"Tue Gutes und rede drüber"

Thomas Hedrich arbeitet als Bundespolizist, Kampfkunstlehrer und Coach für Konfliktlösungen. In Coronazeiten sprach er kürzlich in einem TV-Interview über die Krise, die er als Chance sieht, etwas anders zu machen, weg vom "Schneller, Größer, Weiter".

Von Frank Blenz

Plauen/Auerbach Hamsterrad, Leistungsgesellschaft, Mehrwert, Geld, Turbokapitalismus - diese kraftvollen Begriffe baut Thomas Hedrich in seine Wortwahl im Interview mit dem Moderatoren Sascha Vrecar vom freien Internetportal "eingeschenktTV" aus Chemnitz ein, das vorige Woche auf Sendung ging.
Dass Hedrich für derlei Gespräch eingeladen wurde, liegt an der Vielseitigkeit seines Schaffens, an seiner vielfältigen Verankerung in der Gesellschaft, sei es als Polizist, als Trainer, der seine besondere, intensive Sicht auf die Corona-Zeit hat.
In seiner Funktion als Coach unterrichtet er unter anderem Kinder, denen er hilft, ihre Stärken zu erkennen, Konflikte zu verstehen und gewaltfrei auszutragen. Er lehrt WingTsun - Kursen, Selbstverteidigungslernstunden. "Das Prinzip der Selbstverteidigung ist das Vermitteln der eigenen Stärke, des Selbstvertrauens. Selbstvertrauen entsorgt Wut und damit Gewaltpotential", sagt Hedrich. "Die Corona-Krise offenbare, wie wenig Menschen eigenes Selbstvertrauen zeigten, Politiker und Experten sollten die Katastrophe beenden, das Volk warte darauf, dass "alles wieder gut wird", so der Befund im Gespräch mit Vrecar. Thomas Hedrich selbst analysiert diese Krise auf eigene, beinah entspannte Art, und er denkt darüber nach, was sie aus den Menschen macht. Wenn die Krise alles ändert, kann man sich auch selbst ändern, so seine Beobachtung, als Polizist und Mensch, wie der Vogtländer ergänzt. Es stimme, sozial funktioniert vieles nicht. Und er mahnt: Wenn es nicht in eine Lockerung geht, werden viele mit leeren Händen da stehen und dann kriegen viele wirklich eine Krise. Was Hedrich auch feststellt, an sich selbst und bei seinen Mitmenschen - gerade jetzt: Zum Leben, zum entspannten guten Leben, brauche es nicht so viel, wie oft angestrebt werde. Ganz Polizist beantwortet er die Frage nach den Regeln - nämlich, dass Gesetze nun mal ausnahmslos für allle gelten. Thomas Hedrich ist im ständigen Dialog mit seinen Kollegen, seinen Mitmenschen, den Teilnehmern in der Schule: "Wir sind im Schulzentrum eine Anlaufstelle und versuchen bei Problemen unkompliziert zu helfen. Ich bin froh, dass es das Interview gab, ich versuchte da zu verdeutlichen, dass wir vielleicht gar keine Krise haben sondern uns in einem Wandel befinden. Es geht um Eigenverantwortung und Respekt voreinander. Und ich werbe: tu etwas Gutes und sag es jedem, damit er davon weiß und auf dich zukommen kann."