Tragischer Unfall mit Vogtland-Express

Ein tragischer Unfall kostete einem 15-jährigen Mädchen im brandenburgischen Wünsdorf das Leben. Die Schülerin stürzte vom Bahnsteig direkt vor den vorbeifahrenden Vogtland-Express.

Die 15-Jährige aus Berlin-Tempelhof stand nach Aussagen der Polizei in Luckenwalde am Montag gegen 18.45 Uhr mit einem Zeugen auf dem nur zwei Meter breiten Bahnsteig zwischen den in nördlicher und südlicher Richtung verlaufenden Gleisen und wartete auf ihren Zug, der zu diesem Zeitpunkt bereits eine Viertelstunde Verspätung hatte. "Nach unseren Erkenntnissen rauschte plötzlich ein ungeplanter und durchfahrender Zug mit unverminderter Geschwindigkeit vor ihr vorbei. Die Jugendliche erschrak, trat zurück und fiel auf der anderen Seite von dem schmalen Bahnsteig. In diesem Moment fuhr gerade der Vogtland-Express von Berlin nach Plauen vorbei", sagte gestern die Pressesprecherin vom Schutzbereich Teltow-Fläming, Svea Kallies. Ihr zufolge habe wohl der Lokführer des Vogtland-Express die beiden Personen auf dem Bahnsteig gesehen und versucht den etwa 120 Stundenkilometer schnellen Zug abzubremsen. Jedoch konnte er das schreckliche Unglück nicht verhindern. Das Mädchen erlitt schwere Kopfverletzungen, an denen es noch auf dem Bahnsteig starb.

Nach Aussage von Svea Kallies hätte sich das Mädchen - wie auch die zweite Person - gar nicht auf dem Bahnsteig aufhalten dürfen. "Ein angebrachtes Schild weist darauf hin, dass der Bahnsteig erst betreten werden darf, wenn der angekündigte und in Wünsdorf haltende Zug einfährt", sagte sie. "Wenn Personen auf dem Bahnsteig stehen, dürfen keine Züge durchfahren."

Bei der Vogtlandbahn GmbH ist das Entsetzen über das Unglück groß. "Es ist furchtbar, was passiert ist", sagte Geschäftsleiter Hartmut Schnorr. "Natürlich auch für unseren Lokführer. Wir haben ihn sofort zum Arzt geschickt und der hat ihn krankgeschrieben. Noch an der Unfallstelle wurde er von unseren Mitarbeitern betreut. Auch eine psychologische Betreuung kann er in Anspruch nehmen, wenn er möchte und so lange er sie braucht. Wir haben Bahn-Unfälle ein Nothilfeprogramm für unsere Leute festgelegt. Denn für die sind Unglücke und Suizid-Fälle auch eine schwere seelische Belastung. Und mancher brauchte lange und eine Reha-Behandlung, um sich zu erholen", sagte Schnorr weiter. Inzwischen ist die Bundespolizei von der Staatsanwaltschaft Potsdam mit den Ermittlungen beauftragt worden.

 

Nach Aussage von Sven Drese, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Berlin, habe die Staatsanwaltschaft ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet und die Bundespolizei beauftragt, zu prüfen, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat oder für Fahrlässigkeit vorliege oder ob die Verkettung von unglücklichen Umständen zum Tod des Mädchens führte. "Wir werden uns sehr intensiv mit dem Fall befassen. Zum einen gehören dazu die Untersuchungen und Dokumentationen am Tatort. Es werden aber auch Zugfahrten stattfinden, bei denen aus dem Sichtwinkel des Lokführers die Eindrücke filmisch festgehalten und ausgewertet werden, um zu sehen, ob alle regeln eingehalten wurden. Gegenstand der Ermittlung wird sein, wie sich zeitlich und räumlich alles dargestellt hat", sagte Drese. Dass die Staatsanwaltschaft die Bundespolizei mit den Ermittlungen beauftragt habe, sei nicht üblich. "Sonst übernimmt die zuständige Landespolizei", so Drese.     M. T.