Talsperre Pirk wird nach Sanierung wieder geflutet

Zum 70. Geburtstag der Talsperre Pirk gratulierte gestern Umweltminister Frank Kupfer vor Ort. Beim Festakt auf und neben der Hauptstaumauer wurde gleichzeitig der Abschluss von zwei großen Baumaßnahmen gefeiert, mit denen die 70-Jährige eine Erneuerungskur erfahren hatte. In praller Vormittagssonne fanden sich zahlreiche Gäste von Politik, Behörden, Baufirmen und Vereinen ein. Kupfer verwies auf die Probleme mit der Wasserqualität, die in den Vorjahren zum Badeverbot führten. Ursache waren auch Sedimentablagerungen in der Vorsperre Dobeneck. Mit der Umlagerung der Massen aus Schlamm und Geröll, die 2007 begann, wurde der Stauraum auf rund eine Million Kubikmeter vergrößert. Das Wasser verweilt jetzt mehr als drei Tage in der Vorsperre, Verunreinigungen können sich absetzen - die Wasserqualität in der Hauptsperre verbessert sich. Mit der "innovativen Idee der Landestalsperrenverwaltung" - die Sedimente innerhalb des Staubeckens umzulagern - erreichte der Finanzbedarf nur ein Drittel der ursprünglich geschätzten Kosten, lobte der Umweltminister. Mit großformatigen Fotos belegte Eberhard Jüngel, Leiter des LTV-Betriebs Zwickauer Mulde/Obere Weiße Elster aus Eibenstock, die Höhe der Sedimentschicht, "die zwei Meter hohen Wände". Eine Herausforderung nannte er die Arbeiten. Firma Scharnagl beräumte und verlagerte mit ihren riesigen Spezialmaschinen 430 000 Kubikmeter Sedimente. Alte Autos und Kühlschränke - wie mancher vorausgesagt habe - wurden aber nicht ausgebaggert. "Ich habe kaum eine Baustelle erlebt, wo so viele kluge Menschen Ratschläge erteilt haben", konnte sich Jüngel die Ironie nicht verkneifen. Eine neue Landschaft sei in der Vorsperre entstanden, "mit einer Erhebung, die dorthin gehört", meinte der Betriebsleiter, laut Minister Kupfer "der Platzhirsch". Die Planung der Arbeiten an der Vorsperre hatte das Ingenieurbüro Pöyry aus Dresden ausgeführt. Wie Wanderer und Touristen die ungewohnte Formation erleben, die am Uferweg den Blick zunächst einengt, bleibt abzuwarten. Die zwei Jahre, in denen die Pirker Talsperre zu einem großen Teil abgelassen war, nutzte die Landestalsperrenverwaltung für Arbeiten an der Hauptstaumauer, wo "der Frost erhebliche Schäden" verursacht hatte. Hier liefen seit 2008 die Betoninstandsetzung der Wasserwechselzone sowie die Reparatur der Ringkolbenventile und die Erneuerung der Rollschützen an der Wasserseite. Insgesamt wurden 5,5 Millionen Euro verbaut, berichtete Jüngel, davon entfielen drei Millionen auf die Sedimentberäumung. Bis Jahresende wird noch die Sperrmauer-Krone saniert. Dann können auch hier wieder die Wanderer spazieren und den Blick auf die Wasserfläche genießen. Dass die Arbeiten vor zwei Jahren in Gang gekommen waren, sei dem beharrlichen Bemühen von Landtagsabgeordnetem Andreas Heinz zu verdanken, lobte LTV- Geschäftsführer Norbert Ziegler. Nun warte eine Vielzahl von Nutzern, dass das Wasser steigt. Die Talsperre sei der Oelsnitzer "liebstes Naherholungsgebiet", betonte Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius. Die Stadt habe alle Abwassermaßnahmen abgeschlossen, damit das Nass in der Pirk sauber bleibt. Trotzdem sei noch viel zu tun. Darauf verwies der Stellvertreter des Landrats, Rolf Keil. Der Phosphat-Eintrag aus der Landwirtschaft muss vermindert werden. "Es war ein sehr langer Kampf", resümierte Keil. Seit Anfang der 90er Jahre existiere der Plan, die Schadstoffeinträge zu verringern. Renate Wöllner