Stolpert Schink über Restmüll?

Die für Montag anberaumte Aufsichtsratssitzung der kreiseigenen Müllfirmen wird eine Woche verschoben - wegen formeller Fehler. Das teilt das Landratsamt kurzfristig mit. In der Sitzung soll es um ein brisantes Thema gehen: Die Beurlaubung von Dr. Uwe Schink, Geschäftsführer von KEV und Deponie Schneidenbach Betreibergesellschaft.

Plauen/Oelsnitz - Drei Wochen nach der Beurlaubung von Uwe Schink weisen die Anschuldigungen gegen diesen in eine Richtung: Zu dem Ausschreibungsverfahren der Restmüll-Verwertung.

Der vor Jahren mit dem bisherigen Abnehmer vogtländischen Restmülls geschlossene Vertrag läuft nun aus. Bisher wurde der zu Ersatzbrennstoffen in der kreiseigenen Mechanisch-Biologischen Stabilisierungsanlage (MBS) Oelsnitz geschredderte Restmüll an ein Kraftwerk bei Halle/Merseburg geliefert. Dort wird der vogtländische Müll (EBS) verbrannt.

Dabei wird Energie erzeugt. Abnahme und Verwertung des Restmülls kostete den Vogtlandkreis, aufgeteilt auf sechs Jahre, rund 15 Millionen Euro. Als das Auslaufen der Verträge in Sicht kam, habe der Landrat ihn zur europaweiten Ausschreibung dieser Leistung aufgefordert, sagt der derzeit beurlaubte Geschäftsführer Uwe Schink.

Das habe er getan. Ergebnisse liegen nun vor und nach den Worten Schinks auch die Angebote der Bestbieter. Denn als kreiseigene Gesellschaft ist die DSG und deren Aufsichtsräte verpflichtet, dem wirtschaftlichsten Anbieter den Zuschlag zu erteilen. "Nichts wird schlechter als bisher. Im Gegenteil: Für den Kreis wird es günstiger werden", sagt Schink gegenüber dem Vogtland-Anzeiger.

Wenn der Kreis also künftig sogar Geld bei der Restmüll-Verwertung sparen kann, weshalb hat man dann den geschäftsführenden Abfall- Mann beurlaubt? Bis heute habe ihm sein Arbeitgeber, der Landrat, nicht die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, exakt genannt. Einzig habe man ihn aufgefordert, acht Fragen zum Thema Restmüll-Ausschreibung und MBS zu beantworten. "Ich fühle mich sehr ungerecht behandelt.

Das ist kein Umgang mit einem Menschen, der 20 Jahre in leitender Position beschäftigt war", sagt Schink. Ursprünglich habe er den gestrigen Dienstag, den Tag, an dem die KEV- und DSGAufsichtsräte hätten tagen sollen, herbei gesehnt. Zum einen, um zu erfahren, was man ihm konkret vorwirft - zum anderen, um vor dem Gremium Stellung dazu nehmen zu dürfen. Dazu ist es wegen der Absage der Sitzung nun nicht gekommen.

Aber auch wenn die Aufsichtsräte getagt hätten, wäre Schink vermutlich nicht zur Anhörung zugelassen worden. Vor wenigen Tagen sei Schink vom Landrat von der Sitzung ausgeladen worden, weiß auch DSG-Aufsichtsrat Henry Ruß. "Wo gibt es so was, dass man dem Delinquent nicht die Chance lässt, sich zu erklären", ist Ruß ob des rigorosen Vorgehens des Landrates entsetzt.

Er werde sich dafür einsetzen, dass Uwe Schink Stellung nehmen kann vor dem Aufsichtsrat, sagt der Kreisrat der Linken. Er und weitere Aufsichtsräte fühlen sich vom Landrat brüskiert, weil man sie über die Gründe für Schinks Beurlaubung im Dunkeln lässt. Uwe Schink hat sich unterdessen rechtliche Unterstützung bei einer Anwältin gesucht. Aber auch diese fischt im Trüben, so lange die Vorwürfe nicht konkret genannt sind. Der Landrat war am Montag zum Thema nicht zu erreichen.

Kreisausschuss tagt

Die Petition des Kreisverbandes der Linkspartei zur Abfallwirtschaftsund Abfallgebührensatzung des Vogtlandkreises sowie Anfragen stehen auf der Tagesordnung des Kreisausschusses - am morgigen Donnerstag, 18. Januar, 17 Uhr, im mittleren Sitzungssaal des Landratsamtes, Postplatz 5.