Straßberger CDU-Ortschaftsrat Blechschmidt betitelt Homosexuelle als Kranke

Der Plauener CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt hat Homosexuelle als Kranke bezeichnet. Das ruft scharfen Protest hervor: SPD-Stadtrat Benjamin Zabel fordert eine Entschuldigung - oder Blechschmidts Rücktritt.

Plauen - "Ich fordere Dieter Blechschmidt auf, seine Äußerung klarzustellen und sich gegenüber homosexuellen Menschen für diesen Ausfall zu entschuldigen. Sollte er das nicht tun, fordere ich ihn zur sofortigen Niederlegung seiner Mandate auf. Er ist dann als Ortschaftsratsvorsitzender in Straßberg und Plauener Stadtrat nicht mehr tragbar", schreibt Zabel in einer Pressemitteilung.

Er bezeichnet Blechschmidts Äußerungen als homophob und intolerant. "Sie gehören nicht in das öffentliche Bild eines demokratischen Stadtrates, ich schäme mich für die Äußerungen dieses Stadtratsmitgliedes."

Dieter Blechschmidt versteht die Aufregung nicht. "Wir sind ein freies Land - jeder kann seine Meinung haben. Ich finde es schade, dass es Leute gibt, die daraus eine Rücktrittsforderung ableiten. Das ist sehr intolerant und passt nicht in unsere Zeit", sagt er auf Nachfrage des Vogtland-Anzeigers.

Blechschmidt vergleicht die Homosexualität mit der Alkoholkrankheit - auch wenn Vergleiche hinken: Beides sei heilbar; in Amerika gebe es Kliniken, die das täten. Schwulsein sei kein körperliches Leiden sondern habe psychische Ursachen - "so stelle ich mir das vor". Blechschmidt hält es nach eigenen Worten für keine gute Wahl, dass Guido Westerwelle Außenminister der Bundesrepublik ist. Wie solle ein Schwuler Deutschland in Arabien repräsentieren, wenn dort Homosexuellen die Todesstrafe drohe?, fragt er.

Vor ein paar Tagen hatte Blechschmidt einen Leserbrief geschrieben (Vogtland-Anzeiger vom 21. April) in dem er sich äußert zum Umgang mit homosexuellen Pfarrern in der sächsischen Kirche. Dort hatte er aus Sicht von SPD-Stadtrat Zabel homosexuelle Pfarrer diffamiert, als er schrieb: "Niemand spricht ihnen ab, Christen und Kirchenmitglied zu sein - nur eben bitte nicht Pfarrer". Gestern hat Blechschmidt laut Zabel im sozialen Netzwerk Facebook noch einen draufgesetzt mit folgendem Kommentar: ". . .natürlich können Schwule und Lesben zunächst mal nichts für ihre Krankheit und niemand darf sie dafür verurteilen, doch eine Krankheit sollte nicht zur gesellschaftlichen Normalität erhoben werden, sondern den Betroffenen sollte Hilfe angeboten werden".

CDU-Fraktionschef Hansjoachim Weiß hält sich zu den Äußerungen Blechschmidts, dem Pressesprecher der Stadtratsfraktion, zunächst bedeckt. "Er hat seine eigene Meinung. Und das Thema ist für uns als Stadtratsfraktion nicht relevant, weil es keine Frage der politischen Positionierung ist", sagte Weiß auf Nachfrage. "Die aktuelle Diskussion bei Facebook kenne ich nicht, nur den Leserbrief", so Weiß. Entschieden habe die Synode der evangelischen Kirche. Und sie sei zu dem Kompromiss gekommen, dass der Kirchenvorstand einstimmig entscheiden müsse, wie mit homosexuellen Pfarrern oder Pfarrerinnen verfahren werde.

"Wenn die Synode so entschieden hat, dann soll es so geschehen. Die Regelung kann man akzeptieren." Persönlich halte Weiß es aber "für problematisch, wenn ein christlicher Pfarrer, der sich für die Familie starkmachen soll, homosexuelle Neigung hat. Wenn der Kirchenvorstand ihm aber das Vertrauen ausgesprochen hat, soll er Pfarrer der Gemeinde sein", so Weiß, der sich in dem Falle natürlich auch dessen Predigt in der Kirche anhören würde. ufa, M. T.