Streit im "Prince" mit Nachspiel vor Gericht

Eine sehr unerfreulich verlaufende Begegnung gab es in der Nacht zum 3. Oktober 2008 in der Plauener Discothek "Prince". Wegen gefährlicher Körperverletzung in Tatmehrheit mit einer weiteren einfachen Körperverletzung musste sich deshalb jetzt der Inhaber und Betreiber Frank N. vorm Amtsgericht verantworten.

 

Nach zwei Verhandlungstagen verurteilte Richter Michael Rüsing den 39-jährigen Spitzenstädter zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe. Frank N. und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Udo Freyer aus Greiz, kündigten noch im Gerichtssaal an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.

Recht emotional ging es gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstages zu. Erst gab es einen Disput darüber, dass sich die Mutter des Geschädigten Notizen zum Verlauf des Verfahrens machen wollte. Diese wiederum zeigte sich wenig begeistert vom Ansinnen der Presse, über das Verfahren zu berichten. Am Ende durften - wie hätte es in einer öffentlichen Verhandlung auch anders sein können - beide ungehindert schreiben. Nachdem dies geklärt war, ging es um den Sachverhalt an sich. Es sollte eigentlich für den Studenten Christoph H. (24), seine Schwester Judith (23) und ein paar Freunde eine ganz normale Disconacht werden.

  Harmlose Situation eskaliert   Warum dann eine scheinbar harmlose Situation gegen 3.30 Uhr am Morgen des Tages der Deutschen Einheit extrem eskalierte, diese Frage konnte im Verhandlungsverlauf nicht erschöpfend beantwortet werden. Fest stand, dass Christoph H. in einer Lounge im hinteren Teil der Discothek eine verbale Auseinandersetzung mit einem oder mehreren anderen Gästen hatte.

Nach eigenen Angaben wollte der junge Mann, der im Verlaufe des Abends sechs oder sieben halbe Liter Bier und einige Wodka Red Bull getrunken hatte, lediglich einen Streit schlichten. Am Ende wurde er von Frank H. unter Einsatz körperlicher Gewalt aus dem "Prince" verbracht. Was dazwischen geschah, darüber gingen die Schilderungen der Beteiligten weit auseinander. Christoph H. selbst konnte sich nicht mehr recht entsinnen, was eigentlich geschehen war: "Ich kann mich nicht mehr erinnern, was da passiert ist. Meine Schwester hat mir dann hinterher erzählt, dass der Herr N. mich geschlagen und auch gewürgt hat."

Zu seinen Verletzungen gab der Geschädigte zu Protokoll: "Ich erlitt unter dem Auge einen Riss, der auch geblutet hat. Das war aber dann auch alles. Und ich hatte drei Tage lang Halsschmerzen." Seine Schwester schilderte im Zeugenstand, der Angeklagte sei ohne ersichtlichen Grund plötzlich auf Christoph losgegangen: "Er hat ihn gegen ganz viele Leute geschubst. Mindestens einmal hat er dann auf seinen Kopf geschlagen. Und dann hat er ihn immer wieder gewürgt." An dieser Stelle musste die junge Frau mit den Tränen kämpfen. Sie hatte vor fast genau zehn Jahren bei einem tragischen Verkehrsunfall den Vater und einen jüngeren Bruder verloren. Als sie Christoph beistehen wollte, sei auch sie vom Beschuldigten geschlagen und gewürgt worden.

  In Schwitzkasten genommen?   Frank N. bestätigte Teile der Vorgeschichte, wies jedoch die Vorwürfe der Anklage zurück. Er sei zunächst davon ausgegangen, dass Christoph und Judith angegriffen worden waren. Deshalb habe er sich schützend vor sie stellen wollen. Dann sei jedoch Christoph immer wieder auf den noch im gleichen Raum anwesenden vermeintlichen Widersacher losgegangen und habe sich auch mit größter Mühe nicht beruhigen lassen. Daraufhin, so N. weiter, habe er den Geschädigten lediglich in den Schwitzkasten genommen und zur Tür gebracht. Zwischendurch habe er massive Angriffe von Judith abwehren müssen: "Sie hat mich von hinten angesprungen und mit einem Plastebecher auf mich eingeschlagen."

Der Staatsanwalt zeigte sich trotzdem von der Schuld des Angeklagten überzeugt und beantragte eine Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je 70 Euro, also in Summe 5950 Euro. Verteidiger Freyer plädierte auf Freispruch und Frank N. sagte in seinem letzten Wort: "Ich hatte keinen Grund, wahllos auf Gäste einzuschlagen. Das wäre doch wirtschaftlicher Selbstmord!" Der Vorsitzende verhängte die bereits erwähnte Bewährungsstrafe, verbunden mit der Auflage, einen Geldbetrag von 3000 Euro an die Opferhilfe zu zahlen. S. Gerbeth