Trauer um Thomas Küttler

Der Wegbereiter der Wende in Plauen, Superintendent Thomas Küttler, ist tot. Er starb bereits am Mittwoch im Alter von 82 Jahren in Leipzig. Die Friedliche Revolution in Plauen ist aufs engste mit seinem Namen verbunden.

Plauen Sein Auftreten auf der ersten Großdemonstration in der DDR am 7. Oktober in Plauen wird nicht nur in den Chroniken der Stadt künftigen Generationen erhalten bleiben - viele Plauener erinnern sich aus eigenem Erleben an den Mut und die Courage des Theologen, der seit 1979 als Superintendent der Evangelischen Kirche wirkte.
Bereits zwei Tage vor jenem geschichtsträchtigen 7. Oktober fand in Plauen das erste Friedensgebet statt, mit dem die evangelische Kirche auf die drohende Eskalation der Lage in der DDR reagierte. Küttler hatte die Bedeutung dieser ersten Großdemonstration, bei der die Staatsmacht vor ihren eigenen Bürgern zurückweichen musste, noch am gleichen Tage erkannt. Er bezeichnet die Demonstration der 15.000 Plauener und Vogtländer als den "auslösenden Funken" der Wende.
Der Hofer Dekan Günter Saalfrank sagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass Küttlers "mutiges Auftreten und sein Verhandlungsgeschick" Gewaltanwendung und Blutvergießen verhinderten. Die damaligen Ereignisse in Plauen reflektierte Küttler später in einem Buch mit dem Titel "Die Wende in Plauen: Es war das Volk", zu dessen Autoren auch der Plauener Verleger Jean-Curt Röder gehört und für das der einstige Sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf das Vorwort schrieb.
Küttler beleibt den Menschen der Region nicht nur durch sein beherztes Auftreten und seine Vermittlungsbemühungen zwischen der Volkspolizei und den Demonstranten in bleibender Erinnerung, sondern auch als Mitbegründer der "Gruppe der 20" und Leiter des Plauener Runden Tisches von Dezember 1989 bis März 1990. Der am 26. Oktober 1937 im sächsischen Schwarzbach geborene Küttler zog 1949 zu seiner Verwandtschaft nach Hannover, um das DDR-Schulsystem zu umgehen. In der Bundesrepublik studierte er Theologie und ging anschließend für ein Vikariat nach London. Da seine spätere Ehefrau erfolglos versucht hatte, die DDR zu verlassen, siedelte Küttler 1965 in den Osten Deutschlands über. Im wiedervereinigten Deutschland gehörte Küttler von 1990 bis 2003 der Synode der evangelischen Kirche (EKD) an, zuletzt ab 2002 als deren Vizepräsident. Bis zu seinem Ruhestand 2002 lebte Küttler mit seiner Frau in Plauen, bevor er nach Leipzig übersiedelte. Zugleich wusste er, dass der Aufbau einer neuen gesellschaftlichen Ordnung des Engagements und den Willen Vieler bedarf. Offenheit und Respekt vor der Meinung anderer haben sein Wirken geprägt. Im November 1990 wurde ihm als erstem nach der Wiedervereinigung die Ehrenbürgerschaft der Stadt Plauen verliehen. Auch nach seinem Wegzug aus der Spitzenstadt blieb Küttler Plauen eng verbunden, wenngleich es ihm in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen versagt blieb, die Stätte seines Wirkens als Superintendent nochmal zu besuchen. "Im Vertrauen auf Gott hat er mutig und entschlossen dafür Sorge getragen, dass das Volk seinem Willen zu einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft friedlich Ausdruck verliehen hat. Zugleich wusste er, dass der Aufbau einer neuen gesellschaftlichen Ordnung des Engagements und des Willens Vieler bedarf. Offenheit und Respekt vor der Meinung anderer haben sein Wirken geprägt", würdigt Superintendentin Ulrike Weyer das Wirken Küttlers. top