Streitschlichter haben jetzt in Bad Elster das Wort

Wie man Streit schlichtet, das haben die Mittelschüler in Bad Elster gelernt. Ausgebildete Streitschlichter konnten an der Schule bereits so manches Problem aus dem Weg räumen, Kompromisse suchen und finden. Jetzt gilt es, in Sachen "Schul-Streit" zu vermitteln, damit die Mittelschule Bad Elster nicht zum Auslaufmodell wird.

Landtagsabgeordnete Andrea Roth traf sich gestern im Beisein von Bürgermeister Christoph Flämig mit Kreis- und Stadträten, Vertretern der Schule und mit dem Vorsitzenden des Kreiselternrates, Lutz Mothes. Gesprächsinhalt war die Bildung einer fünften Klasse im Schuljahr 2009/2010, wie das dem Wunsch von 23 Eltern und Schülern entspricht. Sowohl Bad Elster, als auch Adorf haben in diesem Jahr genügend Schüler, um in beiden Orten je eine fünfte Klasse zu bilden. Nötig wäre allein eine Ausnahmeregelung zur Einzügigkeit.

"Wir fordern nun, diese Ausnahmeregelung zu prüfen", erklärt Andrea Roth nach dem gestrigen Treffen. Zudem drängt die Linksfraktion im Kreistag darauf, unverzüglich eine Sondersitzung des Ausschusses Bildung, Kultur und Sport einzuberufen. "Möglichst noch in dieser Woche", so Roth. Die Verantwortung zur Schulnetzplanung liege nun mal beim Vogtlandkreis. Dort wurde auch das Auslaufen der Mittelschule Bad Elster festgelegt. Bürgermeister Christoph Flämig begrüßt diese Initiative ausdrücklich. "Hier geht es allein um das Wohl unserer Kinder", macht Flämig im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Bürokratie, verwaltungstechnische Probleme oder politische Befindlichkeiten seien hier fehl am Platz. Fakten und gesunder Menschenverstand diktieren hierbei Entscheidungen, findet der Bürgermeister des Kurbades.

Bad Elster verfüge seit 13 Jahren über eine intakte Mittelschule, die bestmöglich ausgestattet sei. Nach zähem Ringen sei Adorf nun auf dem Weg, für 7,5 Millionen Euro ihre desolate Mittelschule in einen Top-Zustand zu versetzen. "Das können wir nur begrüßen", erklärt Flämig. Allerdings bedeute das auch, auf einer Baustelle zu lernen. Da sei es nicht verwunderlich, wenn immerhin 23 Eltern ihren Willen bekundet haben, die baustellenfreie Alternative in Bad Elster zu nutzen.

Das sei ein Argument, dem man sich schwer verschließen könne. "Warum sollen wir unser Kind auf eine Baustelle schicken, wenn doch beste Lernbedingungen vor der Haustür in einer intakten Mittelschule vorhanden sind", sei die Frage, die ihm Eltern stellen, so Flämig. Dieser Frage dürfe man nicht einfach vom Tisch wischen. Noch könne man das Ruder herumreißen. Der Weg über die Sondersitzung sei richtig.

Mit Landrat Dr. Tassilo Lenk habe er noch nicht persönlich über die Situation sprechen können. Doch habe der Landrat ganz klare Prämissen, die nicht konträr zur möglichen Ausnahmeregelung stehen. Eine Prämisse des Landrates sei, soviel Schulen wie möglich zu erhalten, die zweite, die Koalition der Vernunft walten zu lassen.

Ausdrücklich unterstützen sowohl Christoph Flämig als auch die Linksfraktion im Kreistag den Appell des Kreiselternratsvorsitzenden Lutz Mothes an die Bildungsagentur der Regionalstelle Zwickau auf Rücknahme der Widerspruchsgebühr von 35 Euro.  Das "Zwangsgeld" wurde all jenen Eltern aufgebürdet, die Widerspruch gegen die Nichtzulassung der 5. Klasse an der Mittelschule Bad Elster eingelegt haben.  Marlies Dähn