Taschengeldausgabe im Plauener Landratsamt

Jeden Monat ist für sie dieser Tag ein wichtiger Termin. Die Asylbewerber im Vogtlandkreis kommen zur Taschengeldausgabe ins Plauener Landratsamt an der Neundorfer Straße.

 

Je nach dem, welchen Status sie besitzen, ob geduldet oder mit einer Aufenthaltsgestattung "ausgestattet", erhalten die Menschen aus Afrika, Indien, Afghanistan oder aus anderen Krisengebieten der Welt eine finanzielle Zuwendung - die einen zehn Euro (Duldung) die anderen 40 Euro (Aufenthaltsgestattung nach Asylbewerber-Leistungsgesetz). Im Monat.

So auch Donnerstagvormittag. Im Aufgangsbereich des schönen Gründerzeitgebäudes des Landratsamtes in Plauen hat sich eine Schlange von etwa 50 Ausländern gebildet. Geduldig und still warten die Asylbewerber, die einzeln in das Büro eintreten. Freudig lassen die ersten Leute danach das Papiergeld in den Händen sehen. Doch einige kehren wütend, enttäuscht, hilflos, abgewehrt aus dem Zimmer zurück.

"Ich habe kein Geld bekommen, man sagte mir, in Neundorf (Asylbewerberheim in der Kasernenstraße) wurde eine Unterschrift nicht gemacht", schimpft Mohamed Mansur. Er solle morgen vorbei schauen oder besser am Montag, berichtet der Mann aus Libyen. "Es sind Menschen dabei, die extra nach Plauen kommen, um sich das Taschengeld zu holen, jetzt vor dem Wochenende. Und dann doch noch mal her müssen. Mann, wir brauchen die paar Euros einfach", sagt Mansur weiter. "Die in den Behörden können sich das gar nicht vorstellen. Die haben pünktlich ihren Lohn auf dem Konto", kommentiert der Asylbewerber und Familienvater.

Auf die Nachfrage des "Vogtlandanzeiger" in der Ausländerbehörde, "warum man in der Behörde den Bürgern nicht das Taschengeld auszahlen konnte", meinte eine Sachbearbeiterin im Ordnungsamt: "Welche Bürger? Das sind doch Asylbewerber." Und die von dem Geschehen im Amt informierte Pressestelle des Landratsamtes verlangte, die im Raum stehenden Fragen nochmals schriftlich einzureichen. Auf die Bitte unserer Zeitung, sich auf die mündlich gestellte Einzelfrage nachmittags zu äußern, wurde von Pressesprecherin Kerstin Büttner darauf verwiesen, sie werde den Vorgang zu prüfen, dann könne mit befugten Personen gesprochen werden.

Es folgte am frühen Nachmittag ein telefonisches Hin und Her zwischen Zeitung, Pressestelle des Landratsamtes, Ordnungsamt und Ausländerbehörde. Warum eine Beantwortung per Telefonat nicht gewährleistet wurde, beantwortete man in der Pressestelle so: "Wir haben die Dienstanweisung nicht gemacht." Die besage, dass Fragen seitens der Presse nur schriftlich angenommen werden. Ordnungsamtleiter Matthias Borrmann sagte es noch drastischer: "Entweder schriftlich oder gar keine Antwort." Wir stellten die Frage also schriftlich: "Warum erhielten heute mehrere ausländische Bürger im Landratsamt kein Taschengeld?"

Am Donnerstagnachmittag, derweil war keine Pressesprecherin mehr telefonisch erreichbar, erhielt unsere Zeitung Antwort. Das Landratsamt teilte schriftlich mit: "Durch ein Büroversehen sind am heutigen Tag bedauerlicherweise sieben Auszahlungsanordnungen an Asylbewerber nicht zur Auszahlung in die Kasse gelangt. Mit den betreffenden Personen wurde gesprochen und sich wegen dieses bedauerlichen Fehlers entschuldigt. Es wurde vereinbart, dass sie einen Tag später, also am 30.10. 2009, das Taschengeld in der Kasse in Empfang nehmen können. Die Personen waren damit einverstanden."

"Es ist erniedrigend vertröstet zu werden", sagt Mohamed Mansur, als er das Landratsamt am Donnerstag verließ. Ohne Taschengeld. Frank Blenz