Tänzer und Choreograph Thomas Hartmann ist tot

Ballettmeister und Choreograph Thomas Hartmann ist am Samstag mit 67 Jahren gestorben. Mitte Januar hatte er sich im Zwickauer Theatermalsaal in den Ruhestand verabschiedet. Dort würdigte ihn Intendant Roland May mit den Worten: "Du hast Theatergeschichte geschrieben."

Von Lutz Behrens

Plauen - Thomas Hartmann konnte auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken; er war als Solotänzer, Ballettdirektor und Tanzpädagoge an vielen großen Häusern im In- und Ausland tätig. 2009 wurde er als Ballettmeister am Theater Plauen-Zwickau verpflichtet. Seine Arbeit mit dem Ballettensemble und seine Zusammenarbeit mit Torsten Händler brachten den Theaterbesuchern in Plauen und Zwickau eine Vielzahl großartiger Ballettabende; zugleich wurde eine Companie geformt, deren Leistungsvermögen nicht hinter denen größerer Häuser zurücksteht.
Thomas Hartmann begleitete die Tänzerinnen und Tänzer durch den Alltag. Ständiges Bewegungstraining, Einstudierung neuer Rollen und Auffrischung des Repertoires, so kann man sich diesen Alltag vorstellen. 
Bekanntlich beginnt die berufliche Laufbahn eines Tänzers in früher Jugend; nicht anders bei Thomas Hartmann. Es ging anfänglich aber mehr um seine jüngere Schwester, der zur Verbesserung ihrer Körperhaltung die Teilnahme am Ballettunterricht empfohlen wurde. Ob es die eigene Lust am Tanz, das Drängen der Eltern oder das Mitgefühl für die kleine Schwester war, sei dahingestellt, jedenfalls wurde das Pionierhaus im thüringischen Saalfeld zur ersten Bühne für die beiden Kinder. Zweifellos verfügte der junge Thomas Hartmann über das notwendige Talent, das ihm die Aufnahme an die Palucca-Schule ermöglichte. Erstmals begannen damals Kinder ab zehn Jahren die Ausbildung an dieser Schule, von der Thomas Hartmann mit größter Hochachtung sprach. Außer Zweifel steht die hohe Professionalität der Ausbildung an der Palucca-Schule, und auch Thomas Hartmann profitierte - neben eigenem Fleiß und großer tänzerischer Begabung vom hohen Qualitätsniveau dieser Einrichtung.
Bereits mit 17 Jahren konnte er sein erstes Engagement an der Staatsoper Dresden - ab 1985 wieder Semperoper - antreten; diesem Haus blieb er viele Jahre verbunden. Eine erste Beziehung zu Plauen und seinem Theater hatte Thomas Hartmann anlässlich eines Gastspiels der Palucca-Schule in der Spielzeit 1968/69. Eine weitere Verbindung zu Plauen lässt sich auch aus der Bekanntschaft zur langjährigen und hochgeschätzten Ballettmeisterin Renate Tietze herstellen, mit der Thomas Hartmann gemeinsam während der Sommerkurse in Dresden bei Palucca tanzte.
Generalintendant Roland May zum Tod von Thomas Hartmann: "Wir sind sehr traurig über den viel zu frühen Tod des Meistertänzers, Ballettdirektors, Choreografen und Ballettmeisters Thomas Hartmann. Mit ihm ist einer der ganz Großen seiner Zunft von uns gegangen. Wir werden seine Inspiration, seine außerordentliche Erfahrung und seinen feinen Humor sehr vermissen." 
Ballettdirektorin Annett Göhre: "Vor allem hat mich seine Offenheit stets beeindruckt, dieses ehrliche Interesse an etwas, das jedem wirklichen Kunstschaffen zugrunde liegt. Er war ein herausragender Lehrer, Mentor und vor allem ein Freund. Er fehlt!"