Tanz von Sensenmann und Mädchen

Das Entree führt mitten durch eine künstlerisch gestaltete Friedhofs-Szenerie. Ganz schön mutig in der Corona-Krise ist das Thema der neuen Sonderausstellung auf Schloss Voigtsberg "Leben.Lust.Leiden - der Tod und das Mädchen", die am Pfingstmontag eröffnet wird. Die Lockerung der Kontaktbeschränkung macht es möglich.

Von Renate Wöllner

Vorbereitet wurde die Ausstellung schon seit Ende vergangenen Jahres. Die Oelsnitzer Kultur GmbH knüpfte damit an ihr Projekt mit dem Themenkreis um Maria Magdalena an, gab Museumsleiterin Tina Reitz Auskunft. Geplant war die Eröffnung ursprünglich Anfang April, die Einladungen waren schon verschickt. Der Lock Down im Zuge der Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung.
Auch die Abholung der Exponate von den Leihgebern gestaltete sich durch die Kontaktbeschränkung schwierig bis unmöglich, berichtet Reitz. So ist manches Kunstwerk nur in einer Reproduktion zu sehen. Gearbeitet an der Schau in Foyer und Schösserstube wurde bis kurz vor Ultimo. Geschickte Hände des Museumsteams spinnen den roten Faden bis zum Aufbau von Friedhofsmauer und Grabkapellen, die einzelne Kunstwerke stilvoll umgeben.
Der "Totentanz", auch Makabertanz genannt - die künstlerische Darstellung von Macht und Einfluss des Todes - nimmt seit dem 14. Jahrhundert an Kirchen und Friedhofsmauern in Fresken Gestalt an. Und auch Johann Wolfgang von Goethe hat den Totentanz literarisch verewigt:
Vor allem auch in der Grafik spüren Künstler den Facetten des Tanzes von Sensenmann und Mädchen nach - bis hin zur sinnlich erotischen Darstellung. Zu bewundern sind ein 400 Jahre altes Buch mit Grafiken von Hans Holbein d. J. (1497/98? bis 1543) sowie Kupferstiche von Matthäus Merian d.Ä. (1593 bis 1650). Begegnen kann man Werken von Egon Schiele, Ernst Fuchs und Alfred Kubin. Einzelne Gemälde und drei überlebensgroße Skulpturen haben ihren Platz in der Ausstellung, welche durch interaktive Elemente und Musikangebote bereichert wird.Die Schau schlägt den Bogen bis zur Moderne, in der auch Künstler aus der Region wie Regine Heinecke und Siegfried Otto Hüttengrund nicht fehlen. Heinecke, die kürzlich verstorbene Künstlerin, der auf Schloss Voigtsberg eine museale Abteilung gewidmet ist, hat sich in ihren Illustrationen zu den Gedichten von Louize Labé mit dem Thema auseinandergesetzt.Der "Baum der Erinnerung" - installiert unter der jahrhundertealten Balkendecke der Schösserstube - lässt die Gedanken schweifen. Mit ihm und dem gleichnamigen Buch will das Museum auch Kindern ein Angebot zum Trauern und Gedenken unterbreiten. Der Ausstellungsraum im Turmzimmer dagegen bleibt für den Nachwuchs gesperrt.
Rund 60 Leihgeber vereinigt die Ausstellung, darunter beispielsweise das Museum für Sepulkralkultur Kassel und die Deutsche Nationalbibliothek.
Besichtigt werden kann die Schau auf Schloss Voigtsberg ab Pfingstmontag, von 11 bis 17 Uhr. Außerhalb von Feiertagen ist montags geschlossen.
Aufgrund der hygienischen Bestimmungen in der Corona-Zeit entfällt eine Vernissage. Es gilt Mundschutz- und Abstands-Gebot. Bis zu 20 Personen dürfen sich gleichzeitig in den Ausstellungsräumen aufhalten.