U 36 "sieht" schlechter als Mittelklasse-Auto

Plauen - "U 36", eines der sechs U-Boote über die die deutsche Marine verfügt, ist am Dienstag beim Ablegemanöver in einer norwegischen Marinebasis südlich von Bergen im Hafen Haakkonsvern havariert (wir berichteten.) Zu "U 36‘" hat Plauen eine besondere Beziehung, ist die Stadt doch Pate einer der Besatzungen des Schiffes. Im Mai 2013 hatte die Lebensgefährtin von Oberbürgermeister Ralf Oberdorf das Boot während eines feierlichen Aktes in Eckernförde getauft, seither besuchten Vertreter der Besatzung mehrmals ihre Patenstadt und freundeten sich als "Nordlichter" mit den Hügeln des Vogtlandes an. 

Marinesprecher Carsten Poll bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass das Schiff an einem Manöver in Norwegen teilgenommen habe. Allerdings habe es entgegen erster Berichte keine Grundberührung gegeben. Vielmehr habe ein Ruder mit einer sehr geringen Geschwindigkeit von einem halben Stundenkilometer einen Felsen touchiert, sagt Fregattenkapitän Poll. Es hanele sich um einen sehr engen Hafen. 

Ob es sich um technisches oder menschliches Versagen handelt, sei derzeit noch unbekannt. Taucher haben ein Video gedreht, um den entstandenen Schaden zu dokumentieren. Dieser Film werde derzeit in Eckernförde ausgewertet. Es sei nach jetzigem Kenntnisstand aber davon auszugehen, dass das Schiff weiter einsetzbar sei. Über die Höhe des Schadens, so Poll, könne derzeit noch nichts gesagt werden. Die Rückfahrt der 56 Meter langen "U 36" sei planmäßig für den 7. Juni vorgesehen, möglicherweise nun auch früher. Verletzte habe es glücklicherweise keine gegeben. 

Von den sechs U-Booten, die unter Wasser 20 Knoten erreichen und mit rund 4200 PS die Meere durchpflügen, sind derzeit drei einsatzklar, fügte Poll an. Es gab Monate, in denen nicht ein einziges bereit zum Auslaufen war. Bereits im Oktober 2017 hatte es das Schwesterschiff "U 35" erwischt, an dem ebenfalls bei einer Havarie die Ruderblätter beschädigt wurden und das bis heute noch nicht wieder einsatzbereit ist. 

Die 500 Millionen Euro teure "U 36" gilt als Stolz der Marine und als ihr neuestes Modell. Sie ist zwar mit Hightech "vollgestopft", doch anders als bei einem Einparkassistenten eines Autos, verfügt das Boot zwar ebenfalls über Navigationssonare, die allerdings nur nach vorn und zu den Seiten, nicht aber nach hinten "sehen" können. tp