Straßenbahn Plauen fährt wieder nach Neundorf

Plauen - Mit der Wiedereröffnung der Straßenbahnlinien 1 und 3 nach Neundorf am Donnerstag hat die Plauener Straßenbahn (PSB) so ganz nebenbei einen Rekord aufgestellt. Noch nie, so die Geschäftsführerin des Unternehmens, Barbara Zeuner, sei seit Bestehen der Plauener Straßenbahn so lange Schienenerstzverkehr nötig gewesen.

 

Eineinhalb Jahre nahm die Rekonstruktion des Streckenabschnittes in Anspruch. Der erste Bauabschnitt wurde am 31. März vorigen Jahres in Angriff genommen, der zweite folgte am 18. Februar dieses Jahres. In der Regel galt bei der "Straba" bisher das Motto "Bauen und fahren". Um die Bauzeit zu verkürzen sei allerdings die entsprechende Baufreiheit erforderlich gewesen, so die Chefin. "Ansonsten hätten die Plauener wohl ein weiteres Jahr auf die Freigabe der Neundorfer warten müssen", fügt sie an. Auf insgesamt über 1,7 Millionen Euro beliefen sich die Baukosten, mit knapp einer Million beteiligte sich der Freistaat. Während die PSB gemeinsam mit der Kommune im Vorjahr die Kosten für den Schienenersatz allein schultern musste, beteiligten sich in diesem Jahr aufgrund der Kreisreform auch der Zweckverband ÖPNV und der Landkreis.

  Weniger Fahrgäste   Apropos Geld. Mindereinnahmen ergaben sich im I. und II. Quartal dieses Jahres auch durch weniger Fahrgäste, deren Zahl um 6,7 Prozent zurück ging. Barbara Zeuner führt dies allerdings nicht allein auf die Bauarbeiten zurück, sondern ebenso auf die Tatsache, dass in vielen Betrieben kurzgearbeitet werde, was sich natürlich auch in den Passagierzahlen niederschlage. Einen gravierenden Einbruch habe man auch im Nachtverkehr zu verzeichnen. "Wenn die Leute aus Spargründen nicht mehr so oft ins Theater, ins Kino oder Gaststätten gehen, brauchen sie auch keine öffentlichen Verkehrsmittel, begründet die Geschäftsführererin das veränderte Fahrverhalten der Plauener.

Insgesamt wurden in beiden Bauabschnitten 880 Meter Gleis- und Fahrleitungsanlagen erneuert. Doch nicht nur die Strecke selbst wurde instandgesetzt und modernen Anforderungen angepasst - wenn die Plauener sich ab morgen wieder per Schiene Richtung Neundorf und Möbelhaus Biller begeben, wird ihnen auch eine neue Haltestelle zur Verfügung stehen, die den meisten im Stadtbild sicher längst aufgefallen ist. Unmittelbar vor dem Haupteingang zur Stadtverwaltung gelegen, trägt sie folgerichtig den Namen "Neues Rathaus". Vor allem für ältere Bürger ein echter Gewinn, entspreche der Höhenunterschied zwischen Tunnel und Rathaus doch immerhin dem eines viergeschossiges Hauses, wie Barbara Zeuner anmerkt.

  Barrierefreie Haltestellen   Die ehemalige Haltestelle Marienstraße wird in Hans-Löwel-Platz umbenannt. Die Haltestelle Dittrichplatz ist bis zum Ende der Bauarbeiten noch in Richtung Kreuzung Friedensstraße verlegt. Sind die Arbeiten endgültig abgeschlossen, ergeben sich für die Bürger auch deutliche Verbesserungen beim Zugang. Alle drei Haltestellen präsentieren sich dann barrierefrei von einem erhöhten Bahnsteig aus. Und verkehrssicher sind sie überdies, da sich die Haltestelle "Neues Rathaus" im Fußgängerbereich befindet. Und auch die Haltepunkte am Löwel- und Dittrichplatz sind so angelegt, dass die Fahrgäste keine Straße überqueren müssen. Während tagsüber ab Donnerstag der normale Straba-Verkehr rollt, kann die Nachtbuslinie N2 vom Tunnel bis Neundorf noch nicht über die Neundorfer geleitet werden.

Wie die Geschäftsführerin weiter informierte, werden die Linien wochentags in der Hauptverkehrszeit weiter im Zehn-Minuten-Takt fahren, mit Ausnahme der Linie 5, die von 8 bis 12 Uhr im 20-Minuten-Takt bedient wird. Samstags gilt weiterhin der 15-Minuten-Takt, an Sonntagen wird der bisher nur vormittags gefahrene 20-Minuten-Takt bis 20 Uhr beibehalten. Wer?s ganz genau wissen will, kann den ab 1. Oktober geltenden neuen Fahrplan am Service-Schalter am Tunnel erwerben. Und weil die "Tram" bald ihr 115-jähriges Bestehen feiert, gibts den Fahrplan im Hosentaschenformat für nur einen Euro. Ohne Brille freilich werden ihn wohl nur wenige lesen können. Dem Format geschuldet, sind die Tabellen denkbar klein geraten. Übrigens mussten mit Beginn der Bauarbeiten nicht nur die Fahrgäste von Tram auf Bus umsteigen, sondern auch sechs Beschäftigte der PSB. Die Kollegen wurden von der Verkehrsakademie zu Busfahrern umgeschult und werden nun lückenlos wieder "auf die Schiene" integriert. Die einen mit einem lachendem und einem weinendem Auge, die anderen mit zwei lachenden Augen, wie Verkehrsleiter Hartmuth Förster anfügt.

  Freie Fahrt für alle   Auf alle Fälle soll die Wiedereröffnung ordentlich gefeiert werden. Am 1. Oktober steht ab 10 Uhr eine Sonderbahn für geladene Gäste nach Neundorf bereit. Von 11 bis 18 Uhr agiert die PSB in Eigenwerbung. In dieser Zeit können alle Interessierten kostenlos mit einer zusätzlich eingestellten Bahn die wieder eröffnete Stecke befahren. Und: Im Stadtgebiet kostet das Ticket an diesem Tag 1,20 Euro, gültig für zwei Personen. Und kulturell soll ebenfalls was geboten werden - beispielsweise präsentiert sich die Jazz-Combo des Vogtlandkonservatoriums und auch einige Kitas sind mit einem kleinen Programm vertreten.

Obwohl die Wiedereröffnung der beiden Linien einen wichtigen Tag für die PSB markiert, stehen die echten Höhepunkte noch ins Haus. Immerhin feiert die Plauener Tram am 17. November ihr 115-jähriges Bestehen. Die Chefin avisiert für diesen Tag bereits Sonderfahrten mit verschiedenen historischen Fahrzeugen, für Zeitkarteninhaber sogar kostenfrei. Alle ande- ren zahlen einen Euro und erhalten dafür ein historisch gestaltetes Ticket. Bereits ab 26. November wird eine aufwändig gestaltete Ausstellung der Plauener Straßenbahn in der Stadtgalerie auf das Jubläum aufmerksam machen. tp