Taffe Mädels und mutige Jungs gesucht

In der Turnhalle der Plauener Hufelandschule fliegen zwei Mal wöchentlich die Fäuste, wenn Training bei den Sportlern des Boxteams Plauen angesagt ist. Die Nachwuchsgewinnung ist aber alles andere als einfach.

Plauen - Der Schweiß fließt bei den Trainingseinheiten des Boxteams Plauen. In den 90 Minuten wird das volle Programm durchgezogen: Erwärmung, Boxschule, Partnerübungen, Sparring. In etwa jedem zweiten Training kommt der Sandsack zum Einsatz. Das Sagen hat Jens Riedel. Der 37-jährige Oelsnitzer leitet die wöchentlichen Trainingseinheiten gemeinsam mit Box-Urgestein Erich Rausch.
Zu den größten Plauener Talenten zählt der 14-Jährige Erges Sinani. " Er ist willensstark und ehrgeizig. Ein echter Kämpfer, der austeilen, aber auch einstecken kann", so Trainer Riedel. Letzteres gehört nun einmal zum Boxen dazu. "Angst sollte man keine haben", sagt der Oelsnitzer, der im Jahre 2010 zu den Gründungsmitgliedern des Boxteams Plauen zählt. Das heißt: Im kommenden Jahr feiert der Verein Jubiläum. Was wünscht sich Riedel zum "zehnten Geburtstag" ? "Dass sich noch mehr Interessenten - vor allem Kinder - für den Boxsport begeistern", kommt die Antwort prompt. 
Derzeit sind rund 30 Jungen und Mädchen sowie Erwachsene beim Boxteam Oelsnitz/Plauen aktiv - etwa zehn von ihnen nehmen an Wettkämpfen teil. "Schön wäre es, wenn es in absehbarer Zeit 50 wären und 30, die in den Ring steigen." In Plauen trainieren derzeit Sportler zwischen acht und 51 Jahren - unter anderem aus Deutschland, Afghanistan, Libyen oder Albanien. Aufgrund der unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen sei es nicht immer einfach, passende Duelle bei den Partnerübungen zusammenzustellen. Aber auch diese Aufgabe meistern Riedel und Rausch jedes mal auf's Neue. 
Leicht sei es nicht, den hiesigen Nachwuchs für den Boxsport zu begeistern, macht sich Jens Riedel keine Illusionen. Dafür gibt es so manchem Grund. Da wäre beispielsweise die "Altersfrage". "Mit drei, vier Jahren fangen die Kinder an, Fußball zu spielen, Boxen kann man erst ab acht. Da gehen viele schon verloren", erklärt Riedel. Ein weiteres Problem: "Es fehlen bekannte Vorbilder." In der Tat. Selbst die enthusiastischsten Sportfans könnten vermutlich keine Namen deutscher Amateurboxer nennen. Die jüngsten Querelen um den traditionsreichen Chemie-Pokal sagen vieles über den Zustand des Olympischen Boxen aus. Und auch die Profibox-Zeiten eines Henry Maske oder Axel Schulz sind nun einmal vorbei. "Einfach nur traurig", findet Riedel. Und schade. Denn: "Beim Boxen wird der ganze Körper trainiert, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen werden gestärkt und Respekt gelernt", sagt Riedel. Dinge, die auch und vor allem außerhalb des Boxrings gefragt sind. 
Mit Engagement, Motivation und Herzblut ist Riedel dabei - beim wöchentlichen Training und in der Ringecke bei den Wettkämpfen. Von dort kann er sich - wen es sein muss - lautstark bemerkbar machen, wenn er seine Sportler während des Kampfes mit Hinweisen versorgt. Bis Ende Mai ist Hochsaison, bis dahin ist Riedel an fast jedem Wochenende unterwegs. Am kommenden beispielsweise in Nordhausen. Das liegt nicht gerade um die Ecke. Die zum Teil beträchtliche Anreise ist allerdings notwendig, um passende Kontrahenten für die eigenen Schützlinge zu finden. Denn natürlich gilt auch beim Boxen: Training ist das eine, der Wettkampf das andere. 
Im Regelfall gilt beim Boxen die Devise: "Es kann nur einen geben" - sprich einen Gewinner. Da muss der Trainer im Falle einer Niederlage das eine oder anderem Mal auch als Psychologe tätig sein. "Wichtig ist es, tröstende und gleichzeitig motivierende Worte zu finden", so Jens Riedel. 
Kürzer wird die Anfahrt am 2./3. März sein, wenn in der heimischen Hufeland-Halle die Südwestsachsenmeisterschaften steigen, die der Verein seit mehreren Jahren ausrichtet. Dann werden für die Gastgeber neben Erges Sinani auch Khalil Klow und Tobias Kraus in den Ring steigen. Wettkampfmäßig geboxt wird in der Spitzenstadt auch beim AC Atlas und trainiert beim Post SV. "Ich würde gerne mehr gemeinsam machen", spricht sich Riedel für eine engere Kooperation aus. Schließlich gibt es auch Konkurrenz von artverwandten Sportarten. "Kickboxen boomt derzeit", so Riedel. 
Derzeit macht in Oelsnitz in der Nähe der Katharinenkirche eine große Tafel für einige Tage lang Werbung für das Boxteam Plauen/Oelsnitz. Angesprochen werden "taffe Mädels und mutige Jungs" ab acht Jahren, für die es in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht schon heißen kann "Ring frei". Jens Riedel und seine Trainerkollegen würde es freuen.  Mario Wild

 

Info: Trainiert wird montags bis mittwochs, 17.15 bis 18.45 Uhr, in der Turnhalle der Hufeland-Oberschule. Einfach mal vorkommen - und das mit Sportschuhen. Jungen und Mädchen ab acht Jahren sind herzlich willkommen.