Trausaal bekommt Auffrischung

Die Holzdecke im Trauraum des Plauener Standesamtes hat bereits 463 Jahre auf dem Buckel. Eine Restaurierung drängt. Anfang September soll diese nach langer Planung nun starten.

Plauen - Die Mitarbeiter des Plauener Standesamtes im Alten Rathaus sitzen auf gepackten Kartons. Der historische Trausaal und die Büros sowie das Archiv werden ab September saniert. Nach dem dieser Bereich zwar seit Jahren auf der Prioritätenliste vor, aber noch nie dran kam, soll es jetzt soweit sein. "Das Leben ist drüber gegangen. Wir sind dankbar, dass das Standesamt endlich dran ist", sagt Sieglinde Härtel, Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Plauen.

Bereits seit Mitte der 1990er Jahre gab es Bemühungen, den Trausaal zu renovieren und zu restaurieren. Immer wieder sind Untersuchungen und Befunde der Substanz ausgewertet und genommen worden. Doch die Arbeiten sind immer wieder abgebrochen worden, weil das Ziel der Sanierung im Rathaus ein anderes wurde, so Härtel.

Holzdecke 1548 eingebaut

Für die Hauptarbeiten im Trausaal ist der Restaurator Holger Blauhut aus Mülsen beauftragt worden. Die erste Aufgabe wird das Sichten und Sichern der Befunde sein. In die Geschichte des bedeutenden Raumes hat sich der 37-Jährige bereits intensiv eingearbeitet. Die Fichtenholzdecke sei 1548 von einem Zimmermann aus Schneeberg eingebaut worden. Ein Brand vernichtete die vorhergehende Decke aus dem Jahr 1508. Anfänglich waren die Holzbalken ohne bunte Bemalung wie heute. Farbspuren haben ergeben, dass erst etwa 40 Jahre später ein bunter Farbanstrich die Decke verzierte. In den darauffolgenden Jahrzehnten sei bei Restaurierungen und Sanierungen immer wieder der erste Farbanstrich als Grundlage verwendet worden. Nicht immer war in dem Raum die Holzdecke zu sehen. Zwischen 1830 und dem Rathausneubau um 1920 sind die Balken von einer aufgebrachten Putzdecke verdeckt worden. Die letzte Überarbeitung des Trausaals war Mitte der 1950er Jahre. Die Decke wurde damals grundlegend saniert. Auch die Ausstattung des Zimmers datiert aus dieser Zeit. Bei der jetzigen Sanierung sollen der Trautisch, die Stühle und Lampen ebenfalls eine Frischekur erhalten.

Kein Neuanstrich

Die Holzdecke ist stark sanierungsbedürftig, so Blauhut. Die Farbe blättert ab, Risse sind an vielen Stellen zu sehen und sogar Rußschichten lassen sich zwischen den Balken finden. Woher der Schmutz genau kommt, ist unklar. Einen neuen Anstrich soll es bei der Restaurierung nicht geben. Die gesamte Substanz werde konserviert. Auffrischen ohne Neuanstrich, erläutert der Experte die Arbeitsweise. Holger Blauhut führte unter anderem auch schon in der Bad Brambacher Kirche, auf Schloss Wolkenburg und Schloss Wildenfels Restaurationen aus. Für die Instandsetzung des Trausaals wird ein großes Baugerüst im Raum aufgestellt.

Ersatz-Trauraum

Bis Ende April nächsten Jahres sollen alle Arbeiten im Standesamt abgeschlossen sein. Die Sanierungskosten werden auf etwa 370 000 Euro geschätzt. Knapp 70 Prozent der Summe werden über den Denkmalschutz gefördert, der das Vorhaben intensiv begleitet. Auf der Baustelle werden im nächsten halben Jahr keine Trauungen durchgeführt. Da in dieser Zeit aber "Traubedarf" besteht, wie es Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) formulierte, gibt es einen Ersatz-Trauraum für alle Brautpaare. Herhalten muss ein Saal im Vogtlandkonservatorium "Clara Wieck" am Theaterplatz. Dies sei sicher auch eine schöne Kulisse für eine Hochzeit, meinte der OB.

Hintergrund

Die Geschichte des Trausaals im Alten Rathaus begann am 28. April 1923. Zuvor war der Raum Jahrhunderte den Räten vorbehalten, die hier wichtige Stadt-Entscheidungen trafen. Damit gehört die frühere Ratsstube und der daraus entstandene Trausaal zu den bedeutendsten Räumen der Stadtgeschichte.