U 156 Plauen - das Laconia-Ereignis

Die Galerie im Malzhaus widmet sich in ihrer neuen Ausstellung von heute an bis 15. Mai zum zweiten Mal einem Kapitel der Zeitgeschichte mit Bezug zur Stadt Plauen.

 

Plauen - Eine dramatische Begebenheit des 2. Weltkrieges gibt dem Gemeinschaftsprojekt den Namen: "U 156 Plauen - Das Laconia Ereignis". In dessen Verlauf rettet der deutsche U-Boot-Kommandant Werner Hartenstein, geboren 1908 in Plauen, mit seinem Handeln im Seekrieg über 1000 Menschen. Vor der westafrikanischen Küste im Südatlantik versenkt U 156 am 12. September 1942 das zum Truppentransporter umgerüstete britische Passagierschiff "Laconia". Nachschubwege der Alliierten sollen unterbrochen werden, lautet der Auftrag. Um die 2700 Menschen, darunter 1800 italienische Kriegsgefangene, kämpfen nach dem Untergang ihres Schiffes ums Überleben.

Hartenstein lässt rund 400 Schiffbrüchige ungeachtet ihrer Nationalität in Rettungsbooten und an Bord des U-Bootes bergen und ersucht in einem offenen Funkspruch um Hilfe bei der Rettung der Schiffbrüchigen. Als sich schließlich vier U-Boote unter Rotkreuzflagge in einem Konvoi mit ihrer Menschenfracht zu der Stelle bewegen, wo die Geretteten von französischen Schiffen übernommen werden sollen, werden sie am 16. September von einem US-amerikanischen Bomberpiloten entdeckt und auf höheren Befehl hin angegriffen - obwohl es sich um eine Rettungsaktion handelt. U 156 wird bei dem Angriff beschädigt. Um Boot und eigene Mannschaft zu retten, gibt Hartenstein den Befehl zum Abtauchen. Eben gerettete Schiffbrüchige müssen über Bord springen, die Taue zu den Rettungsbooten werden gekappt. Insgesamt verlieren über 1500 Menschen durch die Torpedierung ihres Schiffes und den Bombenangriff ihr Leben, rund 800 Briten und 450 Italiener werden gerettet. Nach diesem Vorfall erließ der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Karl Dönitz, den "Laconia-Befehl", der Hilfsaktionen für Besatzungen versenkter feindlicher Schiffe strikt untersagte.

In der Ausstellung zeichnen Erlebnisberichte der Überlebenden, Berichte der internationalen Presse und die Kriegshistorie das komplexe Geschehen aus verschiedener Sicht. Eine der Perspektiven ist die des Kriegstagebuchs von Hartenstein. Vermittelt wird die Brutalität des Seekriegs mit dem Blick auf die geltenden völkerrechtlichen Bestimmungen. Die umfangreichen Schrifttafeln zeichnen in vertiefender Weise neben Hartensteins Lebensweg auch die Vita von Stabsoberststeuermann Anton Frühling nach sowie die Geschichte von U 156 "Plauen". Das U-Boot wurde auf seiner fünften großen Fahrt vor Trinidad im März 1943 versenkt, wobei Hartenstein den Tod fand. Auch von den anderen an der Rettungsaktion beteiligten U-Boote übersteht keines den 2. Weltkrieg.

Gemeinsam hat eine Arbeitsgruppe die Dokumentation im Malzhaus erarbeitet. Beteiligt sind die International Submarine Connection U 156 Plauen (ISCP) mit ihrem Geschäftsführer Wilfried Pönitz und Hartenstein-Neffe Werner Schuppan, der Historiker Gerd Naumann vom Vogtlandmuseum Plauen sowie Galerist Peter Hochel und Vorstandsmitglied Jörg Nestler vom Kunstverein. Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit ging ins Land. Dieser Tage traf sich die Arbeitsgruppe zur abschließenden Sitzung. "Hartenstein war nicht der einzige U-Boot-Kapitän, der Schiffbrüchige gerettet und mit Orientierungshilfen ausgestattet hat, aber der einzige, der militärische Befehle missachtete", nimmt Naumann den Faden einer spannenden Geschichte auf, welche sich durch die Ausstellung zieht. Ad absurdum geführt sieht Nestler "die Illusion vom sauberen Krieg nach fairen Regeln". "Charakterlich aufrechte Leute wie Hartenstein wurden in das Dilemma gestürzt zwischen Befehl und Gewissen", meint Hochel.

 

Überlebende der Laconia und anderer von U 156 auf Grund geschickter Schiffe gründeten im November 2002 in der Spitzenstadt die International Submarine Connection U 156 Plauen. Einmal im Jahr treffen sie sich zum ehrenden Gedenken in Plauen. "Laconia" heißt der von BBC und ARD vor Kapstadt produzierte Spielfilm, der in Großbritannien am 6. und 7. Januar gesendet wurde und eine sehr gute Einschaltquote erreichte. Voraussichtlich im Herbst können sich auch die Zuschauer der ARD ein Urteil über den Zweiteiler bilden. Eröffnet wird die vom Kulturraum und der Stadt Plauen geförderte Ausstellung heute, 19 Uhr.