Streetlines lassen Passanten staunen

Industrie.Stadt.Bild - unter diesem Titel ist seit gestern eine Schaufensterausstellung zu sehen, die die Passanten im Wortsinne laufend betrachten können.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Ihr erstes Erfolgserlebnis hatten die Initiatoren bereis einen Tag vorher beim Anbringen der großformatigen Fotos an den Schaufenstern der Stadt-Galerie und des Geschäftes Hunkemöller am Postplatz 2. Immer wieder seien Passanten stehen geblieben und sich quasi schon vorab über die Ausstellung informiert. Manche glaubten sogar, es handele sich um Werbung für demnächst hier einziehende Händler, freute sich die Geschäftsführerin des Dachverbandes Stadtmarketing, Katja Eberhardt, über das Vorab-Interesse. In der Tat lässt sich als besonders und beeindruckend bezeichnen, was bis irgendwann im September - auf einen genauen Termin will man sich da nicht festlegen - an besagten Fensterfronten zu sehen ist. In Kooperation mit fünf Städten des Kulturraums Vogtland-Zwickau wird westsächsische Industriekultur in völlig neuen Perspektiven gezeigt. Fotograf Jörg Dietrich, der seine künstlerischen Spuren schon in zahlreichen europäischen Städten hinterließ, fertigte die Panoramabilder. Doch anders als bei "normalen" Bildern dieser Art, die der Betrachter leicht gerundet wahrnimmt, fotografiert der gebürtige Werdauer die jeweiligen Gebäude "Punkt für Punkt" und erstellt daraus langgezogene Panoramen, sogenannte Streetlines.
Anlass der Schaufensterausstellung ist das Jahr der Industriekultur, mit dem der Freistaat seine industriell geprägte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft buchstäblich ins rechte Licht rücken möchte. Bewusst wurden Beispiele ausgewählt, die bereits erfolgreich umgenutzt wurden, sich auf dem Weg dahin befinden, aber auch solche, die für die Stadtplaner noch eine Herausforderung darstellen.
Unter den 16 in Plauen zu sehenden Panoramen ist das Vogtland mit der Höheren Textilfachschule Reichenbach, der Wernesgrüner Brauerei, dem Weisbachschen Haus und dem Vogtländischen Kabelwerk vertreten. Alle vier Gebäude sind auch in einem Taschenkalender abgebildet, der als Giveaway erhältlich ist. Andere Motive zeigen die Zwickauer Markthalle - 1843 einst als Königliches Hospital errichtet und nach der Sanierung um die Jahrtausendwende nun als Markthalle genutzt.
Eigentlich, so Judith Eittinger, die als Koordinatorin Industriekultur fungiert, sei eine Wanderausstellung geplant gewesen, die in Plauen im Quartier 30 Station machen sollte. Dann aber kam Corona und man habe sich für eben diese Schaufensterausstellung entschieden, die nun parallel auch in anderen vogtländischen Städten wie beispielsweise Reichenbach gezeigt werde.
Mit den Panoramen wolle man zugleich dokumentieren, was mit einstigen Industriebauten alles "gemacht" werden könne - Anregungen geben für Firmen, Museen, die Kreativwirtschaft. Und auch dafür bildet das Weisbachsche Haus einen beeindruckenden Beleg.
Für Wirtschaftsförderer Eckhard Sorger bildet die Schaufenster-Exposition zudem einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt, eine Möglichkeit, den Handel in schwierigen Zeiten wieder zum Laufen zu bringen. Und auch Danijela Brko, Centermanagerin der Stadt-Galerie, zeigte sich überaus angetan von den neuen "Hinguckern" an einer ihrer Schaufensterfronten.
Vom 29. August bis 13. September findet zum Thema "Architektur der Moderne in Sachsen" zudem eine Ausstellung im Industriepavillon in der Dürerstraße 30a statt.