"Tamerlano" kämpft zwei Mal

Es ist etwas Besonderes, ganz speziell und ungeplant - die Aufführung einer Händeloper im Theater Plauen-Zwickau. Bereits zur Matinee am Sonntagvormittag zeigte nicht nur das Publikum großes Interesse, auch die Begeisterung der Mitwirkenden war deutlich zu spüren.

Von Stephanie Rössel

Plauen "Tamerlano" - eine Barockoper mit einem Sprung in drei Zeiten. Die Geschichte spielt vor etwa 600 Jahren im orientalischen Mittelalter, wurde vor etwa 300 Jahren uraufgeführt und ist inhaltlich auch in der Gegenwart sehr präsent.
Musikalisch sei Barock in vier Takten erzählt, erfuhren die Zuschauer von Generalmusikdirektor Leo Siberski. Der musikalische Aufbau bestehe aus Anspannung und Entspannung, was er auf dem Flügel in eben genannten, wenigen Takten verdeutlichte. Für die Musiker sei es ein schrittweises Erarbeiten gewesen, was ein gelungenes Ergebnis verspricht, kündigte er an.
Mit besonderer Leidenschaft sprach auch der Regisseur des Stückes, Jürgen Pöckel, von den Planungen und der Umsetzung. Die Oper sei nicht nur musikalisch anspruchsvoll und besonders, sondern schweife auch inhaltlich von den sonst typischen Handlungen des Barock ab. Es geht nicht wie üblich um Liebesbeziehungen, sondern um politische Kontrahenten.
Der mongolische Fürst Timur Lenk, italienisch Tamerlano genannt, eroberte fast ganz Zentralasien und stellte sich in einer Schlacht die über 20 Stunden dauerte, gegen den osmanischen Sultan Bajezet. Tamerlano nimmt den Sultan und dessen Tochter gefangen und stellt ihm die Freiheit in Aussicht, wenn dessen Tochter ihn zum Mann nehme. Ein Spiel der Intrigen und Verstrickungen beginnt. Vieles kann auch ins Hier und Jetzt projiziert werden.
Bühnenbild und Kostüme stammen von Andrea Eisensee, die diese Oper bereits zum zweiten Mal ausstattet. 1990 sei es ihr zweites Stück nach dem Studium gewesen. Zwar sei der Fürst ständig von Feldzug zu Feldzug unterwegs gewesen, umgab sich aber gern mit glanzvollen und schönen Dingen. Das wird in kleinen Details des Bühnenbildes, aber auch der Kleidung deutlich. Dieses Mal jedoch war die Gestaltung der Bühne aufgrund der Auflagen eine besondere Herausforderung.
Abstände müssen eingehalten, Masken in einigen Bereichen getragen und Desinfektion gewährleistet werden. Auf der Bühne solle dies für den Zuschauer jedoch alles keine Rolle spielen. Da gehe es lediglich darum, sich emotional in das Stück ziehen zu lassen, wünscht sich Dramaturg André Meyer.
Die Geschichte wird in zwei Teilen, also auch zwei Premieren aufgeführt. Ein Teil erschließe sich jedoch ohne den anderen nicht, betont Meyer ausdrücklich.
Christina Maria Heuel, André Grass, Frank Blees und Noah Xuhui Du gaben gesangliche Kostproben und zeigten in den wenigen Minuten, dass Oper etwas ist, was unter die Haut geht. Besonders an dieser Oper von Georg Friedrich Händel ist der eher ungewöhnliche Part für Countertenors. Nicht nur diese glasklaren Töne von Gastsänger Du werden die Zuschauer sofort fesseln.
Der erste Teil der Premiere findet an diesem Samstag, 19.30 Uhr, statt, der zweite Teil genau eine Woche später, am 7. November. Weitere Aufführungen sind am 1. und 8. November (Teil 1 und 2), am 13. und 20. November (Teil 1 und 2) am 14. und 21. November (Teil 1 und 2) sowie am 17. und 21. Januar (Teil 1 und 2) vorgesehen. Alle Veranstaltungen beginnen 19.30 Uhr, mit Ausnahme 17. Januar, wo sich der Vorhang bereits 18 Uhr öffnet.