Täglich verlassen 720 Abgassysteme das Werk

Plauen - Würden sie im Dialekt ihrer Arbeitskollegen im Stammwerk Altensteig südlich von Stuttgart "schwätzen" - sie würden mit unüberhörbarem Stolz in der Stimme sagen, dass sie bei "Boysen schaffe".

 

Die Rede ist von den Mitarbeitern des Unternehmens im Gewerbegebiet Oberlosa. Am Montag hatten die Mitglieder des Wirtschaftsförderungsausschusses Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von dem modernen Komplex auf der "grünen Wiese" zu machen.

 

Und bekamen quasi am Rande die Gemeinsamkeiten zwischen China und Plauen erklärt - sowohl im Reich der Mitte als auch im Vogtland wurden 2007 neue Betriebsteile von Boysen errichtet. Wer bei dem Hersteller moderner Abgassysteme von einem Auspuff-Produzenten spricht, erntet bestenfalls mitleidige Blicke. Denn besagter Auspuff, einst Synonym für die Verwaltung von Dreck und Gestank, ist nicht nur das unwichtigste, sondern auch letzte Teil, weshalb es als einziges auch sichtbar ist. Tatsächlich befinden sich die wirklich wichtigen Teile des Abgassystems im Motorraum oder im Unterboden das Autos und erfüllen drei Aufgaben: die Abgase ins Freie zu leiten, schädliche Bestandteile des Abgases zu beseitigen und das Mündungsgeräusch zu dämpfen. Solche Formulierungen könnten aus einer Unternehmensbroschüre für interessierte Laien stammen und das tun sie auch.

 

Das Unternehmen konkret zu erklären obliegt an diesem Tag dem Technischen Leiter Gerhard Kaspar und seinem kaufmännischem Pendant Marcus Schreiter. Der eine übernimmt die Einleitung im modernen Speiseraum, der andere die Führung durch die beeindruckenden Produktionshallen.

1921 wird die Firma von Friedrich Boysen in Leipzig gegründet - zunächst auf das Zweiradsegment ausgerichtet. Nach einer waschechten Pleite glückt dem Firmenpatriarch 1945 in Stuttgart ein Neustart, vier Jahre später siedelt das Unternehmen in das nahe gelegene Altensteig um. Von da an geht es eigentlich nur noch bergauf - als Meilenstein bezeichnet Schreiter die Inbetriebnahme des Werkes in Salching. Mittlerweile verfügt Boysen auch über Standorte in China, Indien, den USA.

Der Erfolg - auch der in Plauen - hat übrigens einen relativ komplizierten Namen: "Just in frequence". Sehr frei übersetzt: Kaum bestellt, schon geliefert. Diese beispielsweise auf die Bedürfnisse von BMW exakt zugeschnittene Lagerung und Auslieferung kompletter Abgassysteme wurde von Boysen weltweit erstmals angewandt.

Derzeit verlassen im Zweischicht-System täglich 720 Abgasanlagen für die verschiedensten BMW-Modelle Richtung Leipzig die Hallen auf der Oberlosaer Höhe. Unter anderen für das neueste Modell der Münchner Autoschmiede, den BMW X1. Acht verschiedene Abgassysteme verlassen für das Audi-Werk im ungarischen Györ die Produktionsräume. Beeindruckend das Hochregalsystem, in dem Paletten und Container wie in einem Labyrinth verschwinden, um genau dort wieder aufzutauchen wo sie benötigt werden. Sieben Millionen Euro wurden in die 20 Meter hohen Türme investiert, die auch den Vorbeifahrenden auf der Autobahn ins Auge fallen. 5000 Kundenaufträge finden hier auf 1410 Quadratmetern Platz. Insgesamt beträgt die Produktionsfläche 9600 Quadratmeter, vergleichsweise bescheiden fällt die Bürofläche mit knapp 1000 Quadratmetern aus. Auf die flache und weltweit gleiche

Zu den Herzstücken in technischer Hinsicht zählen vier CNC-Rohrbiegemaschinene und die hydraulische 2-Säulenpresse. Dass die Zeichen auch in schwierigen Zeiten auf Wachstum stehen, zeigt sich bei einem Rundgang. Die Hallen weisen noch genügend Platzkapazität für weitere Anlagen auf und Kaspar bestätigt denn auch, dass größere Investitionen für das kommende Jahr bereits auf den Weg gebracht wurden. Inklusive der Leiharbeiter "schaffe" derzeit 114 Mitarbeiter bei Boysen in Oberlosa. tp