Tote Pferde vor Gericht

Reichenbach/Schneidenbach - Manja Tröger, Tierwirtin aus Schneidenbach bei Reichenbach, lässt sich keinen Maulkorb verpassen. Auch weiterhin wird sie öffentlich sagen, dass der verheerende Brand 2007 bei der Schneidenbacher Entsorgungsfirma Glitzner Dioxin freigesetzt habe. Und diese Vergiftung habe später zum qualvollen Tod ihrer wertvollen Western-Pferde geführt.

Glitzner-Geschäftsführer Uwe Schink bezeichnet Frau Trögers Aussagen als Verleumdung und hat sie deswegen verklagt. Per Gerichtsentscheid wollte er erreichen, dass die Landwirtin ihre Anschuldigungen nicht mehr öffentlich äußern darf. Die Berichterstattung der vergangenen Wochen und Monate in den Tageszeitungen hat den Firmenchef wohl zu diesem Schritt veranlasst. Er befürchtet Benachteiligungen für das Unternehmen, vor allem eine sinkende Kreditwürdigkeit. Am Dienstag fand die Verhandlung vor dem Landgericht Zwickau statt. Gleich zu Beginn schlug Richter Martin Wasmer einen Vergleich vor. "Nehmen Sie Abstand von dieser Geschichte", forderte er sowohl Tröger als auch Schink auf. Er wie seine Richterkollegen würden die Interessenslage auf beiden Seiten gleich verteilt sehen, erklärte er.

Deshalb sei es vernünftig, die Angelegenheit ruhen zu lassen, bis Frau Trögers Schadenersatzprozess, den sie seit Jahren gegen die Entsorgungsfirma führt, geklärt sei. Manja Tröger solle sich vorerst zum Stillhalten verpflichten, meinte Wasmer. Während Schink und sein Anwalt dem Vorschlag zustimmten, erklärte die Schneidenbacherin, dass sie damit nicht einverstanden sei. Schließlich wolle sie ihre Interessen auch in Zukunft und besonders in dem bevorstehenden Prozess ohne Einschränkungen vertreten, sagte sie.

Nach dem Tod ihrer Pferde hat Manja Tröger die Firma Glitzner auf Schadenersatz verklagt. Dieses Verfahren ist seit Jahren anhängig, ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Zwischenzeitlich war ein so genanntes Beweissicherungsverfahren vorgeschaltet worden, in dem Gutachter keinen Zusammenhang zwischen dem Brand und dem Tiersterben feststellten. Die Gutachten bezweifelt die Landwirtin allerdings wegen angeblich fachlich-methodischer Schwächen. Ein Verhandlungstermin im Sommer 2012 am Landgericht Zwickau war kurzfristig abgesetzt worden. Seither ruht das Verfahren aus ungeklärten Gründen.

Am Dienstag hatte es den Anschein, Richter Wasmer wolle sich um die Wiederaufnahme des Schadenersatzprozesses kümmern, denn letztlich kann nur dieses Verfahren klären, ob Tier und Mensch in Schneidenbach durch den Betrieb der Entsorgungsfirma sowie durch Brände und Havarien gefährdet sind. Eine Entscheidung in Sachen Verleumdungsklage und Maulkorberlass will Richter Martin Wasmer am 11. Oktober fällen. ina