Talsperren könnten überlaufen

Regen und Schneeschmelze lassen die Flüsse bedrohlich steigen: Zwei vogtländische Talsperren könnten überlaufen, wenn es übers Wochenende weiter regnet: die Talsperren Dröda und Pirk.

 

"Das könnte passieren", sagt Katrin Schöne von der Landestalsperrenverwaltung in Pirna. Nach Angaben der Pressesprecherin ist die 17,3 Millionen Kubikmeter fassende Talsperre Dröda mit 16,2 Millionen Kubikmetern schon ziemlich voll - durch Schmelzwasserzufluss und Regen. "Der Staumeister und seine Leute lassen vorsichtig ab", sagt Frau Schöne.

In der Talsperre Pirk ist nach ihren Angaben noch fast die Hälfte des 8,6 Millionen Kubikmeter großen Stauraums frei, weil in der vergangenen Woche viel abgelassen wurde. Doch jetzt sei der Abfluss gedrosselt, um die Weiße Elster zu entlasten. "In dieser Situation könnte es passieren, dass die Sperre voll läuft - abhängig vom Regen", sagt die Pressesprecherin.

Bei den vier anderen vogtländischen Talsperren ist die Lage nach ihrem Bekunden weniger angespannt: "In Muldenberg, Werda und Falkenstein ist noch richtig viel Platz. Und in der Talsperre Pöhl ist der Hochwasserrückhalteraum noch zur Hälfte frei. Die Zufluss-Prognose sieht günstig aus." Frau Schöne zufolge sind 56,4 der 62 Millionen Kubikmeter Stauraum gefüllt.

Auch die Flüsse der Region, wie Göltzsch und Weiße Elster führen noch nicht so viel Wasser, dass es zu größeren Überschwemmungen in den nächsten Tagen kommen werde, wie Karin Bernhardt vom sächsischen Landeshochwasserzentrum mitteilt. Lediglich für Adorf sei Alarmstufe 3 zu erwarten, hieß es am Vormittag. Im restlichen Vogtland würden die Alarmstufen auch in den kommenden Tagen nicht über 1 oder 2 hinausgehen. Tendenziell sei aber ein Anstieg der Pegelstände in allen Gewässern zu erwarten.

In Adorf bereitet man sich unterdessen intensiv auf die eventuelle Gefahrensituation vor. Wie Bürgermeisterin Mariechen Bang sagt, werden derzeit im gesamten Stadtgebiet Kontrollgänge und Überprüfungen des Wasserstandes von Weißer Elster, Schwarzbach und Waldbach durchgeführt. Es erfolge ebenso eine intensive Zusammenarbeit mit Bauamt und Feuerwehr. Die Lage habe man durchaus im Griff. Derzeit würden lediglich leichte Flussübertretungen an der Mühlwegbrücke und am Pfaffenlohbach sowie an der B 283, Ortsausgang in Richtung Markneukirchen zu beobachten sein. Adorf treffe aber alle Vorkehrungen, um Überschwemmungen zu verhindern, so Bang.

Auf Grund des Überschreitens desHochwassermeldepegels Adorf wurde durch das Landratsamt des Vogtlandkreises für die hochwassergefährdeten Ortslagen die am Oberlauf der Weißen Elster und ihrer Nebengewässer liegen, am späten Freitagnachmittag die Hochwasseralarmstufe 3 ausgelöst. Die Feuerwehren mussten gestern zu insgesamt 27, ausrücken, die auf die Hochwassersituation zurückzuführen waren, so Jens Leistner, Geschäftsführer des Rettungsdienstes Vogtland. In Adorf, Markneukirchen, Tirpersdorf, Oelsnitz und Klingenthal mussten Keller ausgepumpt werden. In Oelsnitz und Kottengrün wurden Straßen überspült. Die Unterlosaer Straßen musste zwischen Taltitz und Unterlosa sogar gesperrt werden.

 Nach kräftigen Regenfällen und starkem Tauwetter in den Bergen hat sich die Hochwasserlage in ganz Sachsen zugespitzt. In Leipzig sackte ein Deich ab und musste mit 5000 Sandsäcken stabilisiert werden. Polizei und Bundeswehr waren im Einsatz. In der Sächsischen Schweiz rief der Landrat für Teile des Kreises Katastrophenvoralarm aus. va

 

"Die Deichabsenkung ist eine kritische Situation", sagte Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung in Leipzig. Eine Hundertschaft der Polizei und 110 Soldaten wurden zur Sicherung herbeigerufen. Sollte der Deich brechen, würden wohl auch Wohngebiete überflutet werden, sagte Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) Das Nahle-Auslasswehr im Norden der Stadt wurde komplett geöffnet und damit der Auwald noch stärker als bisher überschwemmt. In der Dresdner Altstadt wurde das Terrassenufer gesperrt. Der Elbe-Pegel an der Augustusbrücke zeigte am Nachmittag 5,59 Meter, die Uferstraße wurde überflutet. Normal sind im Jahresmittel zwei Meter. Kritisch wurde die Lage auch am Unterlauf der Freiberger und in der Vereinigten Mulde sowie im gesamten Bereich von Zschopau und Flöha. Dort könne die höchsten Alarmstufe vier erreicht werden, hieß es beim Hochwasserzentrum.  S. B / ufa/ M. W. / dpa