"Tschüss ihr Leit, bis bald"

"Wir kommen wieder" waren sich die Aussteller am letzten Tag des 24. Europäischen Bauernmarktes einig. Und auch die Besucher aus nah und fern zieht es in der Woche der kulinarischen Genüsse nach Plauen. Der Besucherrekod vom Vorjahr wurde mit 39 000 wieder erreicht.

Von Marjon Thümmel 

Plauen - Der Europäische Bauernmarkt ist und bleibt ein Besuchermagnet. Das zeigte sich auch in der vergangenen Woche, als abermals Tausende in die Biller-Veranstaltungshalle strömten, um zu schauen, probieren und vor allem zu kaufen, was die 75 Direktvermarkter aus 14 Ländern bereithielten. Diese Zahl der Aussteller und Länder war bereits ein Rekord, für die die elf Fahnenstangen vor dem Möbelhaus gar nicht ausreichten. Es musste improvisiert werden. 
Der zweite Erfolg war am Samstagabend klar, als nach einem noch einmal starken Besuchertag, Organisator Michael Bretschneider verkünden konnte: "Wir haben die 39 000 wieder geschafft." Doch dem Vorsitzenden des Vereins "Vogtländischer Bauernmarkt" ist eins noch wichtiger: "Das Tollste ist, dass die Marktgemeinschaft immer mehr zusammenwächst und sie auch mit den Menschen hierzulande viele Freundschaften pflegt. Das ist für mich gelebtes Europa. Mögen sich die politisch Verantwortlichen darüber streiten, was ihnen nicht gefällt, bei den Gesprächen untereinander merken wir, wir ticken gar nicht so verschieden", sagt er und erinnert daran, wie sich alle vor 24 Jahren beäugt haben. "Wir Direktvermarkter haben viel voneinander gelernt. So mancher, der damals noch immer im Nebenberuf als Standbetreiber unterwegs war, lebt heute davon. Inzwischen hat die nächste Generation den Familienbetrieb übernommen und kommt genauso gern nach Plauen, weil die Atmosphäre einfach stimmt."
Davon schwärmen auch die Aussteller. "Das Zusammensein mit den weiteren Marktteilnehmern und den treuen Stammkunden ist immer wieder schön. Hier ist eine sehr freundlichen Atmosphäre. Wir sind zufrieden mit dem Verkauf und kommen gerne im nächsten Jahr wieder", erzählt Eva Reznickova, die mit ihrem Mann Pavel zum 15. Mal auf dem Bauernmarkt dabei war und mit ihren verzierten Lebkuchen nicht nur die Blicke auf sich zieht, sondern zum wiederholten Male fürs beste Handwerks-Produkt ausgezeichnet wurde. 
"Die Atmosphäre lässt sich gar nicht beschreiben, es passt einfach alles. Es ist ein Ereignis der emotionalen Art," beschreibt Bernd Petau aus Stolpe, der ebenfalls seit einigen Jahren mit seinen Sanddorn-Produkten auf den Markt kommt. Seit 23 Jahren sind Robert und Kornelia Kraft aus Engelstadt in Rheinhessen mit ihrem Wein-Stand vertreten. "Wir sind wie immer mit dem vogtländischen Publikum zufrieden und kommen ganz bestimmt wieder." Wenn im kommenden Jahr der Europäische Bauernmarkt in Plauen sein silbernes Jubiläum feiern kann, dann kann der Kürbishof Mader aus dem österreichischen Theras auf die 15. Teilnahme blicken. "Der Termin steht für uns immer fest", sagt Sonja Mader, die inzwischen mit Sohn Christoph, der 2011 den 1983 gegründeten Familienbetrieb übernommen hat, nach Plauen kommt.
Das erste Mal auf dem Bauernmarkt dabei war Joao Rodriges aus Lissabon. Seine Familie hat ein Weingut im Osten Portugal und er selbst bewirtschaftet einen Olivenhain. Beide Produkte hat er mit nach Plauen gebracht und ist begeistert, wie er aufgenommen worden ist. Mit seinem Rotwein Monte Barbo hat er auch gleich einen Preis abgeräumt. "Nächstes Jahr bin ich wieder hier", verspricht der junge Portugiese, der mit 2600 Kilometern die weiteste Anreise hatte. 
Des Lobes voll war auch Flora Bek, die für die ungarischen Teilnehmer aus Simontornya, sprach: "Wir haben uns sehr gefreut, dass viele Kunden vom vorigen Jahr, als wir erstmals dabei waren, wieder bei uns eingekauft haben. Manche kamen sogar mehrmals in der Woche, ein Zeichen, dass unsere Wurstwaren gut angenommen wurden. Auch bei der Weinkellerei Gala kamen viele Stammkunden vorbei." Simontornya ist die Partnergemeinde von Steinberg, und Bürgermeister Andreas Gruner war es, der den Bauernmarkt schmackhaft machte. "Unsere Beziehungen sind seitdem immer enger geworden, wir besuchen uns öfters und haben eine schöne Zeit. So auch jetzt. Wir freuen uns, dass Europa auch auf unserer Ebene angekommen ist", sagt Flora und auch: "Wir möchten nächstes Jahr wieder dabei sein."
Die riesige Auswahl und die große Vielfalt der Produkte sind für Michael Bretschneider ein Hauptgrund, dass so viele Besucher kommen. "Der Bauernmarkt bietet den Geschmack von Urlaub", lacht er.
Was wäre der Markt ohne sein tägliches Bühnen-Programm. Und für dieses sorgen hauptsächlich Kitas und Vereine. Eine, die zuerst als Neideiteln und dann mit ihren Vergissmeinnicht-Kindern beim Bauernmarkt für Stimmung sorgt, ist Ruth Müller-Landauer. Und deshalb gab es für sie vom Verein "Vogtländischer Bauernmarkt" ein dickes Dankeschön für 24 Jahre Treue. Ruth Müller-Landauer, die am 8. Mai ihren 90. Geburtstag feiert, wird eingeladen zu einer Kutschfahrt. "Wir holen Sie an einem besonders schönen Frühlingstag ab, fahren mit Ihnen nach Hammerbrücke zum Pferdebetrieb Thomas Vogtmann, wo die Kutschfahrt beginnt. Die führt durch das wunderschöne Vogtland zum Kaffeetrinken. Drei Begleiter Ihrer Wahl dürfen Sie mitnehmen", verkündete der Vereinschef Michael Bretschneider auf der Bühne. Als er den 90. Geburtstag nannte, gab es im Publikum erst großes Erstaunen und dann viel Beifall. Immerhin hatte Ruth Müller-Landauer gerade ihr Programm mit den Kindern und Jugendlichen beendet, bei der sie nicht nur Regie führte, sondern auch selbst kräftig mitsang und tanzte. Nach dem Kufsteinlied, das Stefanie Hertel, die selbst bei ihr tanzte, auf CD eingespielt hatte und dem gemeinsamen Vuugelbeerbaam verabschiedete sie sich mit einem "Tschüss Ihr Leit und bis bald".
Im nächsten Jahr ist vom 7. bis 14. März wieder Europäischer Bauernmarkt. Und auf die Gastgeberregion Südtirol in diesem Jahr wird der Vogtlandkreis folgen. Er wird den Jubiläums-Bauernmarkt gestalten.