Sushi für den Weltfrieden

Die wichtigste Botschaft vorweg: Auch wenn Sie nicht zu den fast zwei Millionen Gästen des "Waffenschmieds" in Suhl gehörten, der Kinostreifen "Sushi in Suhl" über die wohl außergewöhnlichste kulinarische Geschichte der DDR ist mindestens so empfehlenswert wie das einstige Japanrestaurant im tiefen Thüringer Wald selbst.

Regisseur Carsten Fiebeler und Schauspieler Michael Kind stellten den Film am Freitagabend dem Plauener Kinopublikum vor und das war bereits vor Beginn begeistert, auch wenn die rund 140 Besucher zunächst auf die beiden Protagonisten warten mussten. Aber das war ja schon damals nichts Besonderes. Ein Stau auf der Autobahn 9 und die Verkehrslage in Plauen verzögerten die Ankunft im Capitol Kino. "Das eine Navi sagte links, das andere rechts rum", so Fiebeler zum Nadelöhr Pausaer Straße. Trotz Premierenstress und Kinds angestautem Blasendruck von der Fahrt scherzten die zwei locker mit dem Publikum. "Wir fahren nur in der Gegend rum. Ich wurde bereits drei Mal geblitzt", sagte der Regisseur.

Darauf Michael Kind, der im Film fast schon sympathisch den Kreisdirektor der HO spielt: "Deswegen bin ich heute mal gefahren". Nach der Stippvisite im Capitol ging es sofort weiter nach Zwickau. In den Kinoreihen hatten an diesem Abend natürlich auch einige Vogtländer Platz genommen, die in der DDR selbst einmal die Japanabteilung des "Waffenschmieds" besuchen durften. Schon nicht mehr daran geglaubt hatte damals Brigitte Neubert. Die 71-Jährige war mehr als überrascht, als sie nach gut zwei Jahren Wartezeit die Einladung nach Suhl in den Händen hielt. "Ich habe es in guter Erinnerung. Wir waren alle begeistert. Das war für uns mal was anderes", sagt die Weischlitzerin. Auch wenn der Besuch mit den Arbeitskollegen aus der Wema im Frühjahr 1980 schon Jahrzehnte her ist, kann sie sich noch an viele Details erinnern. "Das schönste war, als wir baden gegangen sind und der Reiswein rumgereicht wurde." Das kollektive Nacktbaden (Furu-Bad) vor dem Essen gehörte wie in Japan zum Ritual.

Sogar ihre Stäbchen hat Brigitte Neubert als Erinnerung mit nach Hause genommen. Sushi und asiatisches Essbesteck hatte sie zuvor noch nie probiert. "Das war furchtbar schwierig", sagt die 71-Jährige, die sich zusammen mit ihrer ehemaligen Klassenkameradin Christin Ebert den Film im Capitol angeschaut hat. Die Jößnitzerin wollte damals ebenfalls in den "Waffenschmied", weil auch in Plauen jeder von Kleinjapan in Suhl gesprochen hatte. Geklappt hat es aber nie. "Wer dort war, hat geschwärmt. Japan war eine andere Welt für uns."

"Sushi in Suhl" nimmt den Zuschauer noch einmal mit in den DDR-Alltag der Mangelwirtschaft. So authentisch, dass immer wieder von den Kinositzen neben lauten Lachern zu hören ist: "Ja genau so war es." Ob es der Küchenquirl war, mit dem die Haare der Geisha erfinderisch hochgesteckt wurden oder die typischen Eierbecher, Schnapsgläser und Kittelschürzen - immer wieder erinnern die kleinen Feinheiten des Films ans Land der begrenzten Möglichkeiten.

Die ostdeutsche Produktion mit Uwe Steimle (Rolf Anschütz) in der Hauptrolle erzählt in 107 Minuten witzig, bunt, unterhaltsam, aber auch melancholisch die zwei Seiten des Erfolgs eines Visionärs, der für den Weltfrieden kocht. Mit "Sushi in Suhl" läuft ein Film in den Kinos, der auch die Älteren mal wieder ins Kino locken dürfte. Der Film sei sehr realitätsnah, so Brigitte Neubert nach der Vorstellung: "Es hat sich alles so abgespielt."