Studenten zieht's in Campus

Auf dem Schlossberg zieht nun nach langer Zeit des Wartens neues Leben ein. Der Campus der Studienakademie geht in Betrieb. Derzeit werden an der Melanchthonstraße die Umzugskartons gepackt. Am Montag geht für die Studenten und Lehrkräfte der Unterricht in den Seminarräumen im früheren Amtsgerichtsgebäude weiter.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Was lange währt, wird hoffentlich gut. Länger als geplant musste die Studienakademie Plauen auf den Umzug in ihren neuen Campus warten. Ursprünglich sollte auf dem Gelände des einstigen Schlosses bereits im Vorjahr alles fix und fertig sein. Aber die Baumaßnahmen gestalteten sich schwieriger als erwartet. Bezugsfertig ist das ehemalige Amtsgericht, das zum Seminargebäude umgebaut wurde. Der Freistaat als Bauherr gibt 25 Millionen Euro für die Studienakademie aus, ursprünglich waren 20 Millionen geplant.

Weiter genutzt

"Wir stecken mitten im Umzug", sagte Prof. Dr. Lutz Neumann, Direktor der Studienakademie: "Die Kisten werden gepackt, damit die Umzugsfirma am Samstag alles ins neue Objekt bringen kann. Auch das Rechenzentrum wird nach Unterrichtsende ab- und im neuen Seminargebäude wieder aufgebaut. Schließlich soll am Montag der Unterricht reibungslos weitergehen." Allerdings wird auch das Haus Melanchthonstraße, für das die Stadt Plauen und damit für eine Einrichtung des Freistaates die Miete zahlt, weiter genutzt. "Zum einen fehlt ja noch der Multifunktionsbau auf dem Schlossberg, zum anderen sind wir schon jetzt vor dem Umzug ins neue Haus am Limit. Die Studienakademie bietet Platz für 400 Studenten, derzeit haben wir bereits 340, nachdem im letzten Jahr 140 neu immatrikuliert wurden. Wenn die Zahl so bleibt, erreichen wir spätestens im Studienjahr 2020/2021 die 400", erklärt der Direktor. Fünf Studiengänge, unter anderem die Fachrichtungen Gesundheits- und Sozialmanagement sowie Handel und Lebensmittelsicherheit werden ausgebildet. Es gibt sechs Seminargruppen pro Matrikel. In den letzten drei Jahren kamen drei neue Studienangebote hinzu: der Physical Assistent, Metall- und Stahlbau im Studiengang Technisches Management und die Systemgastronomie im Studiengang Handel/Internationales Management. "Seit Januar bieten wir eine Fortbildung zum Lebensmittelkontrolleur. Eine weitere Fortbildung ist in Planung", sagt Prof. Neumann. Zwölf Lehrkräfte seien fest angestellt und unterrichten die 18 Seminargruppen in den fünf Studiengängen, wobei es im Gesundheits- und Sozialmanagement schon immer zwei Seminargruppen gibt. Drei Jahre dauert das jeweilige Bachelorstudium. 

Größer, aber fast zu klein

Im ehemaligen Amtsgericht, wo bis 2007 auch die Justizvollzugsanstalt untergebracht war, befinden sich nun die Seminar-, Labor- und Verwaltungsräume. Mit dem Umzug sind alle Zimmer belegt. "Der Umzug und damit die Erweiterung unserer räumlichen Möglichkeiten ist dringend notwendig. Wir platzen an der Melanchthonstraße schon lang aus allen Nähten", beschreibt der Direktor. "Allerdings werden wir die Zahlen, die für das neue Objekt vorgesehen sind, schon jetzt erreichen, bevor der neue Campus überhaupt fertig gestellt ist." Und dennoch ist der Direktor glücklich über die Verbesserung von Lehre und Planung: "Alles ist nun in einem Haus. Die Fläche wird sich vervierfachen und die Labore sind größer und besser ausgestattet. Damit können wir sie auch gemeinsam mit unseren Praxispartnern für neue Projekte nutzen", freut sich Prof Neumann. 600 Praxispartner hat die Studienakademie für die duale Ausbildung an ihrer Seite.
Unter Einbeziehung der Schlossruine sollte das Multifunktionsgebäude errichtet werden, in dem den 400 Studenten eine Bibliothek und ein Mehrzweckraum zur Verfügung stünde. Doch der Bau wird noch weit länger auf sich warten lassen. "Wir rechnen frühestens 2023 mit der Nutzung des Gebäudes", sagt Prof Neumann. 
Dabei hatte das Projekt bereits auf der Kippe gestanden: Die mittelalterlichen Mauern der Schlossruine waren poröser als angenommen und somit nicht stabil genug, um den Neubau zu tragen. Ursprünglich sollte auf den alten Steinen das Gebäude aufgebaut werden. Als das nicht wie geplant funktionierte, war guter Rat teuer.  Die Sanierung der Mauer nahm mehr Zeit und vor allem auch mehr Geld in Anspruch als geplant. Die Arbeiten waren deshalb zeitweise eingestellt. Bis grünes Licht aus Dresden kam, um das Projekt weiterzuführen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat bei einem Besuch in Plauen bekräftigt, dass vom Freistaat eine rettende Geldspritze für die Schlossruine auf dem künftigen Plauener Campus fließen wird. "Wir werden die Mehrkosten stemmen und keine Zeit vergeuden", hatte Kretschmer versprochen.

Ruine bleibt als Fassade 

Außerdem hat der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) ein Konzept erarbeitet, wie sich die statischen Probleme der Mauer lösen lassen.Nach Aussage von Diana Weber von der Zwickauer Niederlassung des SIB werde es optisch keinen Unterschied geben. Ursprünglich seien sechs Millionen Euro für das Gebäude veranschlagt worden. Doch es wird dem Freistaat einen Brocken mehr kosten. 
Die neuen Planungen sehen vor, dass die Ruine ohne tragende Wirkung als Fassade für das neue Gebäude dient. Der Torbogen wird weiterhin Eingang sein. Der Neubau wird praktisch wie ein Vierseithof dahinter gebaut und bekommt damit einen schönen Innenhof. In dem geplanten Audimax im 2. Obergeschoss haben 200 Leute Platz. 
Wenn am Montag die Studienakademie auf der Krone der Stadt ihre Lehrtätigkeit beginnt, dann ist es nicht nur ein schönes Zeichen an die Plauener, dass es was mit dem Campus wurde. Erstmals nach 20 Jahren bekommt die staatliche Bildungseinrichtung ihr Gebäude. Normalerweise funktioniert es anders herum. Doch als die Staatliche Studienakademie Plauen 1999 gegründet wurde, hatte sie mit ihrem Unterricht in der ehemaligen Seume-Schule in der Rückertstraße begonnen. 2006 zog sie in den städtischen Klaußner-Bau in der Melanchthonstraße um. Die Stadt Plauen, die stets um den Erhalt der Studienakademie kämpfte, stellt das Gebäude kostenlos zur Verfügung. Nun zieht die Studienakademie, die zu den sieben Standorten der Berufsakademie Sachsen gehört, erstmals in ein staatlich finanziertes Haus. "Es wäre schön, wenn das Land Sachsen dabei die Gelegenheit nutzt, weiter in die Zukunft der Studienakademie zu blicken", wünscht sich Prof. Neumann. Laut Stadt sei der Neustadtplatz schon für einen weiteren Bau reserviert ....