Tier-Innereien im Briefkasten: "Warnung" von Rechts?

Man muss sich nicht über jede Post freuen, die im Briefkasten landet. Wenn es sich aber um Tier-Innereien handelt, dann darf man mit einigem Recht davon ausgehen, dass es sich weniger um einen Dummen- Jungen-Streich handelt, als vielmehr eine Art Warnung.

Davon geht zumindest Stefan P. aus, dem genau das Ende voriger Woche widerfuhr. Stefan P. ist in Plauen kein Unbekannter, von seinem Engagement für soziale Zwecke, vor allem aber gegen Rechts, wissen viele. Damit ist er nicht das erste Mal ins Visier derer geraten, denen sein Einsatz gilt. Und jene vermutet er auch hinter dem ekligen Fund in seinem Briefkasten. "Wir vermuten, dass es sich um Hühnerherzen handelt", sagt seine Frau.

Beide veröffentlichten die ihnen zugedachte Warnung in den sozialen Medien, die meisten waren entsetzt, manche reagierten mit Humor und Rezepten für die Zubereitung. Doch spaßig ist den beiden angesichts des offenkundig als Warnung zu verstehenden Ekel-Pakets überhaupt nicht zumute. "Früher war ich für mich allein verantwortlich und habe schon manche schlimme Drohung einfach weggesteckt, doch jetzt sind wir eine Familie mit einem kleinen Kind", sagt Stefan nachdenklich.

Trotzdem, einschüchtern lassen wolle man sich nicht, sagt seine Frau. Auf eine Anzeige habe man dennoch verzichtet, denn nach ihrer Überzeugung würde die eh im Sande verlaufen. "Welche Fingerabdrücke außer unseren sollten denn auch auf dem Briefkasten zu finden sein", meint Stefan P.. Wer die Absender sind, steht für ihn allerdings außer Zweifel.

Vor einigen Tagen hatte schon der Plauener Bundestagskandidat einer recht kleinen Partei ähnlichen Müll in seinem Briefkasten. "Diese Tier-Perversitäten traten vor einiger Zeit schon in den alten Ländern auf, nun schwappt dieser Schwachsinn vermutlich hier rüber", sagt Stefan P. der weiß, dass die Plauener Neonazis vom III. Weg bestens mit der Kameradschaftsszene in den alten Ländern vernetzt sind.

"Seitdem die in Plauen eine Art Geschäftsstelle haben, scheinen die wieder verstärkt am Rad zu drehen", fügt er an und nennt eine Statistik, wonach der Extremismus auch im Vogtland auf dem Vormarsch ist: 123 Straftaten aus dem rechten Milieu wurden im Vorjahr aktenkundig, deutlich mehr als in den Vorjahren.

Stefan ist überzeugt, dass die Einschüchterungsversuche eine neue Dimension erreicht haben. "Es müssen sich alle Demokraten dagegenstellen", sagt der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Rechts. tp