Tausende sind beste Gewähr gegen Gewalt

Man werde alles daran setzen zu zeigen, dass eine friedliche Demonstration möglichst zahlreicher Bürger gegen den geplanten Aufmarsch der Rechten am Samstag in Plauen möglich ist, bekräftigen die Sprecher des Bündnisses "Nazifreies Plauen".

 

Plauen - Jörg Menke, einer der Sprecher des Bündnisses, gibt sich während des gestrigen Pressegespräches optimistisch. Die eigens eingerichtete Homepage verzeichne täglich bis zu 200 Zugriffe, die Zahl der eingetragenen Unterstützer liege bei 350. Wichtig ist sowohl ihm, als auch Benjamin Zabel und Stefan Kademann, dass sich am Samstag möglichst viele Plauener und Vogtländer friedlich gegen den braunen Spuk zusammenfinden.

Bereits im Vorfeld hatte die IG Metall Geschäftsführungen und Betriebsräte aufgefordert, die Belegschaft für eine Teilnahme zu sensibilisieren. "Gut möglich also, dass auch Kollegen von VW Zwickau nach Plauen kommen", hofft Kademann, der sich zugleich anerkennend über die Haltung der Kirche äußert. Mit dem Friedensgebet und den Mahnwachen vor Gotteshäusern werde dokumentiert, dass "wir die Kirchen an unserer Seite wissen".

Tausende Demonstranten sind die beste Gewähr, dass alles friedlich bleibt", unterstreicht auch Benjamin Zabel, der am Samstag für die Polizeikräfte als Ansprechpartner in Sachen Sicherheitspartnerschaft gilt. Etwa 250 bis 300 Personen der rechten Szene werden nach jetzigen Erkenntnissen am Samstag in Plauen erwartet, wo sie am Parkplatz nahe des Oberen Bahnhofes eine Kundgebung abhalten und anschließend auf einer genehmigten Route durch die Innenstadt ziehen werden. Das Ganze deute auf eine generalstabsmäßige Vorbereitung, wie auch die Provokation vergangenen Sonntag auf dem Hauptfriedhof nicht das Werk von Einzelnen gewesen sei, sind sich die Sprecher des Bündnisses sicher. Und leider sei auch nicht damit zu rechnen, dass sich die angereisten Neonazis danach wieder Richtung Heimat absetzen. Vielmehr sei ein "Aktionstag" geplant, der weitere Treffen und Veranstaltungen im ganzen Vogtland vorsehe. Die ihnen genehmigte Route entspreche zwar nicht der der friedlichen Demonstranten von 1989, dennoch bezeichnet es Kademann als "unsensibel" seitens der Behörden, den Rechten den Vorbeimarsch an der ehemaligen jüdischen Synagoge genehmigt zu haben.

Dass man sich am Samstag nicht "dummen Jungen" gegenübersehe, ist den Bündnis-Aktivisten klar. Rene Weber von der Kontakstelle MOVE, die sich seit längerem mit neonazistischen Aktivitäten in der Region auseinandersetzt hat festgestellt, dass die Diffamierung des Bündnisses und einzelner Personen auf den Internet-Seiten der Rechten deutlich zugenommen habe. Bislang wurden über 100 Plakate des Bündnisses entweder zerstört oder mit rechtsextremen Parolen überklebt. Angemeldet wurde die Neonazi-Kundgebung übrigens von der RNJ, eine Art "offene Kameradschaftsszene" mit Schwerpunkten in Ellefeld, Falkenstein, Reichenbach, Netzschkau und Auerbach und mit besten Verbindungen zur "Szene" in Oberfranken.

Als besonders bedauerlich bezeichnen es die Bündnisvertreter, dass die Ablehnung der CDU, sich an der Demonstration zu beteiligen, von den Rechten "ausgeschlachtet" werde. Auf deren Homepage sei ein entsprechender Beitrag unter der Überschrift "CDU auf Weg der Läuterung" veröffentlicht. Zudem macht Kademann auf einen weiteren Aspekt aufmerksam. Zum einen gehe es um die moralische Verantwortung jedes Bürgers, die braune Vergangenheit nicht zu vergessen.

Zum anderen aber auch um eine wirtschaftliche Komponente. Viele Unternehmen der Region agieren global, in den Chef-Etagen sitzen Führungskräfte ausländischer Herkunft. Nicht wenige machen Investitionen davon abhängig, wie ausländerfreundlich oder -feindlich das Umfeld sei. "Das muss man vor allem der Landesregierung ins Stammbuch schreiben", redet der Gewerkschafter Klartext. Auch über den 16. April hinaus sei man bestrebt, das Bündnis zusammen zu halten, so wie auch die Kontakstelle MOVE ganzjährig ehrenamtlich arbeite. Angedacht sei, ein "Netz über Sachsen gegen Rechts zu spannen", erste Ideen gebe es bereits, was auch die Kooperation aller großen sächsischen Städte beinhalte. Zu jenen, die sich bereits im Vorfeld eindeutig positionierten, gehört unter anderen die vogtländische SPD. Eine friedliche Gegendemonstration lebe auch von dem freiheitlichen bürgerlichen Engagement vieler Beteiligter, heißt es in einer Stellungnahme. In einer Erklärung des Dachverbandes Stadtmarketing positioniert sich der Verein "für eine tolerante und weltoffene Stadt, ... die sich ihrer bewegten Vergangenheit bewusst ist." Mit der Demo möge ein Zeichen für Demokratie, Menschenwürde und Toleranz gesetzt werden. tp