"Stubenrauch-Querung" über Plauener Bahnhofstraße nutzen nicht nur Anlieger

Ein heimlicher Schleichweg durch die Plauener Innenstadt führt direkt über die Fußgängerzone der Bahnhofstraße. Nicht nur der SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch wurde bereits dabei beobachtet, wie er die Abkürzung nutzt.

Plauen - Die halbe Stadt diskutiert derzeit über eine Verkehrsfreigabe der Bahnhofstraße. Was viele jedoch nicht wissen, es gibt sie in einem Bereich längst. Inoffziell. Der Plauener Andreas Ernstberger machte darauf in der Bürgerfragestunde im letzten Stadtrat aufmerksam. Er gab der Abkürzung zwischen der Rädelstraße und Reichsstraße, vorbei am Hotel Alexandra, den unterhaltsamen Namen "Stubenrauch-Querung". Nicht ohne Grund: Der Musiker habe den SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch bereits mehrfach dabei gesehen, wie er über die Bahnhofstraße abkürzt. Der Plauener Unternehmer hat seine Geschäftsräume direkt an der Einkaufsstraße. Stubenrauch verspricht nun aber auf Anfrage des Vogtland-Anzeigers Besserung. Da er auch geschäftlich mit dem Hotel zu tun habe, fahre er gelegentlich dort lang. "Aber natürlich kürze ich auch mal ab", sagt Stubenrauch ehrlich.

Doch der SPD-Politiker ist nicht der einzige, der heimlich abkürzt und über die Bahnhofstraße von einem Stadtteil in den anderen fährt. Hotel-Geschäftsführerin Alexandra Glied bekommt es täglich vor ihrer Tür mit. Zwar ist es ein Privatgrundstück, doch das stört viele Plauener nicht. Fast rund um die Uhr herrsche reger Durchgangsverkehr, so Glied. Besonders wenn die Geschäfte zwischen 18 und 10 Uhr auf der Bahnhofstraße geschlossen haben. Auch Stadtrat Stubenrauch habe sie schon gesehen. "Er ist bei weitem nicht der einzige. Hier ist immer viel los." Ortsansässige, Inhaber von Geschäften, viele Plauener generell und auch städtische Fahrzeuge würden den inoffiziellen Schleichweg durch die Innenstadt nutzen. In den Abendstunden sei es besonders auffällig. Im Grunde habe Alexandra Glied kein Problem damit, dass Autofahrer ihr Grundstück nutzen, um schneller von A nach B zu kommen. Was sie aber stört sind einige "Experten". Und damit meint die Plauenerin die Pizzadienste. "Die fahren durch wie die Raketen."

Gerade jetzt, wo viele Ecken in Plauen durch die Baustellen schlecht erreichbar sind, könne sie die Autofahrer verstehen. Etwas an der Situation ändern, durch Aufstellen einer Schranke zum Beispiel, wolle dies deshalb nicht. Die Hotelchefin hat sich auch bei der Debatte um die Verkehrsfreigabe der Bahnhofstraße klar für eine Öffnung ausgesprochen. "Das mittlere Stück der Bahnhofstraße ist doch tot", sagt Glied. Es müsse für mehr Frequenz gesorgt werden. Ihr Vorschlag ist eine einseitige Befahrung zwischen Stresemannstraße und Jößnitzer Straße. Hindernisse auf der Straße könnten die Autofahrer zum langsam fahren zwingen, schlägt sie vor.

Stammgast im Hotel Alexandra ist der ehemalige Plauener Axel von Olshausen. Mehrmals im Jahr besucht er seine Heimatstadt. Am liebsten sitzt er dann bei schönem Wetter auf der Terrasse des Hotels. Die Abkürzung direkt an der Terrasse vorbei störe ihn nicht unbedingt, auch wenn er sich schon manchmal wundert, sagt der 75-Jährige. Schlimmer sei es, das Taxifahrer die Bahnhofstraße nicht befahren können. Eine komplette Freigabe der Bahnhofstraße fände er nicht gut.