Stolpersteine geputzt

18 Stolpersteine machen im Stadtgebiet vor ehemaligen Wohnhäusern Plauener Juden auf deren Schicksal während des Naziregimes aufmerksam. Kai Grünler unterzog die auf Gehsteigen eingelassenen Zeitzeugen am Wochenende einer Säuberungsaktion. Und dieser Termin war nicht zufällig gewählt.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Dass sich der kräftige Mann mit dem markanten roten Bart für seine Heimatstadt einsetzt, dürfte vielen bekannt sein. Für die Sanierung des Kemmlerturmes rief er beispielsweise nahezu im Alleingang eine Spendenaktion ins Leben, nicht minder engagiert er sich für freies WLAN in der Innenstadt.
Am Wochenende begab er sich auf eine besonders schweißtreibende Tour: Das dritte Jahr in Folge befreite Grünler die 18 Stolpersteine, die in Plauen auf das Schicksal einst hier lebender Juden aufmerksam machen, von Patina. "Es kümmert sich ja sonst niemand", sagt Grünler und man hört dennoch kaum einen Vorwurf aus seinen Worten. Dass er dafür jeweils die Wochenenden vor der Pogromnacht am 10. November wählt, als die Nazis 1938 auch die Plauener Synagoge niederbrannten, ist kein Zufall.
Er habe noch mal im Stadtarchiv und auf Wikipedia nachgeschaut um sich zu vergewissern, dass er bei seiner Putzaktion auch keinen Stolperstein vergesse, sagt Grünler, der immerhin einen halben Tag unterwegs war und abends auch mit einem ordentlichen Muskelkater "belohnt" wurde. "Die Stolpersteine legen binnen Jahresfrist ganz schön Patina an", lacht Grünler, der deshalb auch nicht einfach so drauflos putzte, sondern sich auf der Homepage des Initiators dieser Gedenk-Aktion, Gunter Demnig, kundig machte. Jedem Stolperstein rückte er mit einer Flasche Wasser, mehreren Mikrofasertüchern, sowie Messing- und Kupferpolitur zu Leibe, sagt Grünler. Dabei sei das Vorher-Nachher ziemlich deutlich zu sehen gewesen. Mittlerweile ist Demlnig, der auch einige Stolperstein in Plauen höchstselbst verlegte, weltweit unterwegs. Und so dauert es mittlerweile auch eine ganze Zeit, bis der Kölner Künstler, die (meist) von den Stadtverwaltungen an ihn herangetragenen Wünsche "abarbeiteb" kann. In der Regel müsse man vorher recherchieren, gegebenenfalls mit dem Hauseigentümer sprechen und die Finanzierung sichern, erklärt Grünler das Prozedere. Übrigens: Nimmt man alle verlegten Stolpersteine zusammen, dann handele es sich um das größte Flächendenkmal der Welt, fügt Grünler an.
Zum Jahrestag der Novemberpogrome gedachten auch Mitglieder der Linksjugend Vogtland und des Ortsverbandes Die Linke den Opfern und der Zerstörung bei den antisemitischen Ausschreitungen durch die Nationalsozialisten. Ziel sei es, die Erinnerung an die Taten wach zu halten und das Geschichtsbewusstsein der Bürger zu stärken.
Petra Rank vom Ortsverband Plauen ergänzt: "Ich halte es auch noch in der heutigen Zeit für sehr wichtig, an die Geschehnisse in der Pogromnacht zur erinnern und den Opfern zu gedenken. Denn es macht uns deutlich, bei jeder Art von Rassismus und Diskriminierung nicht wegzuschauen, sondern was dagegen zu tun. Leider gibt es auch in der heutigen Zeit noch immer Opfer von Rassismus und Antisemitismus wie uns Hanau und Halle zeigen."