Stühlerücken im Vogtlandtheater Plauen

Plauen - Wenn es irgendwo ans Stühlerücken geht, dann versteht der Volksmund darunter, dass kräftig Personal ausgetauscht, die Mitarbeiter günstigenfalls innerhalb des Unternehmens einen anderen Aufgabenbereich bekommen.

 

Diese Phase hat das Theater Plauen-Zwickau quasi schon hinter sich, momentan also darf man das Stühlerücken wörtlich nehmen. Auch nur gelegentlichen Theatergängern dürfte es nicht verborgen geblieben sein, dass die Stühle des Vogtlandtheaters zwar noch ein gewisses ehrwürdiges Flair verströmten, ihre besten Jahre aber lange hinter sich hatten. Also musste man sich auch in Zeiten schmaler Kassen dafür entscheiden, ein neues Gestühl einbauen zu lassen.

Zieht man die Spielplanpause ab, müssen die Theaterfreunde gar nicht mehr so lange auf das neue Sitzgefühl warten. Die Chefin der Presseabteilung des Hauses, Carolin Eschenbrenner, geht davon aus, dass die Umbauarbeiten voraussichtlich bis zum 1. Oktober abgeschlossen sein werden.

Ausverkauf lief einfach super Und selbst während der Arbeiten im Parkett wird es Aufführungen geben - wie gewohnt auf der Bühne mit dem Unterschied, dass hier "oben" auch das Publikum Platz nimmt. Immerhin wird das Provisorium von den Theaterleuten so ernst genommen, dass man ihm sogar einen Namen verlieh - "Theater hinterm Vorhang". Die erste Schauspielpremiere in der kommenden Spielzeit, "Schneemond" von Christian Martin in der Regie von Roland May wird zum Beispiel dort gespielt werden. Und auch auf der Kleinen Bühne geht der "Kulturbetrieb" wie gewohnt weiter.

Was man vom eigenen Haushalt kennt, gilt nicht minder für die Bestuhlung eines Theaters - wohin mit dem "ausgedienten" Inventar? Während dem Privatmann oft nur der Weg zur Deponie bleibt, haben ehrwürdige Theaterstühle natürlich ganz andere Chancen. Sie wurden sämtlichst verkauft, "Die Resonanz war umwerfend", zieht die Presse-Chefin ein positives Resümee. "Innerhalb kürzester Zeit waren sie reserviert worden und zu den veröffentlichten Abholzeitpunkten zwischen dem 1. und 3. Juni sind alle abgeholt worden."

Und auch hinsichtlich der noch laufenden "Aktion Stuhlpatenschaft" zeichnet sich ein Erfolg ab. Im rührigen Theaterförderverein war die Idee geboren wurden, es ließen sich Theaterfreunde animieren, einen Stuhl - natürlich auch mehrere - käuflich zu erwerben. Zur Zeit, so Carolin Eschenbrenner, gibt es Stuhlpaten für etwa 150 Stühle. "Eine Patenschaft kann man ab 100 Euro übernehmen. Die Aktion wird auch nach dem Einbau fortgeführt werden, solange, bis dann irgendwann einmal alle Stühle einen Paten gefunden haben", rührt sie noch mal kräftig die Werbetrommel für den guten Zweck.

Die alten dienten 30 Jahre Zu den bisherigen Stuhlpaten gehören beispielsweise Bürgermeister Uwe Täschner, der für sich und seine Frau einen Stuhl erworben hat, weiterhin Eberhard Eisel und Prof. Klaus Waldmann vom Theaterförderverein wie auch viele andere Mitglieder des Fördervereins. Die Fraktionen der CDU und der Linken haben Patenschaften übernommen.

Ebenso haben sich beispielsweise die Friedensschule und die Evangelische Montessorischule jeweils einen Stuhl "gesichert". Aber auch Firmen und Unternehmen haben "zugeschlagen" wie das Restaurant manana, der Kletterwald Pöhl, das O?Connors Pub. Alle Stuhlpaten sind übrigens auf der Homepage des Theaters vermerkt. Auch der Theaterförderverein selbst ließ sich nicht lumpen. In seinem Rechenschaftsbericht konnte Vereinsvorsitzender Dr. Lutz Behrens darauf verweisen, die Aktion mit 40 000 Euro unterstützt zu haben - der zweitgrößte Betrag, den das Theater je vom Förderverein entgegen nehmen konnte.

Auch die anteilig mit 4500 Euro finanzierten neuen Stühle für das Philharmonische Orchester, der Kauf eines neuen Klaviers im Wert von 8500 Euro oder der Zuschuss von 4000 Euro für die Realisierung von "Evita" entstammen aus der Kasse des Theaterfördervereins.

Das bisherige Gestühl "diente" den Theaterbesuchern übrigens länger als gemeinhin veranschlagt als Sitzgelegenheit. In der Regel sollte eine Bestuhlung - abhängig von der Beschaffenheit des Stoffes - etwa 20 Jahre halten, die nun in den Ruhestand geschickte brachte es auf 30 Jahre.  Welche honorigen, mit Verlaub gesagt, Hintern im Laufe der Jahre die Stühle drückten, lässt sich freilich kaum noch rekapitulieren. Erinnerlich ist allerdings, dass auch Sachsens Landesvater auf einem Stuhl des Theaters den Plauenern den Verlust ihrer Kreisfreiheit schmackhaft zu machen versuchte.

Honorige Hintern nicht gezählt Und wie viele Besucher haben schätzungsweise in all den Jahren auf den Stühlen gesessen? Carolin Eschenbrenner lacht. Leider habe sich niemand gefunden, der Zeit und Lust hatte, das auszurechnen. Dass beispielsweise der Genuss von Wagner-Opern ein gewisses Sitzfleisch erfordert, das wiederum von Stühlen positiv wie negativ beeinträchtigt werden kann, ist hinlänglich bekannt. Inwiefern ermöglichen die neuen Stühle also auch einfach ein angenehmeres Sitzen?

Das sei immer subjektiv, gibt sich Frau Eschenbrenner diplomatisch. Jedenfalls wurde eine Polsterung mit 45 Kilogramm pro Kubikmeter verwendet. Außerdem sind die Lager neu und der Sitz insgesamt sei leicht erhöht ausgeführt gegenüber den bisherigen. Mit Einzug des neuen Gestühls hat sich die Platzkapazität leicht verringert - von ehedem 467 auf dann 437. Weggefallen sind aus Sichtgründen einzelne Stühle außen im zweiten Rang sowie die nicht im alten Bestuhlungsplan aufgeführten Stühle erster Rang rechts und links dritte Reihe.

An der Sicht aufs Geschehen, auf der Bühne, versichert die Presse-Chefin, ändere sich aber nichts, da die Reihen vor allem im ersten und im zweiten Rang wegen der bleibenden Podestaufbauten und Treppenabgänge gezwungenermaßen beibehalten werden. Also dann, Vorhang auf, für die neuen Stühle. tp