Toilettenpapier, Senf und Mehl aus dem Sportgeschäft

"Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich: Ein Sporthändler in Plauen und Falkenstein verkauft jetzt auch Lebensmittel. Deshalb sind seit gestern die Ladentüren geöffnet.

Plauen/Falkenstein Potentielle Kunden staunen.  Teilweise war gestern sogar Anstehen angesagt - bei Intersport Hopfmann auf der Syrastraße. Freude ist  bei Passanten und in sozialen Medien im Internet zu beobachten. Warum, weshalb, wieso? Es geht um eine Aktion von Intersport Hopfmann, die die aktuellen Corona-Beschränkungen und Regeln "kreativ" nutzt. "Unter Einhaltung der Hygienebestimmungen kannst du ganz normal bei uns in Plauen und in Falkenstein einkaufen. Wir haben unser Sortiment drastisch erweitert. Ab sofort findest du bei uns unzählige Produkte des täglichen Bedarfs (Nudel, Säfte, Zucker, Mehl, Deos, Toilettenpapier und vieles mehr)! Selbstverständlich haben wir nach wie vor tolle Angebote aus der Welt des Sports für dich", wirbt Hopfmann seit Ostern für die Öffnung seiner zwei Filialen im Vogtland.
Gesagt - getan: "Wir haben unser Geschäft den aktuellen Bedingungen und Auflagen angepasst. Sollten diese sich nun wieder ändern, werden wir das entsprechend auch tun", sagt Franz Hopfmann. Die Kunden freuen sich über die Idee und deren Umsetzung. Tun dies auch lautstark kund. Alle Waren hat Hopfmann nach eigenen Angaben selbst eingekauft, transportiert und einsortiert. Er habe versucht, den Preisaufschlag gering zu halten. Notwendig war das aber natürlich. Aus der Hand gerissen werden ihm diese Waren nicht. Den Kunden geht es mehr um Kleidung und Schuhe. Senf und Chips landen nur nebenbei im Einkaufskorb.
In den Sportläden stehen nun volle Regale mit Waren des täglichen Bedarfs und aus dem Drogeriebereich. "Das ist klasse, ich komme vorbei und kaufe mir Senf und neue Sportschuhe", meinte ein Kunde augenzwinkernd und froh ob der unerwarteten "Wiedereröffnung". In den sozialen Medien wie Facebook wird die Hopfmann-Aktion ebenfalls im Regelfall überwiegend wohlwollend aufgenommen und diskutiert. Kritik gibt es indes kaum. "In Anbetracht der Lage, finde ich dieses Vorgehen eigentlich unverantwortlich und hoffe das hier jemand eingreift" - schreibt ein User in einem Forum. Eine Ausnahme.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Sören Voigt (CDU) findet das eine prima Aktion und eine kreative Antwort darauf, dass sonst nur die großen Lebensmittelmärkte öffnen dürfen. Ich finde diese Regelung deshalb auch falsch", so Voigt auf Facebook. "Die vielen kleinen Fachgeschäfte und Dienstleister achten im ureigensten Interesse auch deutlich mehr auf Hygiene und Abstand", sagt Voigt, der "alles Gute und viel Erfolg wünscht".
Dass das Thema durchaus kontrovers diskutiert wird, räumt er ein. Ein Wirtschaftspolitiker habe vielleicht eine andere Ansicht als ein Sozialpolitiker oder ein Jurist. Die Hopfmann-Aktion "sollte uns zu denken geben", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion. "Wir müssen Möglichkeiten suchen, regulär zu öffnen". Dann bedürfe es solcher Hilfskonstruktionen gar nicht.
Kritisch sieht der Abgeordnete das Vorgehen vieler Supermärkte. Dort balle sich vieles auf engem Raum. Desinfektionen von Einkaufswagen - wie im vergangenen Frühjahr- gebe es aber nur selten. Auch deshalb könne er der Hopfmann-Aktion Positives abgewinnen - beispielsweise eine Entzerrung von Kundenströmen.
"Schade, dass der Handel zu solchen Schritten gezwungen wird. Klasse Leute, solange Ihr den Infektionsschutz und Abstände beachtet, bin ich auf Eurer Seite. Respekt", schreibt ein anderer Facebook-User.
Und auch der AfD-Landtagsabgeordnete Ulrich Lupart begrüßt die Idee Hopfmanns. "Nach allem was ich weiß, tut er nichts Verbotenes und nutzt die gesetzlichen Möglichkeiten, seinen Beruf auszuüben. Wir müssen uns langsam mal überlegen, wie unsere Innenstädte nach Corona eigentlich aussehen sollen. Ladentod an jeder Ecke, weil die Geschäftsinhaber aufgeben mussten? Das darf nicht sein. Herr Hopfmann tut etwas, was genau dem entgegenwirkt. Das verdient Respekt." Sorgen, dass die Idee das Infektionsgeschehen insbesondere im Vogtland weiter fördert, hat Lupart nicht. "Ich vertraue dem Hygienekonzept. Genau so wie ich den Konzepten vertraue, die in Supermärkten gelten." Das tägliche hü und hott mache viele inzwischen nur noch wütend. Mich eingeschlossen. "Da tut es gut, Lichtblicke zu haben", so Lupart.
Wie reagiert die Behörde auf die Aktion? Eine diesbezügliche Anfrage im Landratsamt blieb gestern unbeantwortet fbl/röss/M.W