Tonnen gefälschter Markenkleidung

Es ist schon etwas kurios: Im einstigen Großhandelsbetrieb Textilwaren, später als Neulandkauf der erste Billigmarkt Plauens, beschlagnahmte der Zoll rund 25 000 Kleidungsstücke mutmaßlich gefälschter Marken. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Rund 25 000 Kleidungsstücke diverser Marken - Wäsche, Unterwäsche, T-Shirts und weiterer Oberbekleidung - stellten Beamte des Zollfahndungsamtes Dresden bereits Ende Januar in der Plauener Friedrich-Engels-Straße 26 sicher. Es besteht der Verdacht, dass es sich hierbei um Fälschungen handelt. Bei der Lagerräumung sowie dem Abtransport erhielten die Zollfahnder tatkräftige Unterstützung von den Ortsverbänden des Technischen Hilfswerks (THW) aus Plauen, Gera und Reichenbach. "Wir wurden am 31. Januar vom Zollfahndungsamt angefordert, um die Beweismittel im einstigen Neulandkauf zu sichern. Gemeinsam mit den Zoll-Mitarbeitern haben wir die Bekleidungsstücke in die Kartons gepackt, auf Euro-Paletten geladen und zum Zoll-Lager nach Gera gefahren", schildert gestern Benjamin Fritzsch vom THW Plauen. 500 Umzugskartons kamen so zusammen, die auf 36 Euro-Paletten abtransportiert wurden.
Ein 38 Jahre alter Deutscher steht im Verdacht, gewerbsmäßig Handel mit gefälschten Textilien betrieben zu haben. Seine Wohnung in Hessen wurde am gleichen Tag auch durchsucht. Der Eigentümer der Plauener Immobilie habe nichts mit dem im Verdacht stehenden Händler zu tun, hieß es. Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft Dresden und dem Zollfahndungsamt Dresden, das dem Zollkriminalamt mit Sitz in Köln untersteht, geführt. "Über die beschlagnahmten Kleidungsstücke wurden von uns die betroffenen Markenrecht-Unternehmen informiert, die mit einem Sachverständigen bestimmte Merkmale an den Textilien prüfen ließen, ob es sich um Plagiate handelt. Ein Großteil hat sich als Fälschung herausgestellt", sagte gestern auf Nachfrage Ruth Haliti, Pressesprecherin des Zollkriminalamtes: "Die gefälschte Markenkleidung wird vernichtet." Auch wenn so manchem bei dieser Aussage das Herz bluten wird, haben die Markenhersteller ein zuverlässiges Recht darauf. "Plagiate dürfen nicht in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Über eine Lockerung haben wir uns im Jahre 2015 Gedanken gemacht, als Kleidung für Flüchtlinge gebraucht wurde. Doch die Einwände der Markenunternehmen konnten wir gut verstehen. Mindere Qualität, wie sie bei Plagiaten der Fall ist, ruiniert den Ruf. Zum anderen verursachen Plagiate pro Jahr rund eine Milliarde Euro Schaden. 10 000 hiesige Arbeitsplätze in der Textil- und Maschinenbaubranche fielen Markenfälschungen bereits zum Opfer", beschreibt Ruth Haliti. Strafbar mache sich jeder, der gewerbsmäßig mit gefälschten Markenprodukten Handel treibt, wie in dem Fall der 38-Jährige. Ihm drohe eine Strafe wegen Steuerhinterziehung und Bannbruch, was die ungenehmigte Einfuhr der Waren beschreibt. Hinzu könne ein zivilrechtliches Verfahren wegen Einkommenssteuerhinterziehung kommen. "Insgesamt wird es für den Händler ein teures Vergehen", sagte Haliti. Hingegen werde beim Kauf von gefälschten Markenartikeln auf Märkten beispielsweise in Tschechien oder der Türkei für den Privatgebrauch ein Auge zugedrückt. "Anders aber ist es beim Postversand beispielsweise bei Bestellungen im Internet. Werden die versandten Waren bei Kontrollen entdeckt, werden sie eingezogen und der Kunde bekommt dafür keine Entschädigung", warnt die Sprecherin: "Vorsicht ist bei solchen Bestellungen geboten."