Tobias Meyer wandert 1050 Kilometer

"Mit einem Freund war ich die vergangenen zwei Jahre auf dem Rennsteig unterwegs. 170 Kilometer in fünf Tagen war o.k. Doch eine neue Herausforderung reizte. Und als meine Mutti auf einem Bild das Schild Wanderweg der Deutschen Einheit sah und lächelnd meinte, das könnt ihr doch nächstes Jahr machen, war das Ziel klar", erzählte Tobias Meyer. Der 19-Jährige besucht das Berufliche Gymnasium am BSZ "Anne Frank" in Plauen und will 2013 sein Abitur machen.

"Am 23. Juli fuhr ich nach Aachen - und einen Tag später bin ich früh um 10 Uhr mit Rucksack, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Verpflegung und drei Liter Wasser losgelaufen. Die ersten 500 Kilometer bis Eisenach war ich alleine unterwegs", schilderte der Zwölftklässler und auch, dass das Alleinsein in den ersten beiden Tagen "ganz schön nervig" war. "Das drückt schon die Stimmung, aber man gewöhnt sich dann daran."

Geschlafen habe er hauptsächlich in Wanderer-Unterständen am Wegesrand, denn ein Zelt hatte er nicht dabei. Schon so habe er rund 20 Kilo an Gepäck ständig mitgeschleppt. "In Dorfläden habe ich meine Wasserreserven und Verpflegung - meist waren es Nudeln - wieder aufgefüllt. Wasser ist ganz wichtig, drei Liter hatte ich immer mit", erzählt der Wandersmann, der übrigens seine Leidenschaft dafür schon in früher Kindheit entdeckt habe. "Wir sind sieben Geschwister, haben viel und gerne draußen gespielt und sind mit den Eltern gewandert. Später habe ich Bücher über Natur und Wandern gelesen. Fasziniert hatte mich eins über Alaska. Doch mittlerweile weiß ich, auch in Deutschland ist es wunderschön."

Nach den ersten 500 Kilometern allein habe sich von Hörschel bis Blankenstein seine Schwester zu ihm gesellt, die den Rennsteig entlang wanderte. Ins Vogtland war Tobias wieder ohne Begleitung unterwegs. "In Adorf ist ein Kumpel mitgelaufen, der hat aber in Oberwiesenthal aufgegeben - und dann war ich bis Görlitz wieder allein. Das war dann schwieriger als am Anfang der Strecke, denn man ist schon ausgelaugt und muss sich immer wieder anspornen", erklärt der 19-Jährige.

Um auch pünktlich zum Ferienende wieder zu Hause zu sein, hat Tobias Meyer täglich etwa 35 Kilometer angepeilt, die er vorankommen wollte. "Die Spitze waren 45 und die wenigsten 25 Kilometer", erzählt er. "Nach sechs Tagen auf Wanderschaft gab es auch mal einen Durchhänger, da habe ich gemerkt, ich muss mein Laufpensum besser anpassen. Bei meinen Wanderungen über den Rennsteig war ja nach fünf Tagen die Strecke zu Ende, aber diesmal waren es 35 Tage, die ich unterwegs war", erzählt der Plauener Gymnasiast der in Remptendorf bei Schleiz zu Hause ist. Am 27. August war er am Ziel in Görlitz angekommen. "Dort hat mich mein Kumpel, der unterwegs aufgegeben hatte, abgeholt. Wir fuhren nach Dresden, wo er studiert. Ich war dann schon froh, nicht mehr laufen zu müssen", lacht er.

Am eindruckvollsten sei für ihn auf der Strecke von Aachen über die Eifel, Rhein und Sauerland hin nach Hessen, Thüringen und Sachsen die Gastfreundschaft der Menschen gewesen. "Einigen habe ich eine Karte aus Görlitz geschrieben, weil sie wissen wollten, ob ich gut angekommen sei. Darunter auch ein Ehepaar, das auch früher viel unterwegs war und die erfahrene Gastfreundschaft weitergeben wollte", erzählt Tobias Meyer.

Im nächsten Jahr will er mal was Neues ausprobieren. "Ich mag alle Outdoor-Sportarten wie Klettern, Rad fahren und Paddeln. Wichtig ist mir das Feeling in der Natur. Nächstes Jahr will ich in die Alpen zum Klettern. Und dann schwebt mir eine Paddeltour vor", blickt er voraus. Doch erst kommt das Abi, da hat Tobias Meyer aber auch keine Bange.