Theater Plauen-Zwickau startet in neue Spielzeit

Plauen - Mit zwei Premieren startet das Theater Plauen-Zwickau in die neue Spielzeit. Das Theater hinterm Vorhang präsentiert am Samstag das Stück "Schneemond" des Lengenfelder Autors Christian Martin.

 

Goethes "Clavigo" wird auf der Kleinen Bühne am darauf folgenden Samstag erstmals aufgeführt. "Ein Gegenwartsstück sollte in keinem Spielplan fehlen", sagt der Generalintendant des Theaters Plauen-Zwickau, Roland May, der für das Stück "Schneemond" des Lengenfelder Autors Christian Martin Regie führt. Doch das ist bei weitem nicht der einzige Grund, sich des Stoffes anzunehmen. Ausschlaggebend sei, so May gestern bei der Vorstellung der beiden anstehenden Premieren, ob sich ein Stück für die Hauptbühne eigne und ins Repertoire aufgenommen werden könne, also quasi keine Eintagsfliege darstelle. Und dafür ist "Schneemond", uraufgeführt im Jahre 2006 in Schleswig Holstein, geradezu prädestiniert. Zwar erlebe das Stück seine Plauener Premiere - bedingt durch die Umbaumaßnahmen im Großen Saal - nun doch im Theater hinterm Vorhang, dass es im Abonnement gespielt werde, möchte May aber unbedingt auch als Referenz an den Autor verstanden wissen.

"Der Martin schreibt, dass man meint, da sei kein Wort, kein Buchstabe zu viel", zollt der Regisseur dem Autor Anerkennung. Die einzelnen Szenen enthielten eine Konfliktdichte, die der Schauspieler spüren, er-spüren müsse. Und genau diese Herausforderung hätten die Darsteller angenommen, mehr noch, sie lernen im Probenprozess voneinander. Der "Schneemond" ist eigentlich Teil einer Trilogie, die mit "Formel 1" vor zehn Jahren eingeleitet wurde. Die Sprache lehnt sich an den regionalen Dialekt an, Hundsgrün bildet Handlungsort wie Metapher gleichermaßen. Metapher für "auf den Hund gekommen". Probleme und Charaktere wirken weit über die "Provinz" hinaus. Es geht um die Abwanderung der Jugend, um problematische Ehen, Existenzängste.

Am Beispiel des Tischlermeisters Anton Kantl, dessen unbezahlte Rechnungen sich türmen und bei dem auch im Privatleben kaum noch was zusammen geht, zeigt Martin den unaufhaltsamen Verfall einer Familie - den selbst verschuldeten und den von der krisengeprägten Gesellschaft beschleunigten. Für die vom Autor gezeichneten prallen, saftigen Charaktere habe man für alle Rollen eine tolle Besetzung gefunden. Einige Darsteller beweisen sich in mehreren Rollen, wie beispielsweise Sebastian Ganzert als Dorfdepp und windiger Berater. Dieter Maas gibt den Kneiper Manne, Johannes Lang den Tischler Kantl - in weiteren Rollen sind Else Hennig, Ute Menzel, Marsha Zimmermann, David Moorbach und Angelina Häntsch zu erleben. Für Letztere eine besondere Herausforderung, kann sie nach einer den Sommer über währenden großen Filmproduktion doch erst seit Anfang der Woche richtig in die Proben einsteigen.

Hinsichtlich der Bühnenausstattung habe man aus der Not eine Tugend gemacht, sagt der für diesen Bereich verantwortliche Oliver Kostecka. Immerhin führe das Stück an 30 Handlungsorte, so dass Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche erforderlich war, woraus aber gerade die Spannung erwachse. Die Premiere am kommenden Samstag ist ausverkauft, für weitere Veranstaltungen sind noch Tickets erhältlich.

Gleiches gilt für die Premiere von Goethes "Clavigo" am darauf folgenden Samstag in Regie von Schauspieldirektorin Brigitte Ostermann. Als typisches Sturm-und-Drang-Stück avisiert sie das Werk, das Goethe in nur acht Tagen zu Papier brachte, was man "Clavigo" zuweilen auch anmerke, fügt sie in ihrer burschikos-charmanten Art an. Dem Stoff liegt eine tatsächliche Begebenheit zugrunde, doch anders als bei der Vorlage finden bei Goethe beide Protagonisten den Tod. Das Publikum habe sich auf echte "Klassikersprache" einzustellen, jeder Satz ein Ausrufezeichen. Bei der Inszenierung habe man darauf geachtet, das Trauerspiel nicht gefühlig, sondern gefühlvoll rüberzubringen. "Es wird stilvoll gelitten", lächelt Ostermann. Auch das 1774 geschriebene Stück weise durchaus aktuelle Bezüge auf. Wie wichtig ist es, immer präsent zu sein, was bedeutet dem Einzelnen Karriere, was ist er bereit, dafür zu opfern?

Mittelpunkt der Bühnenausstattung, für die Fabian Gold verantwortlich zeichnet, ist eine überdimensionale Treppe, die den Aufstieg Clavigos symbolisiert. Ein darunter befindliches Areal dient der Familie als Wohnraum, hermetisch abgeschlossen. Den Boden dieses Bereiches bildet übrigens das Holz des alten Parketts im Großen Saal.

In den Hauptrollen sind Johannes Moss als Clavigo und Julia Bardosch als Julia zu erleben - in weiteren Rollen des aus im wesentlichen zwei großen Zweierszenen bestehenden Stückes agieren Julia Rani, Saro Emirze, Tom Keune, Frank Siebers und Ole Micha Spörkel.    T. Piontkowski