Twin Guitar-Sound vom Meister

Plauen - Eine Rock-Legende gab im Malzhaus ihre Visitenkarte ab. Die vor 41 Jahren gegründete Band Wishbone Ash. Inzwischen gibt es zwei Formationen - die Band mit Frontmann Andy Powell gastierte in Plauen.

 

Eng, heiß, gemütlich, froh und unaufgeregt ließ es sich im Malzhauskeller an zum fulminanten Stelldichein der Wishbone Ash-Veteranen um den Sänger und Gitarristen Andy Powell (Gründungsmitglied), der ein freundlicher, kleiner Mann mit Leutnant Theo Cojack Frisur (also ohne Haare) und heißer Sonnenbrille ist und schon 60 Jahre alt, besser jung und enorm gesund ausschaut. Kein Wunder, statt Bier auf der kleinen Bühne vor den zahlreichen Fans, nahm er lieber ab und an einen Schluck Fruchtsaft, um dann wie ein geübter, erfahrener Handwerker sein Werkzeug zu zupfen, zu streicheln, zu schlagen - die Sologitarre und dabei noch kraftvoll bis leise singen. Kein Wunder, wie das überzeugend gelang, lebt der Brite doch seine Musik, sein Lebenselixier, die Songs und Instrumentals mit Inbrunst und dazu mit immer wieder neuen Wendungen und Einfällen spielend.

Gitarrero-Kollege Muddy Manninen, ein cooler, stoisch vor sich hin spielender Typ aus der finnischen Hauptstadt Helsinki, spielte dem Chef in der Mitte die solistischen Bälle locker-leicht zurück, setzte zudem feine, eigene, famose Akzente. Mann oh Mann, was aus einer Gitarre an Klängen aber auch herauszuholen ist, las man in den Gesichtern der Zuhörer. Was beide Kerle boten, nennt man Twin Guitarsound, also unisono Themen spielen, aber die nicht einstimmig sondern mehrstimmig. Beinah sinfonisch tönte der Klang durch das Tonnengewölbe, melancholisch, Energie geladen oder einfach voller Poesie.

Das Quartett vollständig und perfekt machten Bob Skeat am Bass und Joe Crabtree an den Drums, die wie ein Uhrwerk die Rhythmussektion übernahmen. Ohne Schnörkel geriet das Bass-Spiel, fett und zupackend bearbeitete Schlagwerkmann Cabtree seine Trommeln und Becken, und nicht nur in Sachen Rock. Sogar Latino-Rhythmen und Popmusik gab es auf die Ohren des meist etwas älteren Publikums, darunter viele gestandene Burschen, die früher wohl mal Gitarre lernen wollten oder einfach die Rockmusik a la Wishbone Ash und der ganzen weiteren Rock-Champions Liga mochten und das bis heute. Klar, auch ihr maßgeblicher Hit "Throw down the sword" erklang, eine lyrische Hymne wie ein Folksong aus den britischen Highlands, ein Aufruf für ein friedvolles Miteinander.

 

Das Mitsummen war garantiert. Und damit nicht genug. Powell hatte seinen Sohn mit. Der junge Kerl namens Aynsley schlug die Gongas bei einem flotten neuen Song ebenso wie die Konzertgitarre bei mehreren weiteren Titeln. Klasse! Auch Besucher Mike Weber aus Plauen gefiel der Auftritt einer kultigen Band, deren Werk mit zahlreichen LP?s in seinem Plattenschrank aufbewahrt ist. "Sauber, auch wie die zwei Gitarren harmonierten. Es war ein Genuss", lobte Mike Weber. Das dachten auch die Malzhausgäste: Beifall voller Freude und Dankbarkeit überhäufte die Wishbone Ashs. Frank Blenz