Treibt ein Feuerteufel sein Unwesen?

Angst, Wut und Verzweiflung herrschen derzeit in Alt-Chrieschwitz. Schon zum vierten Mal hat es in reichlich zwei Jahren im Gebiet um die Bäckerei gebrannt. Erst vor einer Woche war eine Scheune abgefackelt und nun wieder drei Gebäude eines Vierseitenhofes. Anwohner und Polizei gehen von Brandstiftung aus.

Plauen - Wer von Plauen Richtung Möschwitz durch Alt-Chrieschwitz fährt, kann die große Brandnarbe sehen, die ein Feuer in der Nacht zum Samstag auf dem Vierseitenhof von Familie Jacobi hinterlassen hat. Dass niemand verletzt wurde, ist ein großes Glück. Aber der Schaden ist riesig. Von 350.000 Euro spricht die Polizei. Groß ist die Wut der fünfköpfigen Familie, denn die Polizei bekräftigt ihren Verdacht, dass es Brandstiftung gewesen sein könnte.

"Ich komme langsam wieder runter. Aber heute Nacht stand ich unter purem Adrenalin. Vorige Woche hat es hier in der Nachbarschaft auch schon gebrannt", schildert Elke Jacobi das Geschehen am Samstagnachmittag ziemlich gefasst. Die 37-Jährige wohnt seit ihrer Geburt in dem Gehöft und lebt nun dort zusammen mit ihrem Mann Jack Wesley Jacobi (35) und dem siebenjährigen Sohn Jack Oliver Jacobi sowie mit Mutti und Schwester. Die Mutti sei es auch gewesen, die kurz vor Mitternacht das Feuer bemerkte. Da schlugen schon die Flammen aus dem Scheunendach.

Sie alarmierte die Feuerwehr. Als Plauener Berufsfeuerwehr und weitere Freiwillige Feuerwehren anrückten, brannten schon drei von insgesamt sieben Gebäuden des Vierseitenhofes. "Den Bewohnern war es noch geglückt, drei Autos aus einer der Scheunen zu bergen", sagte Hans-Jürgen Eisel von der Polizei Zwickau. "Wenn in der Nacht ein Brand bemerkt wird, dann schlagen schon die Flammen. Tagsüber ist zuerst Rauch sichtbar", erläuterte der Polizist den schnellen Brandhergang. "Außerdem brennen Scheunen, da aus Holz, sehr fix nieder."

Der Feuerwehr, die zeitweise mit bis zu 100 Einsatzkräften vor Ort war, gelang es, ein Übergreifen auf die Wohngebäude zu verhindern. Die fünf Bewohner wurden aber vorsorglich evakuiert. "Während der Löscharbeiten wurde der Strom abgeschaltet. Und der Brand hat auch Kabelschäden verursacht, deshalb musste erst geprüft werden, ob eine Stromzufuhr sicher ist", erläuterte Eisel. Mit den Lösch- und Sicherungsarbeiten waren die Feuerwehren bis zum Samstagmorgen beschäftigt. Da es bereits in den letzten Wochen im nahen Umkreis zu Bränden kam, schließt die Polizei Brandstiftung nicht aus. Die Kripo ermittelt.

Erste Proben wurden zur Auswertung an das Landeskriminalamt geschickt. "Die Auswertung kann eine Zeit dauern. Untersucht wird nach Spuren von Brandbeschleuniger oder Benzingasen", sagt Eisel. Am Samstag spendeten Dorfbewohner Elke Jacobi und der Familie Trost und sprachen ihr Mut zu. Andere sind so geschockt und können ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Ebenfalls fassungslos steht Sieglinde Timper an der Kreuzung mit Blick auf den niedergebrannten Scheunenkomplex. In ihren Kindertagen hatte sie oft mit der Tante in der Scheune gespielt. "Wir sind gerne von den Heuballen gesprungen, und jetzt ist alles kaputt", sagte die 65-Jährige und fügt hinzu: "Früher hat es in Chrieschwitz nie gebrannt! Hoffentlich werden die erwischt! Wahnsinn! Man muss Angst haben, dass nicht noch mehr angezündet wird."

Erst vor einer Woche war in der Nachbarschaft eine Scheune niedergebrannt. Und das war schon der dritte Brand innerhalb von gut zwei Jahren. Zuvor wurden eine Lagerhalle der Bäckerei Kropfgans Opfer der Flammen sowie ein Laster eines Transportunternehmens. Alle Brandstätten liegen nur wenige Schritte auseinander. Die Angst vor einem Feuerteufel ist groß. Bisher wurde allerdings noch kein Täter ermittelt. "Wir haben einen dringenden Verdacht auf Brandstiftung, können diesen aber noch nicht beweisen. Aber vier Brände auf so einem engen Raum können kein Zufall sein", bekräftigte auch Eisel.