"The Magic of Santana" mit zwei Urgesteinen

Magie geht bekanntlich von der Ansicht aus: Alles im Himmel und auf Erden ist von einer übersinnlichen Kraft durchdrungen, die wiederum nur durch Magie beeinflusst werden kann. Richtig - denn das trifft irgendwie auf die Musik von Carlos Santana zu. Sie durchdringt Seele und Geist, so sich der Zuhörer darauf einlässt - wie im Theater von Crimmitschau.

Von Udo Hentschel

Crimmitschau - Wie bei fast jeder Band gibt's Vorschusslorbeeren in Form von artigem Begrüßungsapplaus. Diesmal scheint er intensiver. Tony Lindsay tritt ans Mikro und meint: "Genau!" Das Zeichen, den Beifall noch donnernder den Mannen auf der Bühne entgegen zu peitschen. Und dann zelebrieren zehn Musiker ein fast dreistündiges Programm, das immer wieder Begeisterungsstürme entfacht.
Dort, auf der "Theaterbühne", ist für Lead-Gitarrist Gerd Schlüter, Bassist Martin Hohmeier und dem zweiten Mann an den Saiten Olli Schröder kaum, aber trotzdem noch so viel Platz, dass sich die beiden Originalsänger von Santana - Alex Ligertwood und Tony Lindsay - bequem in Szene setzen können. Und das beginnt sofort mit Evil Ways und jeder merkt augenblicklich: Das ist er, dieser typische, unnachahmliche Santana-Sound. Auch wenn Carlos nicht persönlich dort steht, die zehn Akteure vermitteln doch diesen Eindruck pur. Dafür sorgen natürlich die drei Schlagwerker Andreas Rohde mit den Timbales sowie Jürgen Pfitzinger und Pablo Escayola an Congas und Bongos. Hinzu kommt Oliver Steinwede an den Drums. Er gibt den Groove vor. Nicht zu vergessen - der Mann an den Tasten und dem etwas ZZ Top-anmutenden Outlook: Jens Skwirblies. Auch er bekommt mehrfach an diesem Abend Applaus auf offener Szene für sein unwiderstehliches individuelles virtuoses Spiel.
Neben absolut treibenden Stücken bietet das Hamburger Bandprojekt auch Leiseres, Bedächtigeres - Somewhere in Heaven, Europa, No one to Depend on oder Aqua Marine. Die Klassiker dürfen in einem solchen Konzert natürlich nicht fehlen. Doch was sind bei Santana Klassiker? Doch wohl fast jeder Song. Und jeder wird zelebriert, jeder auf der Bühne erhält mehrmals die Zeit, "The Magic of Santana" zu offenbaren, sich solistisch "auszuleben". Allen voran Gerd Schlüter. Sein Handling der Paul-Reed Smith-Gitarren (gleiche spielt auch Santana selbst) ist Weltklasse. Ach ja die Klassiker - demzufolge ebenso alle anderen gespielten Titel. Von Guajira über She's not there, bis bis Samba pa Ti, Maria Maria oder Hold on mit einem sagenhaften Vorspiel. In einem Medley kommen am Ende auch noch Black Magic Woman, Gypsy Queen und Oye Como Va daher. Was will das "Santana-Herz" mehr, wenn derart begnadete Musiker eine solch perfekte Symbiose aus lateinamerikanischen Rhythmen und Rock, Blues, Jazz und Funk für etwa 350 begeisterte Zuhörer und sogar vereinzelten Tänzerinnen darbieten. In diesem Fall hält der Bandname "The Magic of Santana" nicht nur das, was er verspricht. Er toppt es.