Tests rund um die Uhr

Die Laborpartnerschaft Diagnosticum in Plauen testet täglich bis zu 6500 Proben auf Corona - 24 Stunden am Tag, auch sonntags. Und der Schriftkram? Alles digital und per Internet. Stift und Papier braucht es nur zur Sicherheit, und an das Gesundheitsamt gehen Faxe.

Plauen - Diagnosticum in Plauen hat sich auf Corona-Tests spezialisiert: Abstriche vom Flughafen Dresden, Proben von Reiserückkehrern aus Chemnitz, vogtländische Verdachtsfälle - alles wird im Laborgebäude an der Röntgenstraße untersucht. "Wir bekommen Proben von allen unseren 16 Standorten und natürlich auch aus der benachbarten Corona-Ambulanz im Helios-Vogtlandklinikum", sagt Dr. Christian Scholz, geschäftsführender Gesellschafter aus Neukirchen, der derzeit in Plauen aushilft.
Nach seinen Worten ist die Corona-Ambulanz mit Laptop und Software von Diagnosticum ausgestattet, mit Kartenlesegerät und Drucker. "Früher wurden die Daten des Patienten aufgeschrieben, mussten in die EDV eingegeben und bearbeitet werden. Das Ergebnis kam als Brief. Heute wird die Krankenkassenkarte eingelesen, der Drucker spuckt einen Barcode aus, der auf das Röhrchen mit dem Abstrich geklebt wird. Die Daten kommen digital zu uns - und sind eindeutig dem Röhrchen mit dem Code zuzuordnen - wie Preise an der Supermarktkasse."
Was passiert mit der Schleimhaut des Abstrichs? "Wir suchen Spuren des Corona-Virus. Dazu wird jede Probe gereinigt - mit Chemie, bis das Gen-Material des Virus freiliegt. Weil die Spuren gering sind, müssen wir das Gen-Material vervielfältigen. Das geschieht mit einer Polymerase-Ketten-Reaktion." Zu der Analytik komme noch Transport, Erfassung, Ergebnisübermittlung und Organisation des Probendurchlaufs. In der Regel liege das Ergebnis 24 Stunden nach Eingang der Probe vor.
Wie Scholz hinzufügt, verwendet sein Labor zwei Nachweismethoden, um unabhängig zu sein von Lieferschwierigkeiten bei Reagenzien. Und für den Notfall stehe ein drittes, wenn auch personalintensives Verfahren zur Verfügung.
Scholz zufolge werden in Plauen täglich 5500 bis 6500 Proben auf Corona getestet. "Damit haben wir fast die Kapazitätsgrenze erreicht. Unsere 70 Leute hier sind rund um die Uhr im Einsatz, sieben Tage die Woche." Dabei sei zu beachten, dass es vieler Arbeitsschritte bedarf: Neben den Laborarbeiten auch Dinge wie Ergebnisse erfassen, übermitteln, Rechnungen schreiben und Telefon-Hotline besetzen.
Laut Scholz ist die Corona-Untersuchung noch nicht beendet, wenn Spuren des Virus gefunden sind. "Dann wird ein zweiter Nachweis fällig - zur Sicherheit, was weitere vier Stunden dauern kann."
Und wenn sicher ist, dass der Patient Corona hat? Dann geht nach Scholz‘ Angaben ein Fax (!) an das Gesundheitsamt des Vogtlandkreises. "Wir haben großes Interesse, dass diese Meldung auf ein digitales Verfahren umgestellt wird. Wir könnten sofort starten."
In anderen Bereichen sei die Digitalisierung bereits Praxis. Scholz: "Der Auftraggeber wird digital informiert, etwa der Hausarzt oder die Corona-Ambulanz. Bei Einverständnis geht eine Meldung an die Corona-Warn-App. Und der Patient kann mit seinem Barcode das Ergebnis auf der Diagnosticum-Website anschauen; zur Sicherheit bekommt auch er einen Brief."
Und wie werden die Proben entsorgt? "Die gehen in die Sondermüllverbrennung", sagt der 39-Jährige, der alle Fragen souverän beantwortet - nur eine nicht: Warum kostet ein Corona-Test 50,50 Euro, wenn er vom Gesundheitsamt angeordnet wird - aber nur 39,60 Euro, wenn der Hausarzt den Auftrag erteilt. "Das ist gesetzlich so geregelt. Warum, weiß ich nicht. Dabei sollte man wissen: Die Vergütung mit 39,60 ist je nach Kalkulation gerade noch oder gerade nicht mehr kostendeckend. Für den Betrieb ist die höhere Vergütung von den Gesundheitsamtsproben wichtig." ufa

Hintergrund

Diagnosticum ist eine Gemeinschaftspraxis von Labormedizinern, Pathologen, Mikrobiologen und Humangenetikern. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Neukirchen bei Chemnitz.
Die 650 Mitarbeiter an 17 Standorten zwischen Dresden und Hof und sogar in Frankfurt am Main untersuchen jedwede Körperzellen und -flüssigkeiten, die Ärzte entnehmen, um Krankheiten auf die Spur zu kommen: Rachenabstriche bei Mandel-Entzündungen, Gewebe bei Darm- oder Gebärmutterhalskrebs, Blutuntersuchungen bei Diabetes oder Erbkrankheit, Mikrobiologie von Wundsekret, Teile von Leberflecken…
"Alle Corona-Tests finden am Standort Plauen statt", sagt Dr. Christian Scholz, Facharzt für Labormedizin und einer von insgesamt 16 Gesellschaftern. ufa