Trotz Wehen Grund zum Lachen

793 Kinder haben im Vorjahr in den Kreißsälen des Helios-Vogtlandklinikums das Licht der Welt erblickt. Unter den 406 Jungen und 387 Mädchen waren auch zwölf Zwillingspaare, wie am Dienstag Ralph Junghans, der Chef des Klinikums mitteilte.

Plauen - In der Spitzenstadt kamen somit auch 2019 wieder die meisten Erdenbürger im Vogtland zur Welt. "Aufgrund der Tatsache, dass wir Schwerpunktkrankenhaus sind, verfügen wir als einzige Klinik der Region eine neonatologische Abteilung an, wo wir auch Frühchen ab 1.250 Gramm, beziehungsweise ab der 29. Schwangerschaftswoche professionell betreuen können - das nennt man Level-2. Nur an den großen Unikliniken können noch kleinere Babys ins Leben begleitet werden", erläutert Geschäftsführer Junghans. Im vergangenen Jahr gab es so auch wieder rund zehn Prozent Frühchen, die im Vogtlandklinikum zur Welt kamen, früher als geplant zum Licht der Welt geholt werden mussten oder eben einfach zu klein waren, um ohne spezielle Hilfe zu überleben. 18 der Kinder wogen beispielsweise unter 2.000 Gramm, sieben davon gar unter 1.500 Gramm. Das kleinste Baby war ein nur 1.060 Gramm schwerer Junge.
Im Gegensatz dazu steht ein echter "Brocken", der bei seiner Geburt satte 4.950 Gramm auf die Babywaage brachte. Das Kind musste per Kaiserschnitt geholt werden. Das gilt auch für viele der sieben Babys, die mehr als 4.500 Gramm wogen. Die meisten Kinder kamen übrigens am 6. Juni zur Welt, als echter Hochbetrieb in den Kreißsälen herrschte - neun Babys an einem einzigen Tag sind dann doch eher eine Seltenheit.
"Aufgrund der hohen Geburtenraten haben wir uns entschieden, in diesem Jahr den Kreißsälen unseres Klinikums eine Schönheitskur zu verpassen. Alle werden komplett saniert, erhalten neue Farb- und Aufenthaltskonzepte, neben aller notwendigen technischen Ausstattung, die auf höchstem Niveau ist. Wir möchten, dass sich die werdenden Eltern bei uns wohl fühlen", sagt Klinikum-Geschäftsführer Junghans, in dessen Stimme Stolz auf seine medizinischen Kollegen in den Teams der Gynäkologie und Geburtshilfe, den Hebammen und den Mitarbeitern der Kinderklinik mitschwingt.
Außer "eigenen" Frühchen kommen übrigens auch zu kleine oder zu früh geborene Babys aus umliegenden Kliniken in die Neonatologie nach Plauen. "Alle Fachbereiche können hier über die Babys drüber schauen, bevor sie mit ihren Eltern nach Hause gehen. Das ist für die jungen und oft unerfahrenen Eltern ein hohes Maß an Sicherheit", weiß der Klinikumschef aus vielen Gesprächen zu berichten.
Natürlich dreht sich vieles vor allem um Mutter und Kind und die Suche nach einer möglichst schmerzarmen Geburt, wie Hebamme Tanja Seydel erzählt. So gäbe es seit einiger Zeit die Möglichkeit, eine schmerzarme Entbindung mit Lachgas zu praktizieren. "Diese Form der Unterstützung bei der Entbindung ist eine gute Alternative zur PDA genannten Periduralanästhesie. Unser Ziel ist es immer, die Schmerzen unter der Geburt zu lindern", erzählt die junge Hebamme, die selbst gerade Mutterfreuden entgegen sieht. Beim Lachgas dosiert die Mutter in der Wehe, wie viel Schmerzlinderung sie benötigt. Nach einer Minute ist der Höhepunkt des Gases im Kreislauf der Mutter erreicht, wenn auch die Wehe ihren Höhepunkt hat. "Die Mutter ist dann sehr entspannt und relaxt. Durch das Mischgas aus Sauerstoff und Lachgas wird gleichzeitig eine höhere Sauerstoffsättigung im Blut von Mutter und Kind gewährleistet. Positiv ist sicher, dass kein stundenlang im Körper befindliches Medikament genutzt wird", so die Hebamme.
Das Angebot werde oft angenommen, knapp zwanzig Prozent probieren die Lachgas-Variante aus. Nach wie vor entscheiden sich dennoch mehr - knapp ein Drittel - für eine PDA. "Wenn es dafür aber zu spät ist, weil die Wehentätigkeit weit fortgeschritten ist, dann geht eine PDA nicht mehr und es wird schnell umgeswitcht auf die Lachgas-Variante", erklärt Tina Seydel, die mit ihren neun Hebammen-Kolleginnen in den Helios-Kreißsälen den Babys auf die Welt helfen und den Müttern bei der Geburt beistehen.
Nach wie vor sucht man personelle Verstärkung im Hebammen-Bereich. Der Grund: "Auch Hebammen werden schwanger", lächelt Dorit Wehmeyer, die Klinikums-Pressesprecherin, mit Blick auf das wachsende Bäuchlein unter dem Hebammenshirt von Tina Seyel.