Tamara ist immer noch da

Sie ist immer noch da. Auch 25 Jahre nach ihrem Tod ist Tamara Danz, die legendäre Sängerin, beim Konzert von "Silly" in Bad Elster am Freitagabend enorm präsent.

Von Andrea Herdegen

Bad Elster Sie lebt weiter in den Herzen der Fans und in den Herzen der Band. Rüdiger "Ritchie" Barton und Uwe Hassbecker, die beiden "Silly"-Musiker, die Danz nacheinander Lebensgefährten waren, erinnern sich an Begebenheiten der gemeinsamen Zeit. Dafür wird die musikalische Show im mit 1000 Zuschauern ausverkauften Naturtheater jeweils unterbrochen, Barton und Hassbecker nehmen auf Barhockern Platz und erzählen. Emotionale Momente.
Bassist Hans-Jürgen "Jäcki" Reznicek fügt hinzu, dass Tamara Danz ihm kurz vor ihrem Tod den Schwur abgenommen habe: "Jäcki, lasst bitte ,Silly‘ am Leben. Versprich mir das!" Reznicek ruft ",Silly‘ gibt es heute noch!" und dankt den treuen Fans: "Das ist auch euer Verdienst." Danz zu Ehren spielt die Band dann die Hymne "Asyl im Paradies", zum Schluss kommt bei leerer Bühne nur noch der Gesang aus dem Off. Gänsehaut. Wie sich bei "Queen" jeder neue Sänger an Freddie Mercury wird messen lassen müssen, so werden auch bei "Silly" die Sängerinnen stets mit Tamara Danz verglichen werden. Nicht mit Anna Loos, die immerhin zwölf Jahre lang "Silly"-Frontfrau war, bevor sie die Band im Dezember 2018 verließ. In Bad Elster stehen Julia Neigel und Anna R. am Mikrofon. Gast-Sängerinnen sind sie offiziell, jedoch schon spürbar verwachsen mit dem Rest der 1978 gegründeten Band, zu der heute live noch Hassbeckers Sohn Daniel an Keyboard und Gitarre sowie Ronny Dehn am Schlagzeug gehören.
Julia Neigel und Anna R. machen ihre Sache gut. Neigel, eine echte Power-Frontfrau, ständig in Bewegung und über die gesamte Bühne tanzend, übernimmt meist die rockigen Songs wie "Die wilde Mathilde" oder "Alles Rot". Anna R., die mit "Rosenstolz" berühmt wurde, ist eher für die Balladen zuständig. Sie steht oder sitzt am Mikrofon, wenn sie "Verlorne Kinder" oder "So ‚ne kleine Frau" singt. "Zwei sehr verschiedene Stimmen, die wie Plus- und Minuspol die Spannung unserer Musik neu erstrahlen lassen", sagt die Band.
Das passt fast immer. Lediglich bei "Bataillon d'Amour" hätte man sich lieber Neigels kraftvoll-fordernde Stimme gewünscht statt Anna R.s zerbrechlich-zurückhaltenden Gesang. Manche Lieder präsentieren die beiden auch gemeinsam, etwa "Bye Bye My Love" als Zugabe oder "Werden und Vergehen" vom neuen Album "Instandbesetzt", das am 17. September erscheint. Dass die Texte bei "Silly" immens wichtig sind, scheint allerdings noch nicht bis zum Mischpult vorgedrungen zu sein: Viel zu oft wird leider der Gesang von den zu laut ausgesteuerten Instrumenten zugedeckt.
Die drei altgedienten "Silly"-Musiker Hassbecker (Gitarre und Geige), Resnizek (Bass) und Barton (Keyboard und Gitarre) blühen nach einjähriger Corona-Konzertpause spürbar auf unter dem Jubel der Zuschauer. Sie fächern die gesamte Bandbreite ihres Repertoires auf, von gefühlvollen keyboardlastigen Balladen bis hin zu kompromisslos fetzenden Rock-Songs. Dabei wird viel gelächelt und gefeixt auf der Bühne. Und den längst aufgestandenen und tanzenden Fans macht es Spaß zu sehen, dass alle in der Band gut drauf sind und vor Spielfreude sprühen.
Nach der letzten Zugabe winkt Uwe Hassbecker noch einmal lächelnd ins Publikum und sagt; "Danke, das war ein Geschenk für uns heute."