Traceurs bringen Trendsport nach Plauen

Plauen - In Plauen weht ein Hauch von Pariser Vorstadt. Verwegene Jungs hangeln sich elegant an Wänden und Geländern entlang, hüpfen auch mal Salti von Dächern und überwinden Mauern, wie das sonst nur Katzen beherrschen. Es sind die Plauener Traceurs, Sportler des Parcours.

 

Früher als Kind, als "klaaner Kunde" tobte es sich herrlich im Spiel bei phantasievoll gestalteten Jagden untereinander in den Hinterhöfen, über Nachbars Gartenzaun, Schuppendächern, Bretterfronten. Derlei Kunst des unbeschwerten Fortbewegens entwickelte sich inzwischen längst dank Zeitgeist und Lebensart zu einer erwachsenen, angesagten und sogar im Film anerkannten Sportart namens Parkour oder französisch Parcours, was soviel bedeutet, wie eine Strecke mit Hindernissen zu überwinden.

Während in Frankreich ein Mann names David Belle einst in den 1980ern die Form der Fortbewegung von Punkt A nach B "erfand", heißen die Protagonisten im Vogtland Sören, Leon, Konstantin und ihre Freunde. Sören Strehlow, ein 20-jähriger schlanker Bursche mit Modellfigur und freundlichem Wesen "lebt" Parkour.

"Ich bin schon als kleiner Junge gern herumgeklettert, am liebsten bei den Großeltern auf dem Dorf im Schuppen und im Heuschober." Seit 2005, nachdem Sören erstmals einen Film mit diesen ihm gut bekannten Figuren und Abläufen sah, fing der Plauener Feuer und trainierte fortan regelmäßig. "Aber nicht nur Klettern, ich treibe auch Kampfsport, das asiatische Jitsou in verschiedensten Varianten. Sonntagnachmittag im Stadtgebiet.

 

Die drei Traceurs haben sich zusammentelefoniert und beginnen nach ein paar Erwärmungsübungen mit leichteren Klettereinlagen. Das sieht nicht einfach nur nach Klettern aus oder dem Überwinden eines Hindernisses. Künstlerisch bewegen sich die jungen Burschen. Katzenartig. Beim Sprung auf Asphalt rollen sie elegant ab, die aufgenomme Energie abbauend. Leon Sommer, gerade elf Jahre, versucht sich an leichten Mauern, an Geländern, einem Abhang, einem Gerüst. "Ich komme aus der Leichtathletik und habe mich auch schon beim Klettern versucht. Ich gehe auch öfters in die Plauener Boulderhalle", erzählt der Schüler. Aber dieses mitten in der Stadt klettern und frei sein, hat es ihm besonders angetan, es fetzt eben, sagt Leon trocken.

Die Plauener Innenstadt, zwischen Wohnblöcken, Elfgeschossern. Wiesen, Wege, Parkhaus und Wäschestangen - eine wunderbare Parkourwelt. Der Hinternisparcours stellt die natürliche und bauliche Realität im Viertel da, man hat sich darauf einzustellen und einen guten Weg von A nach B zu entwickeln, erläutert Sören und er zeigt Leon, wie man auf der Wiese Salto macht, gibt ihm Hilfestellung und Konstantin Sapata versucht gleich danach ebenfalls einen gekonnten Überschlag. Der 18-Jährige klettert seit drei Jahren und hat vor einem Jahr Sören getroffen. Seither sind die zwei Burschen ein Team, das die anderen bis zu acht Jungen ohne Druck und mit Hingabe antreibt.

Der Sport schaut leicht aus, er wirkt nicht risikoreich, obwohl es durchaus riskant werden kann. Doch das Prinzip heißt: Es ist nur so gefährlich, wie man es vorher nicht trainiert hat. Soll heißen, die Jungs schauen sich die Hindernisse an. Sprünge ins Ungewisse wagen ist tabu. Für die Parkour-Aktiven gilt Fitness als hohes Gut. Das heißt, durchtrainiert, konditionsstark, beweglich, geschmeidig, konzentriert und in gesundem Maß vorsichtig zu sein. "Mal sehen, ich werde vielleicht zur Bundeswehr gehen, dann kann ich meine Beweglichkeit vielleicht mal gut gebrauchen", blickt Konstantin Sapata voraus. Bis dahin aber werden Konsti, Sören, Leon und ihre Freunde ein bisschen Freiheit und kunstvolles Fortbewegen in ihrer Heimatstadt Plauen pflegen und einen Hauch von Paris durch die Elfgeschossersiedlung nahe dem Albertplatz wehen lassen.