Stolperstein mit Geschichte in Reichenbach

Ursprünglich war geplant, den Stein vor Beutlers ehemaliger Wollspinnerei und mechanischer Weberei in der Dr.-Külz-Straße 6 einzubringen. Als im Oktober vergangenen Jahres die anderen acht Steine in Reichenbach verlegt wurden, hatte man den einen wegen bevorstehender Bauarbeiten aber noch zurück gehalten.

Stadthistoriker Werner Nitzschke schlug zwischenzeitlich vor, den Stolperstein nicht vor die ehemalige Fabrik sondern vor das Wohnhaus zu verlegen, in dem auch das Kontor der Firma Isidor Beutler untergebracht war. Dort befinden sich bereits zwei Stolpersteine im Fußweg. Sie erinnern an Flora und Elisabeth Beutler, die Ehefrau und die Schwägerin von Isidor.

Den Stein für den Unternehmer Isidor Beutler hat der Verein der Sächsischen Israelfreunde bezahlt. Deren stellvertretender Vorsitzender Werner Hartstock klopfte den Stolperstein am Montag zusammen mit dem aus Reichenbach stammenden Juden Herbert Samter ins Pflaster. Samter wohnte bis 1936 in der Neuberinstadt. Dann musste er 13-jährig mit der Familie auswandern. Heute lebt er im isrealischen Haife.

In all den Jahren hat der freundliche Mann den Kontakt in seine Heimatstadt nie abreißen lassen. Seit der Wende kommt er fast jedes Jahr zu Besuch hierher. Besonders gut ist er mit Werner Nitzschke befreundet.

Derzeit weilt Samter zusammen mit seinen zwei Töchtern und seinem Sohn auf Einladung von Oberbürgermeister Dieter Kießling in Reichenbach. Sie waren Gäste zur 800-Jahr-Feier. Besonders interessiert habe ihn natürlich das neue Bildungs- und Begegnungszentrum der Sächsischen Israelfreunde im Park der Generationen, sagt Herbert Samter. Zwar habe er Isidor Beutler nicht selbst gekannt, erzählt der fast 90-jährige Israeli. Aber seine Mutter schon.

Und Hartstock fügt hinzu, dass sein Großvater mit Isidor Beutler im selben Gesangsverein gesungen habe. Werner Nitzschke erinnerte in bewegenden Worten an Isidor Beutler, der in der Nähe von Posen geboren erst 25-jährig nach Reichenbach kam und hier zwei erfolgreiche Textilunternehmen führte. 1938 und damit kurz vor der Zwangsenteignung und "Arisierung" seiner Firmen verstarb er im Haus Weststraße 24.