Syrauer verprügelt Kameraden bei der Bundeswehr

Brutaler Soldat: Die jetzt am Plauener Amtsgericht verhandelte Tat ereignete sich vor fast genau einem Jahr in einer Bundeswehrkaserne im thüringischen Bad Frankenhausen.

An einem Abend im Oktober 2008 suchte der damals 19-jährige Gebirgsjäger Martin (Namen aller Betroffenen geändert), der im zivilen Leben in Syrau wohnt, seinen Kameraden Fabian (21) auf dessen Stube auf.

Dann schloss er die Tür, schaltete das Licht aus, zog die Vorhänge zu und erklärte gegenüber dem allein im Zimmer befindlichen jungen Mann aus Freital bei Dresden: Anschließend soll er den Geschädigten zu Fall gebracht, dessen Arm auf schmerzhafte Weise verdreht, sich auf ihn gesetzt und gedroht haben: "Je toller du dich wehrst, um so toller bekommst du es zurück!"   Schlagen ohne Grund   Wegen vorsätzlicher Körperverletzung musste sich der heute bei einem in Plauen ansässigen Sicherheitsdienst beschäftigte Vogtländer jetzt vor Gericht verantworten. Gegen einen ursprünglich ergangenen Strafbefehl, der die Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu elf Euro, also in Summe 666 Euro vorsah, hatte er Einspruch eingelegt.

Im Prinzip räumte Martin die Tatvorwürfe ein. Allerdings versuchte er, ihnen die Schärfe zu nehmen. So lautete sein erstes, etwas missverständliches Statement: "Es war nicht so gemeint, wie es die Staatsanwältin vorgetragen hat." Ob der Geschädigte sich gewehrt habe, wollte Jugendrichterin Andrea Hörr wissen. "Es kam nicht so rüber", erklärte der Beschuldigte ausweichend.

Der als Zeuge geladene Fabian berichtete, dass es am Morgen des Tattages eine kleine Auseinandersetzung mit verbalen Sticheleien gegeben hatte. Überhaupt sei es unter den Wehrpflichtigen hin und wieder zu Rangeleien gekommen. "Da wusste aber jeder der Beteiligten, wie weit er gehen konnte. Das, was an jenem Abend passiert ist, das hatte für mich das normale Maß weit überschritten", begründete Fabian, warum er den Vorfall seinerzeit bei seinem Vorgesetzten zur Anzeige brachte.

Und er schilderte weitere Details: "Er hat mir mehrmals übers Haar gesteichelt und dabei ins Ohr geflüstert: Mein kleines Mädchen! Danach hat er mir mit dem dicken Gesetzbuch der Bundeswehr vier oder fünf Mal in den Genitalbereich geschlagen. Während der ganze Sache habe ich nicht gelacht, sondern geweint."

Martin musste wegen des Vorfalls noch während seiner Dienstzeit einen elftägigen Dauerarrest verbüßen. Beim Geschädigten hatte sich der Angeklagte bereits vor geraumer Zeit entschuldigt.  Im Gerichtssaal brachte er nochmals sein Bedauern zum Ausdruck. Bei der Richterin hatte er trotzdem keine guten Karten. Dies vor allem auch deshalb, weil er die Tat als "für die Grundausbildung schon normal" bezeichnete.   "Ich bin schockiert"   "Ich finde das absolut nicht normal. Ich bin schockiert", hielt die Vorsitzende dagegen und wies jeden Gedanken an eine Einstellung des Verfahrens ebenso wie Staatsanwältin Monika Opalla zurück. Eine solche hatte zuvor sowohl Martins Verteidiger, der Plauener Rechtsanwalt Kay Werner, als auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe ins Gespräch gebracht. Sie führten dafür die bereits erfolgte disziplinarische Ahndung durch die Bundeswehr ins Feld und wiesen außerdem auf die zum Teil recht rauen Sitten hin, die viele Männer in Deutschland aus eigener Wehrdiensterfahrung kennen.

Martin wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je zehn Euro, also unterm Strich 800 Euro, verurteilt. Schwerer als der finanzielle Aspekt dieser Entscheidung dürften ihn die möglichen Konsequenzen dieser Vorstrafe für seine geplante berufliche Laufbahn bei der Polizei schmerzen. Als Verurteilter hat er zudem die Kosten des Verfahrens zu tragen. Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig.  S.Gerbeth