Tod von Schippe springen

Das Dorf Reuth hat zusammengelegt und einen Defibrillator gekauft: Fast 100 Bürger lernten von Chefarzt Dr. Hans Neuser, wie man damit Leben rettet bei Herzstillstand. Anlass für die Spendensammlung war ein dramatischer Vorfall in der Bäckerei Baumann.

Mai 2018 brach ein Lieferant im Flur der Bäckerei Baumann zusammen: Plötzlicher Herzstillstand. Bäckermeister Hardy Baumann und Familie reagierten richtig. Sie setzten einen Notruf ab und begannen sofort mit der Herzdruckmassage.
Nach langen 22 Minuten kamen die Rettungssanitäter von der 15 Kilometer entfernten Rettungswache Taltitz sowie ein Hubschrauber mit einem Notarzt und übernahmen die Reanimation.
Die Retter brachten mit Hilfe der Stromstöße ihres Defibrillators das Herz des Patienten wieder zum selbstständigen Schlagen. Der Notarzt bescheinigte Familie Baumann später, dass ihre Sofortmaßnahmen definitiv lebensrettend waren. Hätten sie jedoch einen "Defi" zur Hand gehabt, wäre das Herz wahrscheinlich schneller wieder angesprungen und es wären weniger Schäden zurückgeblieben.
Hardy Baumann, als Chef der Freiwilligen Feuerwehr in Reuth rief daraufhin an seinem 40. Geburtstag zu einer Spendensammlung auf, damit Reuth einen  Defibrillator bekommt.
Der Heimatverein Reuth sowie mehrere örtliche Gewerbetreibenden und Privatpersonen legten schließlich etwa 1800 Euro zusammen und kauften Ende 2019 einen AED-"Laien-Defi".
Der sprechende kleine grüne Koffer mit Griff ist seit dieser Woche in Reuth öffentlich zugänglich. Am Dienstag nahmen auf Einladung von Hardy Baumann und dem Ortschaftsrat etwa 90 Reuther an einer Schulung teil, um das lebensrettende Gerät im Notfall bedienen zu können. Kardiologe und Chefarzt Dr. med. Hans Neuser vom Helios-Klinikum Plauen erklärte in seinem Vortrag die Hintergründe vom Herzinfarkt mit dem er beruflich täglich zu tun hat.
Etwa 80.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich am Plötzlichen Herztod also 24 mal mehr als durch Verkehrsunfälle sterben. In nur 22 Prozent der Fälle versuchen die Anwesenden Wiederbelebungs-Maßnahmen. Wird nach einem Herzstillstand nichts unternommen, tritt nach 10 Minuten in 95 Prozent der Fälle der Tod ein. Etwa 80 Prozent der Todesfälle durch plötzliches Herzversagen ereignen sich zu Hause, oft in Anwesenheit von Angehörigen.
Von daher schärfte der Herzspezialist Dr. Neuser den Zuhörern nachdrücklich ein: Bei ernsten Herzproblemen über die 112 unbedingt einen Notruf absetzen. Bei Herzstillstand sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Falls möglich, jemanden schicken, um zur Unterstützung den "Defi" zu holen. Dr. Martin Nützel übernahm nach dem Vortrag den Praxisteil. Mit Hilfe einer Dummy-Puppe auf dem Turnhallen-Boden führte er vor, wie man die lebensrettende Herzdruckmassage ausführt. Im schnellen Takt soll der Brustkorb mit beiden Händen etwa 120 mal pro Minute etwa 5 Zentimeter tief eingedrückt werden. Nach der Vorführung des Oberarztes der Rettungsstelle Plauen, konnte jeder der Anwesenden selbst die Wiederbelebung am Dummy ausprobieren. Die beiden Ärzte des Vogtland- Klinikums lobten das vorbildliche Engagement der Reuther sich um lebensrettende Herzensdinge zu kümmern. Frank Stepper