Umstrittenes Kunstwerk gerettet

Das abstrakte Wandbild von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht im Foyer des Plauener Rathauses ganzheitlich erhalten, teilweise oder abbauen und auslagern? Darüber diskutierten Plauener Stadträte Dienstagabend in der Festhalle. Die Mehrheit will das Kunstwerk erhalten.

Von Marlies Dähn

Plauen - Über Kunst lässt sich trefflich streiten bemerkte Plauens OB Ralf Oberdorfer und eröffnete damit eine spannende und gut strukturierte Debatte um ein besonderes Kunstwerk. Wer wollt, durfte zu Wort kommen. Auf Antrag von Bernd Stubenrauch auch Elke Hannemann, Galeristin aus Leipzig und Adlers Nachlassverwalterin. Geteilte Auffassungen gab es in den Ausschüssen und auch innerhalb der Fraktionen.


 Aus der Debatte


Als einzigartig stufte Torsten Nimoth vom Landesamt für Denkmalpflege das wiederentdeckte Kunstwerk ein, das aus einer Mischung von Sichtbeton und Kleber gefertigt wurde - ein von Adler und Kracht angemeldetes Patentverfahren. Erstaunlich sei der Zustand des freigelegten Werkes, das nur geringe Beschädigungen aufweist, so Nimoth. Zudem stellte er Fördermittel in Aussicht seitens der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz und der Wüstenrot-Stiftung. Das ganzheitliche Werk sei zu erhalten. Komme es zum Abbruch, müsse man Gesetze bemühen. . . 
Einen flammenden Appell zum Erhalt des Werkes richtete Galeristin Elke Hannemann an die Stadträte. Sie sprach von einem Glücksfall. Es handle sich um das einzige abstrakte Kunstwerk Adlers in der DDR in dieser Form. "Das ist hier in Plauen!" Adler habe für seine Kunst gebrannt. Auch als Direktorin der Galerie Eigen+Art Leipzig könne sie zudem versichern, jeder Künstler wünsche sich den Erhalt seiner Werke. Frisch und geheimnisvoll sei Adlers Kunst.
Adlers Kunst sei nicht unumstritten, führte CDU Stadtrat Jörg Schmidt an und erinnerte an die Bezeichnungen im Volksmund wie "Geisterbahn". Seiner Meinung nach sei das Werk zu DDR-Zeiten dann auch auf Druck der Bevölkerung entfernt worden, die es "nicht schön fand." Zudem werde das Werk nicht "zerschnitten" bei einer Teilsanierung, da Treppen und Wände das Gesamtbild ohnehin schon teilen. 
Als Kind der 70er Jahre könne sie sich nicht an das Bild im Rathausfoyer erinnern, so Alexandra Glied. Das Rathaus sei kein Museum. Daher sei sie maximal für den Teilerhalt des Werkes im Westflügel oder besser noch den Komplett-Abbau und den Aufbau anderswo. 
Petra Rank von den Linken war für den Gesamterhalt, die Fraktion allerdings sei uneins. Andere Städte wären stolz, solch ein Kunstwerk zu haben. Kunst am Bau sei zu erhalten, fand auch Ingo Eckardt. 
Dieter Blechschmidt mahnte als Bauexperte, Probleme zu beachten in Sachen Brandschutz und zusätzliche Planungen. 
Einerseits sei Platz für die Werke von Manfred Feiler. Auf der anderen Seite wolle man die Kunst von Karl-Heinz Adler zerstören. Das finde er "grausam", erklärte Lars Legath. 
Er persönliche sei für den Erhalt des kompletten Werkes, bekannte SPD-Stadtrat Benjamin Zabel
Bernd Stubenrauch bemühte dann ein Bild vom "Schokoladenmädchen", faltete es und schlussfolgerte, Kunstwerke könne man nicht teilen. 
Ein Geschäftsordnungsantrag, bei der Landtagswahl im September per Bürgerentscheid abzustimmen, fiel durch, eine von Lars Legath geforderte Beratungspause ebenso.
 Er stehe eher am Mischpult und verstehe gerade die Debatte nicht, sagte Linken-Stadtrat Tobias Rüdiger. Hier streite man um ein Weltkulturgut, für das man Dank hoher Förderung am Ende nur 45 000 Euro aufbringen müsse? Das sei lächerlich. Dann ließ der OB abstimmen. Der weitreichendste Antrag kam zuerst an die Reihe, also der Erhalt des gesamten Kunstwerkes. OB Ralf Oberdorfer mahnt, aufmerksam zu sein. "Hat schon mancher falsch gewählt. Auch bei der letzten Wahl", fügte er an. Jetzt ging alles sehr schnell. 21 Stadträte waren für den kompletten Erhalt, 14 dagegen bei zwei Enthaltungen. Beifall brandete auf im kleinen Saal der Plauener Festhalle.

Landesamt Denkmalpflege


Das Landesamt für Denkmalpflege fordert die vollständige Freilegung, Reinigung, Putz- und Farbergänzung sowie die Konservierung, auch in den Bereichen der Außenecken. Die Verglasung des Erdgeschosses müsste dafür neu geplant und optimiert werden. Kosten voraussichtlich: 450 000 Euro.

Planung Architekten

Die Fassade des Erdgeschosses mit Haupteingang, Bürgerbüro und Foyer wird zum Unteren Graben hin geöffnet. Bürgerbüro und Foyer erhalten im Erdgeschoss größere Belichtungsflächen. Das wird nun anders.

Probleme bei Erhaltung

Bei Erhaltung des Kunstwerkes kann die Öffnung der Fassade nicht durchgeführt werden. Arbeitsplätze im Bürgerbüro und Foyer erhalten weniger Tageslicht. Erhöhter Aufwand ist nötig, um die Zuluft-Öffnungen zur Entrauchung im Brandfall zu realisieren.

Vorschlag der Verwaltung

Der Stadtrat der Stadt Plauen beschließt bei der Baumaßnahme Umbau/Sanierung Nord-West-Flügel Rathaus Erhalt, Rekonstruktion und Konservierung einer TEILFLÄCHE des Kunstwerkes von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht sowie diese die bisherige Planung nicht beeinträchtigen. (Wurde abgelehnt!)

Aussage des Künstlers

Künstler Karl-Heinz Adler hatte noch zu Lebzeiten gegenüber dem Architekten und dem Betriebsleiter der GAV, Peter vom Hagen, seine Zustimmung zum Teilerhalt seines Kunstwerkes gegeben und eine Wiederherstellung nicht gefordert. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt das Werk auch noch nicht freigelegt. Nach einer Besichtigung durch die Witwe des Künstlers und ihres Sohnes wünschen die Nachkommen nachdrücklich den vollständigen Erhalt des Gesamtkunstwerkes in seiner Einmaligkeit.

 

Zu Adlers Wandbild

Das abstrakte Wandbild von Karl-Heinz Adler entstand 1976 im Nord-West-Flügel im Haupteingangsbereich des Plauener Rathauses. Es ist ein Unikat. Schon nach nur acht Jahren wurde es mit Sandsteinplatten und Putz verkleidet. 
Karl-Heinz Adler gilt als ein international beachteter Künstler, war Maler, Grafiker und Konzeptkünstler. Am 20. Juni 1927 in Remtengrün bei Adorf geboren, vollendete sich im Alter von 91 Jahren sein Lebensweg am 4. November 2018. Er erhielt für sein Schaffen 2018 das Bundesverdienstkreuz.