgezogen.

Von Cornelia Henze

Plauen - 800 Quadratmeter im Haus B an der Seminarstraße und nochmal 1400 Quadratmeter im Haus C werden das Reich sein, in dem Museumsdirektor Dr. Martin Salesch seine Schätze ausbreiten kann. "Wichtig ist mir vor allem, Arbeitsräume zu gewinnen, in denen wir unsere Sammlungen auslegen, bestimmen und nach konservatorischen Gesichtspunkten begutachten können", sagt der Historiker. An Platz für reine Arbeitsfläche hat es bisher gefehlt, obwohl das Vogtlandmuseum gleich mehrere Depots besitzt. Da wäre das Depot am Museumsstandort Nobelstraße selbst, eines Am oberen Graben (Alte Feuerwache), ein weiteres in der Stresemannstraße und die wuchtigen Textilmaschinen aus dem 19. Jahrhundert lagern in der Plamag.
70 Prozent des Fundus "wandern" also in den nächsten Monaten in die Seminarstraße. Dazu gehört das komplette Material aus dem Depot Stresemannstraße. Unter den 120 000 Stücken im Fundus befinden sich Kleinode wie Münzen und Figurinen aus Porzellan bis zu wuchtigen Möbeln und eben genannten Textilmaschinen. Dazwischen jede Menge Hausrat aus Zinn- und Kupfer quer durch die Jahrhunderte, Grafiken und Gemälde, Fotos und Dokumente, die Textilsammlung sowie naturkundliche Tierpräparate. 
Viele Gegenstände seien bisher noch nicht bearbeitet worden, weil es schlichtweg an Platz dafür mangelte. Um ein Konvolut begutachten zu können, müsse man dieses über Wochen auf Arbeitsfläche ausbreiten können. Nicht mit in die Seminarstraße werden die Textilmaschinen, ein altes Stadtmodell, textile Artefakte und Jugendstilmöbel ziehen - sie sind für das Textilzentrum Weisbachsches Haus vorgesehen.
Bis Jahresmitte soll ein Großteil des Fundus umgezogen sein. Zur Verfügung stehen die beiden oberen Etagen von Haus B - im Erdgeschoss ist der Hort der Dittes-Grundschule eingezogen. 
Die Dittes-Grundschule selbst hatte am neuen Schulstandort in der Seminarstraße gestern ihren ersten Schultag. Während der Winterferien ist die Grundschule nach dort gewechselt (wir berichteten).
Das Haus C wird erst etwas später zum Museumsdepot. Noch befindet sich ein Teil der Außenstelle des Berufsschulzentrums e.o.plauen an der Seminarstraße, welcher in nächster Zeit an den Stammsitz des BSZ in der Elsteraue zieht. Mit dem Haus C bekommt das Museumsdepot nicht irgendein Domizil. Dieses Gebäude sei architektonisch dem konstruktivistischen Bauhaus-Stil zuzuordnen und wohl um 1925 entstanden. Geht es nach Salesch, soll der eigentlich raumteilerfreie, über zwei Etagen gehende lichte große Raum in seinem ursprünglichen Zustand erhalten bleiben und das Depot sich dieser architektonischen Besonderheit anpassen. In den nächsten Wochen wird das Depot in der Seminarstraße mit speziellen Archivschränken und einer Gemäldezuganlage bestückt werden. Ein Aufzug, der die Häuser B und C verbindet und einen eigenständigen Eingang zum Depot verspricht, soll 2020 gebaut werden.
Der Umzug ins neue Depot eilt indes nicht, wie ursprünglich geboten. Relativ rasch hätte das Museum zum Beispiel seinen Bestand in der Alten Feuerwache räumen müssen, da vor einigen Wochen noch die angekündigte Erlebnisgastronomie, die dort hineinziehen sollte, Platz gebraucht hätte. Seit einigen Tagen weiß man aber, dass es mit der Erlebnisgastronomie in der Feuerwache nichts werde, so der Museumsleiter.
Dafür pressiert für Salesch der Umbau der Abteilung Ur- und Frühgeschichte im Vogtlandmuseum. Anlässlich des 900. Stadtjubiläums will Salesch die Vögte von Plauen in den Fokus stellen. Ein eigenes Zimmer wird er ihnen mit vielen bisher ungezeigten Dokumenten und Ausstellungsstücken widmen.